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WIL: Ein Meister der Nadel und Geige

Nach "La Traviata" im Jahr 2015 entwarf Bernhard Duss die Kostüme für die diesjährige Produktion des Musiktheaters Wil, Donizettis «Die Regimentstochter». Zudem spielt er im Orchester.
Carola Nadler
Kostümbildner Bernhard Duss legt auch selbst Hand an. (Bild: Carola Nadler)

Kostümbildner Bernhard Duss legt auch selbst Hand an. (Bild: Carola Nadler)

Carola Nadler

redaktion@wilerzeitung.ch

Man erinnert sich: Szenenapplaus an der Premiere für die Damen des Chores am Beginn des zweiten Aktes. Und da hatten sie noch gar nicht begonnen zu singen, ihr Auftritt allein reichte aus, um das Publikum zu begeistern. Und dieser Auftritt war mehr als glamourös: Die popigen Biedermeier-Kleider schillern in allen Farben und wetteifern mit den Perücken. Rüschen, Locken und Spitzen in Rosa, Pink, Hellgrün. Das I-Tüpfchen für das Szenenbild: Eine schräggestellte Hochzeitstorte in Violett mit Zuckerguss. Überzeichnet, eine Karikatur der Pariser Gesellschaft der 1840er Jahre.

Eigene Stoffdesigns

"Die Silhouette der Kleider – hohe Taille, Keulenärmel, Hochsteckfrisuren – soll die Zeit der Uraufführung widerspiegeln", erklärt Bernhard Duss seine Entwürfe. "Es ist mir noch nie passiert, dass meine Kostüme Szenenapplaus erhielten", schmunzelt er rückblickend auf die Premiere. Zum Teil hatte der in Textildesign ausgebildete Duss die Stoffe selber entworfen und drucken lassen. Auch hinter der Bühne waren die Reaktionen begeistert, als er in der Probenphase seine Entwürfe vorstellte. "Ich arbeite noch konventionell mit Figurinen", sagt der Kostümbildner. Von diesen Zeichnungen leiteten die Gewandmeisterinnen der Zürcher Modeco (Schweizerische Fachschule für Mode und Gestaltung) den Grundschnitt ab, nach welchem die Theaterschneiderinnen in den dortigen Ateliers die einzelnen Kleider fertigten. Zur Anprobe fuhr der Chor nach Zürich, für die Solisten waren die Kostüme nach Wil gebracht worden.

"Die Kleider des ersten Aktes fanden kein solch grossen Anklang", erinnert sich Duss. Da trugen die Damen Braun, Grau, Dunkelgrün – Alltagskleidung der Vorkriegszeit. Einer Zeit, an die sich heute noch Augenzeugen erinnern. "Solche Erfahrungen gehen der Schweiz ab", sagt Duss. Dennoch, unter die Haut geht der Moment durchaus, wenn die Frauen in ihren Kleidern, wie man sie aus Filmen über diese Zeit kennt, beim Ertönen des Fliegeralarms auf die Knie sinken und zu beten beginnen.

Soldatenkleidung aus alten Beständen

Freilich musste Bernhard Duss aufs Budget achten, aber mit etwas Umsicht und guten Kontakten ist das kein Problem. "Die Soldatenkleidung der Männer konnten wir aus alten Beständen zusammentragen", erläutert er den Mix bei den Uniformen. Seit rund vier Jahren arbeitet Bernhard Duss wieder als Textildesigner bei der Firma Schläpfer in St. Gallen. Davor hatte es eine rund zehnjährige Phase gegeben, in der er freischaffend verschiedene Projekte realisiert hatte, beispielsweise Ausstellungen für das Textilmuseum St. Gallen. Als Kostümbildner arbeitete er unter anderem für die Schlossoper Hallwyl oder für das Musiktheater Wil, wo er vor drei Jahren mit seinen Kostümen für "La Traviata" Furore machte.

Eugen Weibel, Präsident des Musiktheaters Wil, und ebenfalls – mittlerweile pensionierter – Mitarbeiter der Firma Schläpfer, hatte ihn eines Tages gefragt, ob er nicht Lust hätte, bei der "Regimentstochter" ab und zu mit der Violine im Orchester mitzuspielen. Bernhard Duss, der in Luzern in einem Ensemble spielt, das sich der Barockmusik verschrieben hat, sagte zu. Kontakt zu seinen Kostümen hat er derweil nur noch im Jägerstübli oder in den Garderoben. "Vom Orchestergraben aus sehe ich keinen Hauch meiner Kostüme." Wo er vor den letzten Proben und der Premiere noch mit seiner Assistentin Kathrin Baumberger für letzte Anpassungen Hand anlegen musste, sitzt jetzt alles perfekt – und vor allem stabil.

Hinweis

Weitere Vorstellungen bis 24. März 2018 siehe www.musiktheaterwil.ch.

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