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WIL: Günstiger wohnen in der Stadt

Mit Sorge verfolgt die Sozialdemokratische Partei der Stadt Wil die steigenden Wohnkosten. Um einen Gegenpol zu setzen, will die SP in diesem Jahr den genossenschaftlichen Wohnungsbau anstossen. Das Ziel: hohe Wohn- und Lebensqualität zu erschwinglichen Preisen.
Hans Suter
Das 2 (Bild: Simon Dudle)

Das 2 (Bild: Simon Dudle)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

«Vieles ist derzeit noch unklar», sagt SP-Präsident Daniel Schönenberger. Ausser der felsenfesten Überzeugung: «Es muss etwas geschehen, damit diese Stadt auch für Menschen mit tieferem Einkommen lebenswert bleibt.» Als Ideal betrachtet er eine genossenschaftlich-gemeinnützige Wohnüberbauung, die Menschen jeden Alters und verschiedener Sozialschichten Wohnheimat ist. Denn Wohnen wird immer mehr zur Preisfrage. Während die Zuwanderung aus dem teuren Zürcher Wohnumfeld in die relativ betrachtet günstigere Stadt Wil seit Jahren anhält, ziehen wegen der steigenden Preise Familien und Einzelpersonen mit tieferem Einkommen aus Wil weg in günstigere Gemeinden.

Die Statistik gibt Daniel Schönenberger Recht. Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik lag der Schweizer Durschnittspreis über alle Wohngrössen im Jahr 1990 noch bei 820 Franken. Gemäss den Statistikern des Bundes entspricht das 1063 Franken im Jahr 2015, wenn die Teuerung eingerechnet wird. Schon im Jahr 2000 jedoch betrug die Durchschnittsmiete teuerungsbereinigt effektiv 1134 Franken. Die Kantone Thurgau und St. Gallen liegen mit einem Durchschnittspreis von knapp 1200 Franken gut 100 Franken unter dem aktuellen Schweizer Durchschnitt. Die Stadt Wil dürfte nahe beim Durchschnitt oder gar etwas darüber liegen.

Heimat für alle Generationen und Sozialschichten

Die Initianten in der SP verfügen weder über ein eigenes Grundstück, noch über die nötigen finanziellen Mittel zur Vorfinanzierung. Aber sie sind bereit, sich persönlich für eine Wohnbaugenossenschaft einzusetzen, sowohl auf politischer als auch auf privater Ebene. An der kürzlich durchgeführten Hauptversammlung haben die Mitglieder die Idee eingehend diskutiert und den möglichen weiteren Weg zu definieren versucht. Als nächster konkreter Schritt soll eine Genossenschaft gegründet werden. Was die Frage aufwirft: Warum wird nicht zuerst nach einem geeigneten Grundstück Ausschau gehalten und die Vorfinanzierung geklärt? «Wenn wir mit Grundeigentümern und Banken ins Gespräch kommen wollen, brauchen sie einen Ansprechpartner. Den haben sie mit dem Vorstand einer Genossenschaft», sagt Daniel Schönenberger.

Wann die Genossenschaft in Form von Mauern, Fenstern und Dächern Gestalt annimmt, liegt noch jenseits des Planungshorizonts. Die Initianten werden sich wohl aber beeilen müssen, um von den historisch tiefen Hypothekarzinsen zu profitieren. Für das Wo gibt es hingegen zwei Vorstellungen: «Als geeignet erachten wir die Wiese hinter der Liegenschaft ‹Freihof›, die zur Psychiatrie St. Gallen Nord gehört, und das 21000 Quadratmeter umfassende Areal des ehemaligen Zeughauses an der Thurau-strasse.» Beiden Grundstücken gemeinsam ist, dass sie der öffentlichen Hand gehören, die Wiese dem Kanton, das Zeughaus der Stadt. Beide Eigentümer streben von ihrer Natur aus nicht nach Gewinn, sondern nach befruchtendem Nutzen. Daher könnten sie das Land zu einem günstigen Preis verkaufen oder im Baurecht abgeben. Vorausgesetzt, die Genossenschaft wird als gemeinnützig und nicht gewinnorientiert klassiert.

In Auftrag gegebene Studie liegt dem Stadtrat vor

Unter dem Titel «Für mehr bezahlbare Wohnungen» hat der damalige SP-Stadtparlamentarier Kilian Meyer am 1. September 2016 ein Postulat eingereicht, das nicht zuletzt auch auf Antrag des Stadtrats erheblich erklärt wurde. Zugleich wurde für die Ausarbeitung einer Studie ein Kredit von 35000 Franken bewilligt. Diese Studie liegt dem Stadtrat mittlerweile vor, wie Stadtrat Daniel Stutz (Grüne Prowil) auf Anfrage bestätigt. Im Zentrum der Studie steht die gemeinnützige Wohnbautätigkeit, ungeachtet dessen, ob sie genossenschaftlich oder anders organisiert ist. Zum Inhalt mag Stutz noch nicht Stellung nehmen, da das Stadtparlament ein Erstinformationsrecht geniesst. Das Parlament werde in wenigen Wochen mit der Postulatsantwort und der Studie bedient. Er bestätigt jedoch, dass die Studie auch auf das Zeughaus-Areal eingeht.

Der Spekulation dauerhaft entzogen

Um die Wohnungen möglichst günstig anbieten zu können, wird als Rechtsform häufig die Genossenschaft gewählt. «Die gemeinnützigen Bauträger entziehen Land und Liegenschaften der Spekulation und vermieten ihre Wohnungen in der Regel nach den Grundsätzen der Kostenmiete», heisst es beim Verband Wohnbaugenossenschaft Schweiz. Solche Wohnungen seien deshalb rund 20 Prozent günstiger als andere Mietwohnungen. «So tragen sie zu einer guten Wohnraumversorgung und zu durchmischten Quartieren mit einer hohen Wohn- und Lebensqualität bei», heisst es auf der Website des Verbandes.

Jede zwanzigste Wohnung gehöre einer von rund 1500 gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaften. Dazu zählen auch viele Alterswohnungen. «Sie verkörpern klassische schweizerische Werte: Selbsthilfe, Solidarität, demokratische Mitbestimmung, lokale Verwurzelung.» Leider sei der Marktanteil der Wohnbaugenossenschaften gesunken. Um den Anteil von knapp fünf Prozent halten oder gar steigern zu können, brauche es deutlich mehr neue Genossenschaftswohnungen.

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