Wil erhält Unicef-Label

Die Stadt Wil kann sich «Kinderfreundliche Gemeinde» nennen. Der Stadtrat verpflichtet sich, Kinder bei der Gestaltung ihres Lebensraums einzubeziehen. Ausserdem erarbeitet er ein Leitbild zur Kinder- und Jugendpolitik.

Philipp Haag
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Wil kann mit dem Logo «Kinderfreundliche Gemeinde» werben. (Bild: pd)

Wil kann mit dem Logo «Kinderfreundliche Gemeinde» werben. (Bild: pd)

WIL. «Es ist nicht einfach ein schönes Signet, das wir uns an die Wand hängen, und dann war's das», sagt der Wiler Stadtrat Dario Sulzer. Im Gegenteil: Durch das Label «Kinderfreundliche Stadt», welches Wil vom Kinderhilfswerk Unicef nun zugesprochen erhält, wird ein bereits angestossener Prozess weiterverfolgt. Der Wiler Stadtrat verpflichtet sich, die UN-Kinderrechtskonvention auf Gemeindeebene vollumfänglich einzuhalten sowie Kinder und Jugendliche bei Anliegen oder Projekten, die sie betreffen, in den Planungsprozess einzubeziehen. So bei der Gestaltung des Lebensraums. Bei der Planung des Kinderspielplatzes beim Bergholz, dessen Bau vor kurzem gestartet worden ist, waren Kinder des Mattschulhauses und Eltern aus dem Quartier involviert. Der Bergholz-Spielplatz ist ein konkretes Beispiel für die Umsetzung von Massnahmen, deren übergeordnete Ziele im Aktionsplan «Kinderfreundliche Stadt Wil 2015 bis 2018» festgeschrieben sind. Der Aktionsplan bildet die Grundlage für den Erhalt des Labels. Diesen erarbeitet hat ein Projektteam unter der Leitung von Sulzer auf Basis einer im Jahr 2011 von Unicef in bezug auf die Kinderfreundlichkeit durchgeführten Analyse.

Acht Ziele in Aktionsplan

Im Aktionsplan sind acht Ziele fixiert: Unter anderem sollen ein Konzept für die Schulsozialarbeit erstellt und den Schülerinnen und Schülern Partizipationsmöglichkeiten beim Unterricht und bei der Schulentwicklung eingeräumt werden. Ausserdem sollen ein Konzept zur frühkindlichen Förderung – vor kurzem fand der zweite Vernetzungsanlass statt – ausgearbeitet und das familienergänzende Betreuungsangebot auf das komplette Stadtgebiet ausgedehnt werden.

Zentral im Aktionsplan ist die Erarbeitung eines Leitbildes zur Kinder- und Jugendpolitik, welches unter dem Lead der Jugendkommission als erste Massnahme umgesetzt wird. Im Papier wird die Beteiligungsmöglichkeit der Kinder und Jugendlichen verankert. Kinderrechte nicht nur einhalten, sondern auch über sie zu informieren, ist Sulzer wichtig. Aus diesem Grund wird von nun an am Tag der Kinderrechte in Wil eine von Kindern und Jugendlichen durchgeführte Aktion veranstaltet. «Die Kinderrechtskonvention soll von der Bevölkerung bewusst wahrgenommen werden», sagt Sulzer. Dies ist ganz im Sinn von Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz: «Wil macht einen erfreulichen Schritt. Denn in der Schweiz werden die Kinderrechte aufgrund der föderalistischen Strukturen nicht flächendeckend bekanntgemacht.»

Kinderfreundlich ist freundlich

Der Stadtparlamentarier Michael Sarbach (Grüne Prowil), auf dessen Motion «Kinder- freundliche Gemeinde» aus dem Jahr 2008 die Bewerbung Wils bei der Unicef zurückgeht, sieht im Label eine Anleitung für ein koordiniertes Vorgehen. Es sei ein Anreiz, die Stadt langfristig kinderfreundlich und «im Sinne der Standortförderung attraktiv für Familien, aber auch für die Wirtschaft zu machen». Damit stimmt er mit Sulzer überein, der betont: «Eine kinderfreundliche Stadt ist eine freundliche Stadt für alle.»

Dario Sulzer Stadtrat (Bild: pd)

Dario Sulzer Stadtrat (Bild: pd)

Michael Sarbach Stadtparlamentarier (Bild: pd)

Michael Sarbach Stadtparlamentarier (Bild: pd)