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WIL: Es kann für alle teuer werden

Die Verurteilung eines 4.-Liga-Torhüters des FC Wil wegen eines Fouls löst eine Grundsatzdiskussion aus. Wird ein Zweikampf künftig wiederholt vor Gericht weitergeführt? Das hätte wohl Folgen für alle Hobbysportler.
Simon Dudle
Eine Attacke gegen das Knie des Gegenspielers kommt einen Breitensport-Goalie des FC Wil teuer zu stehen. (Bild: Themenbild: Getty)

Eine Attacke gegen das Knie des Gegenspielers kommt einen Breitensport-Goalie des FC Wil teuer zu stehen. (Bild: Themenbild: Getty)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Die Drähte liefen heiss bei René Oettli, dem Präsidenten der FC-Wil-Breitensportabteilung. Immer und immer wieder wurde er auf das Urteil angesprochen, welches am Mittwochnachmittag am Kreisgericht Wil in Flawil gegen einen «seiner» Spieler gesprochen worden war: Ein gerade mal 20-jähriger Goalie der besten Wiler Breitensportmannschaft wurde wegen eines Fouls zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken und einer Schadenersatz- zahlung von 6111 Franken an den Gefoulten verurteilt. Zudem muss der Goalie die Kosten der Verhandlung bezahlen. Auf dem Zivilweg droht weiteres Ungemach, falls der Stürmer eine Genugtuungsforderung stellt.

Der Goalie hatte vergangenes Jahr in einem 4.-Liga-Spiel gegen Henau einen Konter beendet, indem er den auf ihn zulaufenden Stürmer rüde foulte und mit den Stollen dessen Knie übel zurichtete. Dieses musste operiert werden. Das Opfer war drei Monate lang arbeitsunfähig und wird wohl nie mehr Fussball spielen können. Absicht wurde dem Wiler Goalie aber nicht einmal vom Rechtsvertreter das Stürmers und der Staatsanwaltschaft unterstellt, womit der Richterspruch zusätzliche Brisanz erhält.

Nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen

Der Goalie, welcher noch immer Teil der Breitensportabteilung des FC Wil ist, wollte sich nach der Gerichtsverhandlung nicht äussern. Man konnte ihn verstehen. Für ihn dürfte eine Welt zusammengebrochen sein. Sowohl finanziell als auch emotional war es für ihn ein schwer verdaulicher Mittwoch. FC-Wil-Präsident Oettli will nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen und sagt: «Sportlich ist die Sache abgeschlossen. Wir warten nun das schriftliche Urteil ab und entscheiden dann, wie es in diesem Fall weitergeht.» FC-Henau-Präsident Rico Gerschwiler möchte sich nicht äussern, da der Stürmer die Anklage in Eigenregie veranlasst hat.

Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes (OFV), wurde ebenfalls mit Anrufen und Mails eingedeckt. Er könne inhaltlich keine Stellung zum Fall nehmen, da es sich um ein Verfahren zweier natürlicher Personen handle und der OFV nicht verhört worden sei. Betroffen seien nicht nur Fussballer, sondern alle Sportarten mit Körperkontakt.

Wenn das Portemonnaie wichtiger ist

Das Urteil könnte also Dimensionen erreichen, welche weit über den regionalen Fussball hinausreichen. Die Grundfrage: Braucht es künftig viel Geld für einen ­guten Anwalt, um ohne Angst am Wochenende dem Ball nachjagen zu können? Im extremsten Fall kann ein nicht genehmer Schiedsrichterentscheid bis vor das Bundesgericht weiterzogen werden – ein langer und kostspieliger Weg. Oder anders formuliert: Wenn ein gut betuchter Hobbysportler mit einer Entscheidung eines Schiedsrichters nicht einverstanden ist, wird er seinen Gegen­spieler verklagen. Hat dieser die finanziellen Möglichkeiten nicht für einen guten Anwalt, so sinken seine Chancen vor Gericht. Ist das Portemonnaie dereinst wichtiger als der Sportsgeist, wäre der Breitensport in seinen Grundfesten erschüttert.

Macht dieses Beispiel Schule, müssen sich auch alle Sportvereine eine grundsätzliche Frage stellen. Und zwar jene nach einer Rechtsschutzversicherung für die Mitglieder. Die Möglichkeit dazu ist vorhanden. Der Schweizer Schiedsrichterverband zum Beispiel hat laut OFV-Präsident Häuselmann die Spielleiter versichert. Müssten die Vereine dies für alle ihre Spieler tun, hätte das wohl höhere Mitgliederbeiträge zur Folge.

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