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WIL: Ein Mann, viel Rhetorik und ein Buch

Der umstrittene Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser sorgte an der Auftaktveranstaltung des neugegründeten Impuls-Forums für einen vollen Saal im Cinewil. Und hinterlässt vor allem Bücher.
Für jeden, der ein Buch kaufte, hatte Daniele Ganser ein paar Worte übrig. (Bilder: Hans Suter)

Für jeden, der ein Buch kaufte, hatte Daniele Ganser ein paar Worte übrig. (Bilder: Hans Suter)

Leichten Schrittes betritt er den Kinosaal und begibt sich unter Applaus nach vorne zum weissen Rednerpult. Er macht eine gute Figur im blauen Anzug, dem weissen Hemd mit Karomuster und seinem braungebrannten Teint. Er lächelt – und hat schon gewonnen. Das Publikum will den kritischen Ganser hören und begegnet ihm völlig unkritisch. Er scheint es zu mögen. Sein Referat trägt den Titel «Die Weltpolitik der USA – gestern und heute» und streift wichtige Themen seines Bestsellers «Illegale Kriege», den er während des Vortrags geschickt immer wieder bewirbt.

Gansers Kernaussage: «Gewalt ist immer schädlich.» Dieses Theorem illustriert er für jeden leicht nachvollziehbar: «Konflikte gibt es immer. Das Zentrale ist, diese ohne Gewalt zu lösen. Was in der Familie, in der Schule nicht geht, geht auch in der Politik nicht.» Das Publikum applaudiert dem brillanten Rhetoriker.

Vetomächte können nicht verurteilt werden

«Die Charta der Vereinten Nationen verbietet Kriege», sagt Daniele Ganser mit fester Stimme. «Das Gewaltverbot kennt nur zwei Ausnahmen: Selbstverteidigung oder ein Krieg mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrates.» Dann der Blick in die Realität: Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Ukraine. Wie ist das möglich? «Weil die UNO massive Konstruktionsfehler hat», sagt Ganser. Die UNO habe 193 Mitglieder, doch nur fünf Länder seien als Vetomächte im Sicherheitsrat: Frankreich, die USA, Russland, das Vereinigte Königreich (Grossbritannien) und die Volksrepublik China. Es gebe in der UNO also eine Zweiklassengesellschaft: die einen 5 und die restlichen 187. Obwohl Staaten wie die USA, Frankreich oder Grossbritannien Kriege ohne UNO-Mandat führten, würden sie nicht verurteilt und gestoppt, kritisiert er. Das Publikum applaudiert.

«Die USA sind das Imperium»

In seinem mehr als zweistündigen Referat streift er die Todesstrafe in China, die Versenkung des Greenpeace-Schiffs Rainbow Warrior im Jahr 1985, die Invasion Russlands in Afghanistan 1979, die Einmärsche Grossbritanniens im Iran und der USA im Irak, Trumps Bombardement in Syrien 2017 und schliesslich den «War of Terror» vom 11. September 2001 (9/11) mit dem Einsturz der Twin Towers nach Flugzeugcrashs und dem unerklärlichen Einsturz eines dritten Gebäudes. Ganser zieht zwei Schlüsse. Erstens: Es seien dies Taten und Auswirkungen der Machenschaften von Imperialisten, unter denen die USA das Imperium schlechthin seien. Zweitens: Die Medien würden der Öffentlichkeit viel vorenthalten. Er geht gar so weit und sagt: «Wir bezahlen, um imperialistische Propaganda zu schauen.»

Daniele Ganser fährt hart ins Gericht mit den Medien, ins­besondere Qualitätsmedien wie dem Schweizer Fernsehen SRF und der NZZ. Er kritisiert, dass in den Berichterstattungen die UNO-Charta und die Menschenrechte kaum ein Thema seien. «Ich bin enttäuscht, weil die offene Diskussion fehlt.» Das führt Ganser zurück zu den Ereignissen des 9/11 in New York. Der Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Center (WTC) sei in allen Medien hinreichend im Bild dokumentiert worden, nicht aber der Einsturz des dritten Gebäudes. Ganser glaubt, das Gebäude sei gezielt und fachgerecht gesprengt worden, und stützt sich dabei auf angesehene Fachleute.

Die Universität St. Gallen, wo er einen Kurs zur Geschichte und Zukunft von Energiesystemen unterrichtet, steht Gansers Erklärungsansätzen rund um die Ereignisse des 9/11 kritisch gegenüber. Nicht so das Publikum im Cinewil: Dieses spendet Ganser immer wieder spontan Applaus.

Daniele Ganser warnt davor, blind zu glauben, was in den Medien verbreitet werde. Viele weltweit verbreitete Informationen stammten von Nachrichtenagentur. «Aber wenn die Agenturmeldungen falsch sind, haben wir ein massives Problem», sagt der Historiker. Er plädiert für mehr Medienkompetenz und empfiehlt: «Auf der Basis der Plausibilität fragen: Glaube ich das?» Sein zweiter Rat: «Nicht immer auf der gleichen Frequenz bleiben.» Denn, was man immer und überall sehe und höre, glaube man irgendwann.

Woher er das denn alles wisse, will jemand aus dem Publikum wissen. «Ich nenne immer die Quelle», sagt Ganser. Als Beispiel nennt er «BBC World News», ein Medium. Er beendet seinen Vortrag mit den Worten «Das ist’s von mir gewesen, das sind meine Bücher.» Wie schon in der 25-minütigen Pause, verkauft er sein Buch für 35 Franken, ein Medium notabene. Und das Publikum geht freudig darauf ein.

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Hinweis

Der nächste Impuls-Forum-Vortrag findet am Montag, 2. Oktober, um 9.30 Uhr im Cinewil statt. Heike Bischoff-Ferrari spricht zum Thema «Gesund älter werden – Wie geht das?» Anmeldung unter: www.impuls-forum.ch

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