WIL: Ein nächster «Schiedsrichter» nötig

Ein junger 4.-Liga-Goalie der FC Wil-Breitensportabteilung lässt die Verurteilung durch das Kreisgericht Wil nicht auf sich sitzen und wird den Fall weiterziehen.

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Das Foul des heute 20-jährigen Torhüters an einem Stürmer des FC Henau Ende Mai des vergangenen Jahres hat ein nächstes juristisches Nachspiel: Das Kantonsgericht wird sich damit befassen müssen. Der Goalie akzeptiert das Urteil des Kreisgerichts Wil nicht und hat Berufung angemeldet. Das bedeutet, dass die schriftliche Urteilsbegründung des Kreisgerichts angefordert wird. Dies kostet 3600 Franken und ist Voraussetzung, um den Fall an die nächst höhere Instanz weiterziehen zu können. «Wir werden das machen», sagt Lucien W. Valloni, Präsident der Fussballergewerkschaft SAFP und zudem Verteidiger des Wiler Goalies. «Wir müssen dafür kämpfen, dass der Torhüter nicht verurteilt wird und fordern einen Freispruch. Die Chancen sind intakt», sagt Valloni.

Gewerkschaft unterstützt den Torhüter

Nachdem der Goalie in besagtem 4.-Liga-Spiel den Henauer Stürmer rüde gefoult und diesen am Knie schwer verletzt hatte, setzte sich der Gefoulte auf juristischem Weg zur Wehr und reichte Strafanzeige gegen den FC Wil-Goalie ein. Für das Foul, das auf dem Spielfeld «nur» mit einer gelben Karte und einem Penalty sanktioniert worden war, wurde der Goalie zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Franken verurteilt. Schwerer wiegt für ihn, dass er eine Schadenersatzzahlung von gut 6100 Franken leisten, die Gerichtskosten tragen und allenfalls auf dem Zivilweg dem Opfer auch noch Genugtuung bezahlen muss.

Das Urteil, welches der Präsident des Kreisgerichts Wil vergangene Woche gesprochen hatte, sorgte schweizweit für Schlagzeilen. Es gilt als Präjudizfall. Valloni hatte bereits während der Gerichtsverhandlung prognostiziert, dass bei einer Verurteilung künftig «Hunderte solcher Fälle» behandelt werden müssten.

Doch warum kämpft der Gewerkschaftspräsident überhaupt für den Wiler Goalie? «Wir haben gesehen, dass der Fall eine gewisse Wichtigkeit für alle Fussballer hat. Zudem ist der Goalie Mitglied bei uns», sagt Valloni. Für den Torhüter gebe es von der Gewerkschaft Unterstützung. Ob diese auch finanzieller Natur ist, wollte Valloni nicht erläutern.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch