Wil
Ein Schritt nach vorn, doch längst nicht am Ziel: Stadtrat kann Baureglement nach Bereinigung eines Rekurses in Kraft setzen

Nach jahrelangem Kampf mit mehreren Anläufen ist die Ortsplanung abgeschlossen. Es ist jedoch nur eine Übergangslösung, denn die nächste Überarbeitung läuft bereits.

Gianni Amstutz
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In der Kernzone, wozu unter anderem die Obere Bahnhofstrasse und die Altstadt zählen, gilt weiterhin das alte Baureglement.

In der Kernzone, wozu unter anderem die Obere Bahnhofstrasse und die Altstadt zählen, gilt weiterhin das alte Baureglement.

Bild: Tobias Garcia

Wenn sich ein Laie das Baureglement zu Gemüte führt, dürfte ihn spätestens nach fünf Minuten die Langeweile überkommen. Firsthöhen und Ausnützungsziffern sind nicht gerade das Material, das für eine fesselnde Lektüre taugt.

Die Auswirkungen eines angepassten Baureglements können hingegen äusserst markant sein. Für Grundstückbesitzer und Bauherren geht es mitunter um grosse Beträge. Das trifft besonders auf den Zonenplan zu. Wenn aus einer Zone, die zweigeschossige Wohnbauten erlaubt (W2), eine Zone mit dreigeschossigen Wohnbauten (W3) wird, kann das einen grossen Unterschied machen.

Gleiches gilt auch für Artikel des Baureglements. Sie legen fest, nach welchen Vorgaben innerhalb bestimmter Zonen gebaut werden darf. Wird etwa die Ausnützungsziffer erhöht, kann ein grösserer Teil des Grundstücks bebaut werden. Auch dabei geht es letztlich um finanzielle Interessen.

Ein wichtiges Instrument der Stadtentwicklung

Doch nicht nur für Grundstückbesitzer sind Zonenplan und Baureglement wichtig. Sie sind für die Stadt von entscheidender Bedeutung, wenn es darum geht, die zukünftige Entwicklung zu beeinflussen. Letztlich haben die Vorgaben der Reglemente einen Effekt darauf, wie und was gebaut werden kann. Das wirkt sich wiederum auf die Bevölkerungsdemografie, die Wohnqualität und damit schliesslich auf praktisch alle Aspekte des Lebens in einer Gemeinde aus.

Kurz: Die Nutzungsplanung mag trocken erscheinen, ihre Wichtigkeit ist aber nicht zu unterschätzen. Zonenpläne und Baureglemente sind daher oft eine emotionale Angelegenheit. So umstritten wie in Wil sind die Instrumente der Ortsplanung aber selten.

Am Ziel nach mehreren Anläufen

Die Stadt Wil ist nun einen Schritt vorwärtsgekommen. Ein neues Baureglement tritt per 1. März in Kraft. Was vielerorts nur eine Randnotiz wert wäre, ist in Wil beachtlich. Denn in den vergangenen Jahren sind mehrere Anläufe gescheitert.

Eigentlich wollte die Stadt Wil nach der Fusion mit Bronschhofen einen neuen gemeinsamen Zonenplan sowie ein dazugehörendes Baureglement verabschieden. Das Parlament genehmigte diese beiden Dokumente zwar bereits 2016, Einsprachen verhinderten jedoch die Inkraftsetzung. 2019 wurden die Rekurse schliesslich gutgeheissen und der neue Zonenplan aufgehoben.

Im Baudepartement behalf man sich mit einem Kunstgriff. So wurde im Juni 2020 zwar das neue Baureglement genehmigt, jedoch galten weiterhin die alten Zonenpläne von Wil (1992) und Bronschhofen (2012). Das war zumindest die Absicht. Doch auch dagegen gab es eine Einsprache. Diese konnte nun behoben werden.

Mit dem neuen Baureglement hat die Stadt Wil nun erstmals ein Dokument, das auf dem gesamten Stadtgebiet gilt. Ausnahmen bilden die Grünzonen, die Kernzone und die Wohnzonen W1. In diesen Zonen gelten weiterhin die alten Baureglemente von Wil beziehungsweise Bronschhofen.

Eine Erleichterung für das Baudepartement

Thomas Kobler, Leiter Bewilligungen beim Departement Bau, Umwelt, Verkehr, spricht von einem wichtigen Schritt. «Das nun vereinheitlichte Baureglement schafft Rechts- und Planungssicherheit.» Eine Sicherheit, die jedoch nicht lange währen wird. Denn die Zeit läuft gegen die Stadt. Weil es mehrere Jahre dauerte, das Baureglement in Kraft zu setzen, ist es bereits wieder überholt.

Denn am 1. Oktober 2017 – rund ein Jahr, nachdem in Wil ursprünglich der neue Zonenplan und das Baureglement im Parlament verabschiedet wurden – erliess der Kantonsrat das Planungs- und Baugesetz. Die gesamte Nutzungsplanung, zu der auch Zonenplan und Baureglement gehören, müssen nun in allen Gemeinden bis 2027 auf das übergeordnete kantonale Gesetz abgestimmt werden.

«Es ist nur eine Übergangslösung», sagt Kobler. Trotzdem sei sie wichtig, da sie Prozesse für die Abteilung Bewilligungen der Stadt, Bauherren und Architekten in den nächsten Jahren vereinfache. «Für mich persönlich und mein Team, aber auch für die Architekten ist das eine enorme Erleichterung.» Es sei schwierig gewesen, Bauherren zu erklären, welche Regeln gelten – und vor allem, welche wohl bald gelten würden. Nun sei dies endlich klar geregelt.

Die Vorbereitungsarbeiten für die Revision der gesamten Nutzungsplanung liefen nun bereits. Der Prozess dürfte allerdings mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Es ist zu hoffen, dass es dieses Mal ohne Umwege und Verzögerungen klappt. Schliesslich läuft die Frist in etwas mehr als sechs Jahren ab.