WIL: Federball an der Vernissage

Wetteifernde Sportler in der Kunsthalle? Das war am Samstag zu sehen. Der aus Chur stammende Künstler Gianin Conrad bringt noch bis im Mai sein «Betriebssystem Kunst» in die Äbtestadt. Unter dem Titel «Playing The Game» ist ein sinniges Zerrbild zu sehen.

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Federbälle mit Geldnoten: Partnerin und Sopranistin Quirina Lechmann unterstützt Künstler Gianin Conrad bei seiner ersten Ausstellung in Wil. (Bild: Roland P. Poschung)

Federbälle mit Geldnoten: Partnerin und Sopranistin Quirina Lechmann unterstützt Künstler Gianin Conrad bei seiner ersten Ausstellung in Wil. (Bild: Roland P. Poschung)

So eine Vernissage gab es in der Kunsthalle Wil noch nie. Wer bei der Ausstellungseröffnung von «Playing The Game» am Samstagabend draussen vorbeilief, der gewann fast den Eindruck, dass es sich hier um eine Sporthalle handeln könnte.

Ironische und abgründige Objekte von Gianin Conrad lassen die Besuchenden in der Kunsthalle neue Welten, Blickwinkel und Szenerien erkennen und erleben. Alltägliches vermischt sich überraschend mit Ironie und abgründigen Elementen. «Spiel das Spiel» zeigt sich durch Beobachtung von aktuellen Gesellschaftsphänomenen und gipfelt raumfüllend in Comic sowie in surreales «Ready mades».

Premiere mit subtilen Widerhaken

Nach der Einführung von Claudia Reeb sah man ganz ungewohnt wetteifernde Federballspielende, welche mit notenbestückten Federbällen nach passenden Schlägen kämpften. Aussergewöhnlich war dabei, dass selbst der Künstler daran teilnahm. Er sprang fit mit seinen «Kunstwerken», mit 10er-, 20er- und 50-er-Noten schlagend herum, derweil seine Partnerin und Sopranistin Quirina Lechmann, in Begleitung von Duri Collenberg am Klavier den Frühlingsstimmungs-Walzer von Johann Strauss vortrug.

Das Kunstschaffen ist dem Steinbildhauer Conrad nicht einfach so in den Schoss gelegt worden. Während vierer Jahre studierte er an der Kunstklasse in Zürich, um danach in Luzern einen Master im Studiengang Art in Public Spheres und in Basel einen Master in Fine Arts zu absolvieren. In dieser Zeit stellte er sich die Fragen, ob er gestalten und kreativ sein soll oder Künstler sein möchte. Das Hauptinteresse galt der künstlerischen Raumgestaltung.

Durchdachtes Schaffen in Leichtigkeit getarnt

«Mit der Bezeichnung als Installationsvirtuose zog ich meine künstlerischen Inspirationen und Strategien aus diversen Bereichen vor und entwickelte dadurch eine überschäumende Freude an der schalkhaften Demaskierung von Absurditäten im Alltäglichen, konkret im Kultur- und Freizeitverhalten der Menschen in der gegenwärtigen Gesellschaft», sagte Gianin Conrad.

In der kunst- und effektvollen Ausgangslage entwickelte sich für den Bündner ein grosses Potenzial, um sich in Überlegung, Form und Schaffenskraft auszuleben und Kunstbewundernde für seine Gestaltungsebenen zu gewinnen. Was bei Conrad leicht erscheint, ist in Wirklichkeit ein durchdachtes Schaffen, möglicherweise sogar ein eigener dynamischer Kosmos in Raum und Zeit. Ihm geht es um Grundlegendes wie «Was ist Raum? Wie kann man den Ausstellungsraum sinnvoll und vielseitig nutzen?» Mit jedem Parameter verändert sich die Arbeit für die jeweilige Aussage. Gianin Conrad will nicht in erster Linie seine eigene Welt kreieren, lieber operiert er mit Situationen. Für ihn zeigt sich jeder Raum interaktiv offen.

Roland P. Poschung

redaktion@wilerzeitung.ch

Hinweis

Die Ausstellung in der Kunsthalle dauert bis am 20. Mai. Ein Künstlergespräch gibt es am Mittwoch, 2. Mai um 19 Uhr.