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WIL: Franz legte die müden Glieder in der «Krone» nieder

Glockengeläut und Kanonendonner ertönten, Räte und Bürgerschaft standen bereit. Es war Freitag der Dreizehnte, aber es sollte kein Unglückstag werden, sondern ein ehrenvoller Tag. Etwas Aussergewöhnliches fand statt: Ein Kaiserbesuch. Und das mitten im Herzen Wils.
Ursula Ammann
Die «Krone» gehörte einst zu den renommierten Gasthäusern Wils. Das Haus mit dem markanten Dachstuhl wurde 1963 umgebaut. (Bild: Stadtarchiv/Tschopp)

Die «Krone» gehörte einst zu den renommierten Gasthäusern Wils. Das Haus mit dem markanten Dachstuhl wurde 1963 umgebaut. (Bild: Stadtarchiv/Tschopp)

Glockengeläut und Kanonendonner ertönten, Räte und Bürgerschaft standen bereit. Es war Freitag der Dreizehnte, aber es sollte kein Unglückstag werden, sondern ein ehrenvoller Tag. Etwas Aussergewöhnliches fand statt: Ein Kaiserbesuch. Und das mitten im Herzen Wils. Jener Tag liegt heute genau 201 Jahre zurück.

Am 13. Oktober 1815 statteten der österreichische Kaiser Franz I. und Feldmarschall von Schwarzenberg, die sich auf der Durchreise befanden, dem Äbtestädtchen einen Besuch ab. Für die ganze Stadt, aber insbesondere auch für ein Wiler Gasthaus war dies ein besonders ruhmreiches Ereignis. So soll der Kaiser in der «Krone» seine «erlauchten» Glieder niedergelegt haben, wie es in einer Heimatchronik für Wil und die umliegenden Landschaften von 1963 heisst. Den Nachweis über den Kaiserbesuch gab der damalige Gastwirt der «Krone», Baptist Keller, in Form eines kostbaren und seltenen Akrostichs an die Nachwelt weiter. Darauf ist festgehalten, dass er Franz, den Römisch-Österreichischen Kaiser, zur Mittagsstund «Freitags den dreizehnten Octobr» beherbergt habe. Zufrieden sei Seine Majestät verreist und Alles habe nachgerufen «Franz lebe lang».

Der Kaiser hat offenbar seine Spuren hinterlassen. Nicht nur in der Erinnerung der Bürger, sondern auch an der «Krone» selbst. «Vor allem ältere Leute erzählten sich immer wieder, dass der Kaiser mit seinem Ring seinen Namen in eine Scheibe gekratzt habe», sagt Ruedi Schär, der unweit des Gasthaus Krone im Hof zu Wil aufgewachsen ist. Davon berichtet auch der Geschichtenforscher Willi Olbrich in seinem Buch «Gastliches Wil», in dem er unter anderem die Geschichte der «Krone» erzählt. Das anfangs renommierte Gasthaus war später geplagt von ständigen Wirtewechsel. Die Wirtschaft ging 1885 ein. Rund 80 Jahre später, im Jahr 1963, wurde das Gebäude mit dem markanten Dachstuhl zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut.

Die Fassade des «Haus zur Krone» wurde mit dem Hinweis auf die prominenten Gäste versehen. «Am 13. Oktober 1815 waren der Österreichische Kaiser Franz I. mit Feldmarschall von Schwarzenberg Gäste in der Krone», heisst es darauf. Der Kaiser und sein Gefolge waren damals von Paris nach Wien unterwegs. Nun stellt sich die Frage, was sie in der französischen Hauptstadt gemacht haben. Die Vermutung liegt nahe, dass es um die «Heilige Allianz» ging. Ein Bündnis, das der Kaiser von Österreich, der König von Preussen und der Zar von Russland nach dem Sturz Napoleons und nach Abschluss des Wiener Kongresses am 26. September 1815 in Paris beschlossen haben. Darin fand sich eine Absichtserklärung mit dem Ziel, die Prinzipien der christliche Religion zur Grundlage der Politik des europäischen Mächtesystems zu machen.

Jener Franz, der Wil beehrte, wurde 1768 als Franz Joseph Karl geboren und war von 1792 bis 1806 der letzte Kaiser des Heiligen römischen Reiches. Er gründete 1804 das Kaisertum Österreich, das er bis zu seinem Tod im Jahr 1835 regierte. Mit dem Kaiser von Österreich verbindet man heute aber vor allem seinen Enkel Franz Joseph, bekannt als «Franzl» aus den Sissi-Filmen.

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