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WIL: Einmal Hofberg–Norwegen und zurück

Wer zu Fuss den Hofberg hinaufsteigt, wird oben fast immer durch eine grandiose Aussicht belohnt. Doch einmal im Jahr gibt es noch ein kultiges Supplement: Die Filmnächte.
Christof Lampart
Auf die Plätze, Film ab! Filmbegeisterte auf dem «Hofberg». (Bilder: Christof Lampart)

Auf die Plätze, Film ab! Filmbegeisterte auf dem «Hofberg». (Bilder: Christof Lampart)

Wer wandert, folgt dem Rhythmus seines Atems und lässt dabei seinen Gedanken freien Lauf. Dabei tun sich auch allerlei Fragen auf, wie zum Beispiel: Gibt es die Filmnächte der Therapeutischen Wohngemeinschaft Hofberg eigentlich schon lange? Fast scheint es so, dass sie schon immer da gewesen sind. Was natürlich nicht stimmen kann, denn die WG gibt es erst seit mittlerweile 29 Jahren.

Trotzdem lange genug, dass zu den Anfangszeiten noch Filme auf Spulen gezeigt wurden. Ein «Cinema Paradiso» im Paradies sozusagen. Geblieben sind aus jenen Anfangstagen, die auch der «Hofberg»-Heimleiter, Thomas Seemann, nicht mehr genau eruieren kann, weder das Popcorn, noch das altmodische Film­ambiente, wohl aber das, was den «Geist» der Abende seit jeher ausmachte. Die Gastfreundschaft der «Hofberger», das gemütliche Zusammensein mit Bekannten und Unbekannten. Das gemeinsame Erleben eines wunderschönen Abends.

Biker bleibt hängen

Vor dem Kino ist immer Essenszeit. Bei schönem Wetter wird draussen aufgetischt. Die Salate, Desserts und Getränke spenden die Hausherren, im «Notfall» auch die Grillade – auch wenn in der Einladung diskret darauf hingewiesen wurde, dass jeder seine Bratwurst oder sein Kotelett mitbringen soll, «muss niemand mit leerem Magen nach Hause», lacht Seemann. Dieses Glück hatte auch Stefan. Der Österreicher Biker radelte zufällig am Hof vorbei und – bleibt gleich mit der ganzen Familie hängen.

Wer an diesem Abend auf dem «Hofberg» vor der Anonymität der Stadt flüchtet, ist hier richtig. Viele kennen sich. Und wer niemanden kennt, lernt schnell andere kennen – so unverkrampft geht es zwischen Salatbuffet und Eselsgehege zu und her.

Aus Goldach angereist

Gleich wird der Film gezeigt. Der Operateur hat schon alles eingerichtet. Prunkstück der Anlage ist der neue Beamer, der alles in HD-Qualität zeigt und für so viel Licht und Kontrast auf der Leinwand sorgt, dass «wir eigentlich viel früher anfangen könnten, da wir auch dann über genügend Licht verfügen würden, wenn es dämmert und noch gar nicht ganz dunkel ist». Für manche Besucher ist das natürlich eine gute Nachricht, denn «dann würde ich es in Zukunft mit dem Shuttle noch auf einen früheren Zug nach Hause schaffen», erklärt eine Dame, die extra aus Goldach angereist ist. Das wie­derum zeigt, dass die Filmnächte oben auf dem Hofberg mittlerweile kein Geheimtipp mehr sind.

Offensichtliches Potenzial

«Wir haben uns ständig weiter entwickelt und sind darum auch sehr stolz darauf», freut sich Seemann. Was hingegen geblieben ist, scheint an diesem Abend der achtsame Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zu sein, der auf dem «Hofberg» seit jeher gepflegt wird. Wie wäre es ansonsten zu erklären, dass die hauseigene «Werbung» vor der Filmkomödie «Welcome to Norway» immer noch die Jahreszahl 2016 aufweist? Aber perfekt ist niemand. Und was gibt es Schöneres für einen Organisator, als wenn er für die nächste Durchführung im 2019 immer noch so einfach Verbesserungspotenzial vorfindet? Kaum ist der Gedanken zu Ende gedacht, senkt sich die Nacht über den Hofberg, und ein andächtiges Schweigen erfasst die Menge. Dann schnattert noch kurz eine Gans. Und man denkt: Das ist typisch Hofberg.

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch

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