Wil
«Es tut gut, wieder aufzutreten»: Kunstschaffende und das Publikum freuen sich über Rückkehr der Kultur

Emotional berührend gestaltete sich am Freitag die Wiedereröffnung der Wiler Tonhalle. Da machte es nichts aus, dass die Spielstätte gerade einmal zu einem Achtel gefüllt war.

Christof Lampart
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Die «il tre secondi» sorgten mit ihrem Stück «Zürich Hauptbahnhof» für Gelächter und beste Unterhaltung in der Tonhalle.

Die «il tre secondi» sorgten mit ihrem Stück «Zürich Hauptbahnhof» für Gelächter und beste Unterhaltung in der Tonhalle.

Bild: Christof Lampart

Gewiss: Kunstschaffende leben bekanntlich nicht nur vom Brot allein. Doch lastete auf den Theaterschaffenden im letzten Jahr die unheilvolle Kombination aus pandemiebedingtem Auftrittsverbot und existenziellem Einkommensverlust schwer auf dem Gemüt.

Umso schöner war es, miterleben zu dürfen, was sich am Wochenende rund ums Gastspiel der Theatertruppe «il tre secondi» und ihrem Erfolgsstück «Zürich Hauptbahnhof», in und um die Tonhalle herum abspielte.

Bis zuletzt auf Messers Schneide

Schon der Vorplatz der Tonhalle– für gewöhnlich ein Ort, den man rasch überquert, um ins Theaterinnere zu gelangen – lud für einmal, mit Tischen und Stühlen zum improvisierten Café umgestaltet, zum Verweilen ein. Ein Vino unter Freunden geniessen und so die Vorfreude aufs kulturelle Ereignis steigern– warum nicht?

Diese unbeschwerte Fröhlichkeit setzte sich auch im Innern fort. Den Schauspielern Federico Dimitri, Fabrizio Pestilli und Giuseppe Spina war unschwer anzumerken, was es ihnen bedeutet, wieder auf der Bühne stehen zu können. «Es tut so gut, wieder auftreten zu können», gestand Spina.

Vier Vorstellungen mit je 50 Personen

Dabei sei es keineswegs sicher gewesen, ob man das Stück im zweiten Anlauf (der ursprüngliche Termin war im Oktober 2020) werde durchführen können. «Das Tonhalle-Team hat kurzfristig nach dem letzten Bundesratsentscheid entschieden, es zu wagen, auch wenn nur jeweils 50 Personen in unsere vier Wiler Vorstellungen kommen durften», so Spina. Nichtsdestotrotz hing die tatsächliche Durchführung der Theaterabende am seidenen Faden:Denn Dimitri wohnt in Italien und musste einen Coronatest bestehen, bevor er einreisen durfte.

Für einmal kein Zuflüstern

Im Stück treffen sich ein Schweizer, ein Secondo und ein Italiener an einem Sommerabend im Nachtzug Richtung Reggio Calabria. Der eine kann kein Italienisch, der andere kein Deutsch. Der Secondo versucht zu vermitteln, was zu allerlei Verwicklungen führt.

Nicht nur auf der Bühne, auch Zuschauende, welche nur über rudimentäre Italienisch- oder Deutschkenntnisse verfügen, «stolpern» immer wieder durch die Geschichte. Doch das ist gewollt – und macht den Reiz der kurzweiligen Komödie aus. Und doch war für die Schauspieler einiges anders als sonst. Spina sagte:

«Das Publikum war fantastisch und hat auch viel gelacht, was uns sehr freute.»

Doch die Tatsache, dass die Tonhalle nur zu einem Achtel gefüllt war und die Zuschauer zudem weit auseinander gesessen sind, hätte dazu geführt, dass für einmal die Italiener im Publikum nicht ihren deutschsprachigen Nachbarn Erklärungen zuflüstern konnten und umgekehrt. «Dabei ist diese Atmosphäre etwas, wovon unser Theater lebt. Doch wir wollen nicht meckern: Es war einfach schön, heute hier sein zu dürfen, wofür dem Tonhalle-Team ein grosser Dank gebührt.»