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WIL: Für seine Treue bestraft

Johann Nepomuk Wirz à Rudenz war der letzte Reichsvogt in Wil. Trotzdem ist über sein Leben und Wirken in der Stadt nur wenig bekannt. Nur der Name des Hauses Rudenzburg erinnert heute noch an ihn.
Gianni Amstutz
Die einzig erhaltene Abbildung von Johann Nepomuk Wirz à Rudenz, der als letzter Reichsvogt der Stadt Wil in die Geschichte einging. (Bild: PD)

Die einzig erhaltene Abbildung von Johann Nepomuk Wirz à Rudenz, der als letzter Reichsvogt der Stadt Wil in die Geschichte einging. (Bild: PD)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Ende des 18. Jahrhunderts führte die Französische Revolution zu Veränderungen, die sich auch in Wil bemerkbar machten. Während in Frankreich die Vertreter des Ancien Régime durch die Guillotine hingerichtet wurden, dauerte es im damals beschaulichen 1000-Seelen-Städtchen Wil etwas länger, bis die Ideen unter den Schlagworten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ihre Wirkung zeigten. Doch auch hier fanden sie einen fruchtbaren Nährboden. Mittendrin war ein gewisser Nepomuk Wirz à Rudenz (1766-1841), der als letzter Reichsvogt der Äbtestadt in die Geschichte einging.

Eine Änderung der Machtverhältnisse

Die Zeichen der Zeit standen für Wirz à Rudenz äusserst ungünstig. Als er 1796 das Amt des Reichsvogtes im Dienste des Fürstabtes des Klosters St. Gallen übernahm, schien ein Umsturz der alten Ordnung bereits unausweichlich. In dieser hatte der Abt des Klosters St. Gallen neben seiner geistlichen auch die weltliche Macht über das Fürstenland, welches das Kloster St. Gallen, die Dörfer Gossau, Oberbüren mit ihrem Umland und die Stadt Wil umfasste.

«Dass sich Abt Pankraz Vorster neben der kirchlichen auch die weltliche Macht erhalten wollte, geriet ihm und letztlich auch Wirz à Rudenz, der ihm die Treue hielt, wohl zum Verhängnis», sagt Stadtarchivar Werner Warth. Denn nur zwei Jahre nachdem Johann Nepomuk Wirz à Rudenz sein Amt angetreten hatte, musste Fürstabt Pankraz Vorster ins Ausland flüchten. Grund dafür war der Einmarsch französischer Truppen in die Schweiz. Damit einhergehend wurde in der Schweiz eine neue Verfassung nach französischem Vorbild eingeführt. Die Helvetische Republik war geboren. Wenig später konnte Fürstabt Pankraz Vorster für eine kurze Zeit aus dem Exil zurückkehren, da die Franzosen durch Kriegsniederlagen kurzfristig an Einfluss verloren. Nach dem erneuten Sieg der Franzosen verlor er 1799 jedoch endgültig seine Herrschaft.

Doch auch die neue Helvetische Republik stand nicht auf sicheren Beinen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung schwand, sodass 1803 unter der Leitung von Napoleon Bonaparte eine neue Verfassung geschaffen wurde. Im Zuge dieser Verfassung wurde auch der Kanton St. Gallen mit seinen heutigen Grenzen gegründet. Der neue Kanton und seine Regierung liessen sich nicht mit den Herrschaftsansprüchen des Fürstabtes Pankraz Vorster vereinen. So wurde das Kloster St. Gallen 1803 aufgehoben und der Abt verlor auch seine geistliche Macht.

Erster Landammann des Kantons St. Gallen und somit ärgster Gegner von Abt Vorster und Johann Nepomuk Wirz à Rudenz wurde Karl von Müller-Friedberg. Wirz à Rudenz glaubte noch jahrelang daran, dass sich das neue politische System nicht festigen können werde. So hielt er seinem vormaligen Chef, dem Abt, stets die Treue und versuchte alles, um ihm wieder zu seinem politischen Einfluss zu verhelfen.

An alter Ordnung festgehalten

«Das war wohl der Fehler von ihm. Dass er nicht daran geglaubt hat, der Kanton könne funktionieren», sagt Werner Warth. Später verfasste Wirz à Rudenz mit anderen einflussreichen Wiler Bürgern ein Schreiben, in dem sie die Wiederherstellung der alten Ordnung befürworteten. «Das war Hochverrat», erklärt Warth. Dafür sei Rudenz à Wirz 1815 hart bestraft worden. Der regierende Landammann Müller-Friedberg sprach eine Busse gegen ihn aus in Höhe von 10175 Gulden. «Für damalige Verhältnisse war das eine astronomische Summe», sagt Warth. Zum Vergleich: Als Wirz 1810 den Hof gekauft hatte, kostete dieser mit zugehörigen Gebäuden «nur» 7 550 Gulden.

Um die Busse zu bezahlen, benötigte Wirz à Rudenz, obwohl aus gutem Hause stammend und vermögend, ganze 21 Jahre. Es sei bis heute unklar, weshalb die Busse für ihn so hoch ausgefallen sei. «Müller-Friedberg hat ihn regelrecht verfolgt und wollte ihn fertigmachen.» Es sei eine gleichwohl spannende wie auch tragische Geschichte, sagt Warth. Über die vergangenen zwei Jahre hat er sich intensiv mit dem Leben von Johann Nepomuk Wirz à Rudenz beschäftigt, Berge an Aktenmaterial untersucht und seine Erkenntnisse zu einem reich bebilderten Buch verarbeitet. Dieses ist via die Vereinigung Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung zu erwerben.

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