WIL: Flüchtlinge geben etwas zurück

Asylsuchende aus aller Welt nähen gemeinsam Decken für Flüchtlinge. Im Rahmen des Projekts Perspektiva steht neben dem sozialen Engagement auch der Austausch über sprachliche und kulturelle Grenzen im Zentrum.

Gianni Amstutz
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Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten zusammen, um Flüchtlingen in Griechenland zu helfen. (Bild: Gianni Amstutz)

Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten zusammen, um Flüchtlingen in Griechenland zu helfen. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Wo sonst andächtige Stille herrscht, ist das kontinuierliche Surren zahlreicher Nähmaschinen zu hören. Dieses mischt sich mit dem Klang verschiedener Sprachen: Tigrinya, Dari, Persisch und nicht zuletzt auch Deutsch. Im Kirchensaal der GVC Wil sitzen 20 Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten Ländern mit einer klaren Mission. Sie nähen Decken, Schals und Mützen für Flüchtlinge in Griechenland. In den Lagern werden die wärmenden Textilien dringend benötigt. Denn im Winter sinken auch in Griechenland die Temperaturen in Richtung des Gefrierpunkts.

Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Initiant des Projekts ist Stefan Wunderli, Leiter des Vereins Meos Perspektiva (siehe Box). «Seit sechs Jahren bieten wir Deutschkurse für Asylsuchende an», sagt er. Um das Angebot zu ergänzen, habe man vor einigen Jahren einen Nähkurs ins Leben gerufen. Damals habe man mit nur zwei Nähmaschinen angefangen, nach und nach sind weitere hinzugekommen. Durch einen Kontakt zu einem Flüchtlingslager in Kos, den eine der Leiterinnen hergestellt hat, begann die inzwischen auf gut 20 Personen angewachsene Nähgruppe damit, Decken für Flüchtlinge herzustellen.

Viele der Näherinnen und Näher sind einst selbst in die Schweiz geflüchtet. So auch Ehsanullah Khorami . Er kommt ursprünglich aus Afghanistan. Seit eineinhalb Jahren näht er in der Gruppe und gehört somit zu den Erfahrenen. «Der Nähkurs gefällt mir. Ich lerne etwas und mache etwas Sinnvolles mit meiner Zeit», sagt er. Denn einer richtigen Arbeit nachgehen, dürfen die meisten der Asylsuchenden der Nähgruppe wegen ihres Aufenthaltsstatus nicht.

Im Nähkurs geht es deshalb um mehr, als darum, sich das Handwerk anzueignen. Das Erlernen der Sprache, das Pflegen sozialer Kontakte und der interkulturelle Austausch seien weitere Ziele des Angebots, sagt Stefan Wunderli. «Für viele ist es wichtig, eine gewisse Struktur in ihrem Alltag zu haben. Ohne die Möglichkeit einer Arbeit nachzugehen, fehlt diese vielfach.»

Mit Übung zu exakt arbeitenden Nähern

An diesem Vormittag entstehen insgesamt zehn Decken, die noch bis Ende Jahr in Flüchtlingslager nach Griechenland geliefert werden. Kursleiterin Ana Bätscher ist zufrieden. «Mittlerweile nähen die meisten so gut und exakt, dass ich die Arbeiten nicht mehr kontrollieren muss», sagt sie. Komme eine Person neu zum Kurs hinzu, schaue sie hingegen sehr genau hin. Manche seien es nicht gewohnt, exakt zu arbeiten und hätten keinerlei gestalterische Erfahrung. Doch mit etwas Übung lernten alle den Umgang mit den Nähmaschinen.

Nicht alle hergestellten Produkte werden gespendet. Ein Teil wird auch am Wiler Wochenmarkt verkauft, denn der Verein soll sich zu einem Drittel selbst finanzieren. Zu je einem weiteren Drittel kommen Beiträge der öffentlichen Hand sowie Spenden und Sponsorengelder hinzu.