WIL: Grundeigentümer frustriert: Baubeginn verzögert sich erneut

Der Neubau des Ärztehauses Meyenberger beim Ilge-Kreisel verzögert sich. Grund ist das neue Planungs- und Baugesetz, das am 1. Oktober 2017 in Kraft trat. Mit dem Baubeginn wird nicht vor 2020 gerechnet.

Marco A. Cappellari
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Das Ärztehaus Meyenberger an der Unteren Bahnhofstrasse 14 soll durch einen Neubau ersetzt werden. (Bild: Marco Cappellari)

Das Ärztehaus Meyenberger an der Unteren Bahnhofstrasse 14 soll durch einen Neubau ersetzt werden. (Bild: Marco Cappellari)

Die Bauvisiere, die bis vor kurzem noch das Gebäude umsäumten, sind wieder weg. Sie wurden über Ostern abmontiert. «Ein Baubeginn wird voraussichtlich nicht vor 2020 möglich sein», sagt Thomas Dufner, Rechtsvertreter der Grundeigentümer, den Ärztegeschwistern Meyenberger, denen die Liegenschaft an der Unteren Bahnhofstrasse 14 in Wil gehört.

Diese Liegenschaft soll abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden. Abklärungs- und Planungsarbeiten dafür laufen bereits seit über einem Jahrzehnt und resultierten in der Einreichung des Baugesuchs bei der Stadt Wil im April 2017. Am 1. Oktober 2017 trat aber das neue kantonale Planungs- und Baugesetz (PBG) in Kraft, das in Gemeinden mit einer über 15-jährigen Schutzverordnung einen automatischen provisorischen Schutzstatus für Objekte in Ortsbild-Schutzgebieten vorsieht.

Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage geplant

Aufgrund dieser veränderten Rechtslage muss die Meyenberger-Liegenschaft auf ihren Schutzstatus überprüft werden. Die neue Schutzverordnung der Stadt Wil, die als Grundlage dafür dient, wird für Ende 2018 erwartet. Aus diesem Grund bleibe den Grundeigentümern nichts anderes übrig, als das Baugesuch einstweilen zurückzuziehen, um es nach Inkrafttreten der neuen Schutzverordnung in gegebenenfalls überarbeiteter Form wieder neu einzureichen.

Für die Familie Meyenberger verzögert sich ihr Bauvorhaben somit auf unbestimmte Zeit. «Das ist natürlich frustrierend für die Familie. Man dachte aufgrund der langen Planungsphase, während der man in engem Kontakt mit dem Architekturkollegium der Stadt Wil stand, dass man auf einem guten Weg war – bis man von der Revision des kantonalen Baugesetzes wieder zurückgeworfen wurde», sagt Thomas Dufner. Für den Ersatzbau sei ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage geplant.

Zurzeit steht das Haus leer, und das bereits seit Jahren. Davor war es für über 100 Jahre der Sitz der Arztpraxen der Familie Meyenberger, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz des Hauses ist. Von einer Sanierung des traditionsbehafteten Gebäudes war abgesehen worden, da dies aufgrund von Lärmschutzmassnahmen und einem Wasserschaden vor ein paar Jahren unverhältnismässig aufwendig gewesen wäre.

Die erneute Verzögerung des Bauvorhabens ist nicht die erste Schwierigkeit, mit der die Bauherrenschaft zu kämpfen hat. Nach Einreichung des Baugesuches im April des vergangenen Jahres war eine Einsprache eingegangen. «Es ging dabei hauptsächlich um den Ortsbildschutz», sagt Dufner. «Diese Einsprache ist zwar noch hängig, wird aber mit dem Rückzug des Baugesuches gegenstandslos. Ein allfälliger Schutzstatus des Hauses, das heute nicht unter Schutz steht, wird im Rahmen des Erlasses der neuen Wiler Schutzverordnung geprüft werden», erklärt Thomas Dufner.

Erst danach werde das Baugesuch in gegebenenfalls überarbeiteter Version neu eingereicht werden können.