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WIL: Einblick ins kulturelle Universum

125 Jahre nach ihrer Gründung wird die Psychiatrie St. Gallen Nord zum kreativen Zukunftslabor und damit zum 5. Wiler Kulturapéro, wo sich Vertreter von rund 20 kulturellen Vereinen zum Austausch trafen.
Roland P. Poschung
Zartes Verschmelzen von Leben und Kultur: Cigdem Malkoc, aufmerksame Besucherin und bildstarke Künstlerin beim Kulturapéro. (Bilder: ropo)

Zartes Verschmelzen von Leben und Kultur: Cigdem Malkoc, aufmerksame Besucherin und bildstarke Künstlerin beim Kulturapéro. (Bilder: ropo)

Roland P. Poschung

redaktion@wilerzeitung.ch

Kultur heisst auch: Das Leben leben. Die Stadt Wil bietet mit dem Kulturapéro eine nützliche Plattform für ein Netzwerk unter Kulturschaffenden, Kulturvermittlern und Kulturveranstaltern.

Egal ob Musik, Malerei, Illustrationen, Skulpturen, Fotografie, Textilkunst, Video- oder Sound-Spektakel, alle Richtungen haben ihre Berechtigung und ihren Reiz im Auge der Betrachtenden. Stadtpräsidentin Susanne Hartmann verglich das kulturelle Engagement mit dem Backen eines Zopfes, der sich nur mit Hefe entfalten könne. 80 Kulturvertreterinnen und -vertreter nahmen diese Worte mit auf den Weg, um sich weiter kreativ, eben fast «hefemässig» zu entfalten und sich in der Kunst auszuleben, um damit einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft in vielseitiger Form «Gewinn bringend» zu leisten. Aber ist die Kunst heute für die Kunstschaffende rentabel, kann man davon leben?

Mut zu schwierigen Gefühlen

Diese Frage beschäftigte viele Gäste, jedenfalls gehört eine grosse Portion Mut dazu, sich so offen hinzugeben, seine Gefühle zu zeigen, sich künstlerisch in Bildern oder Skulpturen darzustellen, vor allem in einer Krise. Überall im Park der Klinik stossen aufmerksame Besucherinnen und Besucher auf «Denkmäler», so manche mit einem Augenzwinkern.

Markus Merz, CEO der Psychiatrie St. Gallen Nord, nahm Bezug auf das künstlerische Schaffen von Patientinnen und Patienten, von Menschen, die zur Behandlung einer persönlichen Krise «freiwillig» in die Klinik kommen, um später wieder in die Gesellschaft beruflich und sozial integriert zu werden. Wie ist das Leben von Künstlern im Alter oder ohne Aufträge? Fragen stellen darf man ja.

Kultur als Lustwandeln in Anderswelten

Rose Ehmann, Leiterin Atelier Living Museum, ging mit einem Zitat von Andreas Nentwich noch tiefer: Kultur als Lustwandeln in Anderswelten. Der Kulturapéro fand sinnigerweise im Gutsbetrieb/Tenn statt, dort, wo seit dem 2. September 2017 die Ausstellung «TransUtopia» gezeigt wurde, und mit dem Kulturapéro der Stadt Wil ihr krönendes Ende fand. Bald reist «TransUtopia» weiter zum Renaissanceschloss Thannhausen in die Steiermark nach Österreich. Was für ein Wechsel!

Hier – umrahmt noch von Werken psychisch kranker Künstler aus dem internationalen Netzwerk «Living Museum» – fanden die Gäste anregende Impulse von Kunstschaffenden aus Wil, Lyss, New York, Brennebroek/NL und Seoul/Südkorea. Parallel zur Kunstaustellung steht die geschickt präsentierte Geschichte der Psychiatrie St. Gallen Nord, die selber unglaublich wertvolle Kunstwerke über die letzten Jahrzehnte hervorzauberte. Das Leben von «Unheilbaren und Altersschwachen», die 1892 in das neue Asyl Wyl einzogen, war von Ausgrenzung geprägt. Doch über die Jahrzehnte hielt die Kunst und die Kreativität Einzug und entwickelte sich als Ansatz einer Psycho-Therapie. So betrachtet, fasziniert ein Werk von einem Patienten aus dem Jahr 1929. Eine Rarität als sinnstiftende Anregung beim Netzwerken der Wiler Kulturschaffenden.

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