WIL: Grosse Zeit für kleine Bühne

Die Bühne am Gleis hat schon unzähligen Kleinkünstlern eine Plattform geboten – anfangs noch auf zusammengeschraubten Europaletten und Schaltafeln. Dieses Jahr feiert sie ihren zehnten Geburtstag.

Ursula Ammann
Merken
Drucken
Teilen
Das Künstlerduo Gilbert & Oleg macht am 28. Oktober mit dem Programm «Restaurant Zum Goldenen Gaukler» den Saisonauftakt. (Bild: PD)

Das Künstlerduo Gilbert & Oleg macht am 28. Oktober mit dem Programm «Restaurant Zum Goldenen Gaukler» den Saisonauftakt. (Bild: PD)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Hinter der Tür stapeln sich gut zwei Dutzend Bühnenelemente, auf dem Tisch liegen Couverts mit Programmen zum Versand parat. Die Bühne am Gleis bereitet sich auf die neue Saison vor: eine Jubiläumssaison. Zehn Jahre gibt es den Verein, der sechs bis sieben Mal im Jahr eine Plattform für Kleinkünstler bietet, nun schon. Die Geburtsstunde der Bühne am Gleis wurde mit der Eröffnung der Kultur-Werkstatt an der Churfirstenstrasse eingeläutet. Diverse Anlässe standen damals auf dem Programm: Tanzveranstaltungen zum Beispiel, aber auch ein Auftritt des Künstlerduos Stimmhorn. Die Gäste gingen wieder heim, aber das Ereignis blieb sitzen. Im positiven Sinne. «Deshalb wollten wir diese Art von Veranstaltungen fortführen», sagt Michael Fischer, Betreiber der Kultur-Werkstatt und Präsident des Vereins Bühne am Gleis.

Ein «totaler Glücksfall» war für Michael Fischer, dass er damals das komplette Equipment eines anderen Theaterbetriebs kaufen konnte: Vorhänge, Lampen, Beleuchtungsmaterial. Die Bühne selbst aber musste das Aufbauteam jeweils vor jedem Auftritt zusammenzimmern. Mit Europaletten von der Landi und mit Schaltafeln einer Wiler Bauunternehmung. Um den Boden im Saal zu schonen, transportierte Michael Fischer, der seit Jahren als Lehrer in Bronschhofen tätig ist, jeweils einen grossen, schweren Turnhallenteppich von seiner Schule zur Kultur-Werkstatt. Mit seinem VW-Bus. Noch heute erinnern sich die Teammitglieder an die aufwendigen Aufbauarbeiten, mittlerweile aber mit einem Lachen im Gesicht, denn heute geht vieles einfacher.

Gruppen kreieren gemeinsames Programm

Am Konzept der Bühne am Gleis ändert sich aber auch im 10-Jahr-Jubiläum nichts. Es sollen nach wie vor sicher einmal pro Saison regionale Künstler ihren Auftritt haben und auch Experimentelles seinen Platz bekommen. Reine Tanz- oder Musikveranstaltungen findet man im Programm nach wie vor nicht. «Das Credo ist, dass auf der Bühne Musik, Bewegung und Sprache zusammenfinden», sagt Michael Fischer. In der kommenden Saison wird diesen «Brückenschlägen», wie sie Fischer nennt, auch noch auf einer zusätzlichen Ebene Rechnung getragen. An drei Abenden treten je zwei Gruppen auf, die extra für das Jubiläum ein gemeinsames Programm einstudieren. Etwa das Trio Anderscht mit den Wiler Poeten, das Carambol Tanztheater mit «Zugluft» sowie Kathrin Bosshard mit «Pas de Deux».

Merkwürdige Entwicklung zeigt sich bei Plakaten

Die Bühne am Gleis habe unter Kleinkünstlern einen guten Namen, sagt Michael Fischer. «Wir sind nicht distanziert professionell, sondern unkompliziert familiär». Dennoch müsse die Chemie einfach stimmen. Im grossen ganzen habe die Bühne am Gleis mit allen Künstlern ein gutes Einvernehmen. Dies liege nicht zuletzt daran, dass man sich Mühe gebe, ihnen gute Konditionen zu bieten. Dennoch hätten in den letzten Jahren auch etwas merkwürdige Entwicklungen stattgefunden. Zum Beispiel, dass Agenturen die Plakate in Rechnung stellen. Plakate, welche die Helferinnen und Helfer in der Stadt aufhängen – ehrenamtlich.

Finanziell steht die Bühne am Gleis jedoch auf gesunden Beinen. Sie kann auf ein grosses Stammpublikum zählen und die Besucherzahlen sind seit Jahren leicht steigend. Um die 400 Personen haben sich vergangene Saison ein Stück angeschaut. Auch in der kommenden Spielzeit gibt es Magisches, Kreatives, Lustiges und Verblüffendes zu sehen und zu hören.