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«Weiss nicht» gibt es nicht: So soll den Jugendlichen bei der Berufswahl geholfen werden

300 Schüler reden mit Lehrlingen aus 70 Berufen: Die Gewerbeausstellung Z19 macht die Begegnung möglich.
Hans Suter
Coiffeuse, Ausbildnerin und Unternehmerin aus Leidenschaft: Erica Brändle. Sie organisiert einen Lehrlingsanlass an der Z19 und hofft, dass die Schüler später auf die Frage, was sie den von Beruf werden möchten, nicht antworten müssen: «Weiss nicht.» (Bilder: Hans Suter)

Coiffeuse, Ausbildnerin und Unternehmerin aus Leidenschaft: Erica Brändle. Sie organisiert einen Lehrlingsanlass an der Z19 und hofft, dass die Schüler später auf die Frage, was sie den von Beruf werden möchten, nicht antworten müssen: «Weiss nicht.» (Bilder: Hans Suter)

Sich lautstark über zu wenig Berufsnachwuchs beklagen, aber nichts dagegen unternehmen: Der 55-jährigen Zuzwiler Unternehmerin Erica Brändle liegt diese Denkhaltung fern. Sie ist eine Frau der Tat, eine, die selber anpackt und mit gutem Beispiel vorangeht. Das beweist sie nicht nur als Selbstständigerwerbende, Schulrätin und Präsidentin verschiedener Organisationen, sondern auch als Programmchefin der Zuzwiler Gewerbeausstellung Z19, die vom Donnerstag, 5.September, bis Sonntag, 8.September, in Züberwangen stattfindet.

Chance entdeckt und genutzt

«Am Freitagnachmittag hat es an Gewerbeausstellungen erfahrungsgemäss wenige Besucherinnen und Besucher», sagt Erica Brändle. Genau darin sieht sie eine Chance und zieht einen Bogen zu einem ganz anderen Thema. «Man stelle sich vor, allein in der Gemeinde Zuzwil werden etwa 70 verschiedene Lehrberufe angeboten», sagt sie.

«Bietet die Z19 da nicht den idealen Rahmen, den Schülerinnen und Schülern im Berufswahlalter eine Vielzahl dieser Beruf näherzubringen?»

Von Gewerbe und Schulen positiv aufgenommen

Mit dieser Idee rannte sie im OK der Z19 unter dem Präsidium von Heinz Felix offene Türen ein. Damit hatte sie das Gewerbe bereits auf ihrer Seite. Fehlten noch die Schülerinnen und Schüler. Nach einem Gespräch mit Freddy Noser, Schulleiter der Oberstufe Sproochbrugg der Gemeinden Niederhelfenschwil und Zuzwil, hatte sie auch diese gewonnen. «Da die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe im Gegensatz zu jenen der Mittelstufe im Berufswahlprozess schon weit fortgeschritten sind, wurde mir geraten, auch die Primarschüler der 5. und 6. Klassen einzuladen», sagt Erica Brändle.

Unübersehbar: Der mehrere Meter hohe Werbeturm der Z19 in Züberwangen.

Unübersehbar: Der mehrere Meter hohe Werbeturm der Z19 in Züberwangen.

Nägel mit Köpfen

10000 Besucher, 4 Tage, 25 Stunden Unterhaltung, 70 Aussteller: Das sind Ziele, Zahlen und Fakten der Zuzwiler Gewerbeausstellung Z19. Sie findet vom 5. bis 8. September in den Räumen der Gärtnerei Rutishauser in Züberwangen statt und steht unter dem Motto «Nägel mit Köpfen». Die Begründung: «Wer Nägel mit Köpfen macht, der führt etwas konsequent durch, begnügt sich nicht mit Halbheiten, setzt ein Projekt professionell um.» (hs)

So werden sich am Nachmittag des 6.September mehr als 300 Schülerinnen und Schüler an der Z19 in Züberwangen einfinden und sich im direkten Gespräch mit Lehrlingen über verschiedenste Berufsbilder informieren. Von Lehrlingen?

«Ja, nach Möglichkeit von Lehrlingen. Lehrlinge zeigen den Schülern die Vielfalt eines Berufes auf ihre Weise und sind aufgrund ihres geringen Altersunterschieds näher an den jungen Fragenden als Erwachsene.»

Erica Brändle sieht in diesem Anlass sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Gewerbetreibenden eine Chance. «Wir brauchen guten Nachwuchs und müssen die jungen Leute für unsere Berufe begeistern», sagt die langjährige Lehrmeisterin. «Das duale Bildungssystem in der Schweiz bietet dazu die idealen Voraussetzungen.» Man könne heute einen handwerklichen Beruf lernen und später noch den Hochschulweg beschreiten. Oder wie sich Beat W. Zemp, der Ende Juli nach 29 Jahren als Präsident des Schweizer Lehrerverbandes in Pension ging, in der NZZ ausdrückte:

«Heute können Sie eine Maurerlehre machen und später Professor werden.»

«Chance für Schüler, Gewerbetreibende und Lehrer»

Die «Orientierung über Berufsbilder» an der Z19 erfolgt durch Lernende an der Messe. Matthias Unseld lobt dieses Engagement: «Das Gewerbe geht direkt zu den Kunden.» Der Zuzwiler ist Rektor am Berufs- und Weiterbildungszentrum Wattwil. Das Prinzip sei wie bei den Lehrstellenforen: «Lernende geben auf Augenhöhe Auskunft. Das kommt gut an.» Für das Gewerbe und die Industrie seien Anlässe dieser Art eine grosse Chance, Lernende zu finden. «Es ist aber auch eine Chance für die Lehrkräfte, einen Einblick in noch mehr Berufsbilder zu erhalten», sagt Unseld im Hinblick auf die Berufswahlvorbereitung in der Schule. In vielen Berufen zeichne sich ein Nachwuchsmangel ab, wenn regional unterschiedlich. In den 13 am BWT Wattwil vertretenen Berufslehren sei die Zahl neu eintretender Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsgebiet Linthgebiet, Glarus, Toggenburg und Grossregion Wil um fast 100 auf 430 zurückgegangen. 2017 habe die Zahl noch 470, im Jahr 2018 gar 502 betragen. Besonders betroffen seien die Gastro- und die Coiffeurbranche. Auch bei den Elektroinstallateuren sei ein massiver Rückgang zu verzeichnen. Am Spannungsfeld Berufslehre/Matura liege das aber nicht, sagt Matthias Unseld. Das Verhältnis sei in der Ostschweiz über die Jahre ziemlich konstant bei 70 Prozent Berufsschülern zu 30 Prozent Kantischülern. Grosse Veränderungen werde die Digitalisierung bringen: «Von den neu in die Primarschule Eintretenden werden 65 Prozent einen Beruf erlernen, den es heute noch gar nicht gibt», zitiert Unseld eine Studie. (hs)

Matthias Unseld, Zuzwil, Rektor des BWZ Wattwil. (Bild: PD)

Matthias Unseld, Zuzwil, Rektor des BWZ Wattwil. (Bild: PD)

Hinweis

Aktuelles unter www.z19.ch

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