Wil
«Für mich bedeutet das eine grosse Erleichterung»: Was die erste Kundin des neuen Recycling-Abholservices zum Abschluss des Abos bewogen hat

Vor einem Monat lancierte der Verein Velo Wil in Zusammenarbeit mit den Heimstätten Wil und dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid ein neues Angebot. Mit dem sogenannten Easybag werden recycelbare Materialien einmal monatlich per Cargobike abgeholt. Die Nachfrage übertrifft die Erwartungen der Verantwortlichen.

Gianni Amstutz
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Helene Weiss ist eine der ersten Kundinnen des neuen Recycling-Abholservices. Die Abholung organisiert Davis Bock von den Heimstätten Wil.

Helene Weiss ist eine der ersten Kundinnen des neuen Recycling-Abholservices. Die Abholung organisiert Davis Bock von den Heimstätten Wil.

Bild: Gianni Amstutz

Helene Weiss ist eine der ersten Kundinnen des neuen «Easybag». Bei der ersten Abholung ist auch Stadtpräsident Hans Mäder dabei. Obwohl das nicht zum üblichen Service gehört, ist Weiss vom Angebot überzeugt:

«Für mich bietet der ‹Easybag› eine grosse Erleichterung.»

Denn Helene Weiss hat Probleme mit dem Rücken. Da es in der Nähe ihres Hauses keine Sammelstelle hat, wäre die Entsorgung der schweren Glasflaschen, der Elektrogeräte und weiterer Wertstoffe für sie sehr umständlich. Und ein Auto, um die recycelbaren Materialien selbst zu den Sammelstellen zu bringen, hat sie keines.

Preis wird als fair beurteilt

Das neu geschaffene Angebot kam für sie deshalb wie gerufen. Da stört es Helene Weiss auch nicht, dass das Ganze seinen Preis hat. 13.75 Franken bezahlt sie für einen 60-Liter-Sack beziehungsweise 165 Franken für das Jahresabonnement mit zwölf Säcken.

Das beurteilt sie als fairen Preis. Schliesslich müsse jemand von den Heimstätten Wil den «Easybag» mit dem Cargobike abholen und der Inhalt beim Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sortiert werden. Denn im Easybag können unterschiedliche Materialien gemischt entsorgt werden. Dieses Mal landen bei Helene Weiss neben dem Glasabfall beispielsweise auch eine elektrische Zahnbürste, die nicht mehr funktioniert, sowie ein alter Handstaubsauger im Sack.

Dass dies seinen Preis habe, leuchte ihr ein, sagt Weiss. «Aber das ist es mir wert.» Sie sei vor allem froh, dass es überhaupt so einen Service gebe.

25 Personen haben sich bereits angemeldet

Damit ist Helene Weiss nicht alleine. Neben ihr haben 24 andere Personen auf dem Stadtgebiet sich seit der Lancierung vor einem Monat angemeldet. Das tönt erst mal nach wenig. Doch Urs Corradini, Bereichsleiter Sortierwerk und Easydrive beim ZAB, ist zufrieden.

«Damit wurden unsere Erwartungen übertroffen.»

Er gibt zu bedenken, dass es sich beim neuen Angebot um ein Nischenprodukt handle. Für Personen, die genügend Zeit und keine Mobilitätseinschränkungen hätten, sei die übliche Entsorgung an den Sammelstellen gedacht. Mit dem «Easybag» wolle man vor allem jenen Personen die Entsorgung erleichtern, die das sonst nur umständlich selbst erledigen könnten.

Das Angebot müsse sich zudem zuerst noch herumsprechen. Vielleicht könne man die Nutzerzahl bis Ende Jahr auf 100 Personen erhöhen, sagt Corradini. Für die Verantwortlichen wäre dies ein schönes Zeichen, dass der «Easybag» auf Anklang stösst. Sonst sind die Zahlen aber unwichtig. Denn Einnahmen erzielen weder der ZAB, noch die Heimstätten Wil. Die Abogebühren sind lediglich kostendeckend.

Service wird weiterentwickelt

Das Projekt hat also einen guten Start hingelegt. Das liegt laut Corradini auch daran, dass man mit den Heimstätten einen guten Partner habe. Bereits zuvor haben die Heimstätten den Lieferdienst «ViaVelo» ausgeführt. Das ergänzt sich gut mit dem Abholservice.

Nun soll das Angebot mit einer Informatiklösung weiterentwickelt werden. So soll es künftig möglich sein, den Abholservice nicht wie aktuell üblich nur jeweils am ersten Montag des Monats zu bestellen, sondern auf Abruf. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Bereits jetzt ist es aber möglich, den Abholservice nur an jenen ersten Montagen des Monats zu nutzen, an denen auch tatsächlich ein voller Sack bereitsteht.