WIL: Ein Lehrplan, der auf Bewährtem aufbaut

Der Lehrplan 21 ist keine Revolution, setzt den Fokus aber verstärkt auf eigenständiges Erarbeiten neuer Inhalte. Möglich wird das durch Kompetenzen, die aufeinander aufbauen. Die Wiler Schulen besitzen bei der Einführung einen Standortvorteil, sagen die Schulleiter.

Gianni Amstutz
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Peter Mayer, Schulleiter des Kirchplatzschulhauses, und Cécile Hüppi, Schulleiterin der Schulhäuser Tonhalle und Klosterweg, informierten die Eltern über die Veränderungen durch die Einführung des neuen Lehrplans. Das Interesse war gross, sodass nur wenige Plätze in der Tonhalle leer blieben. (Bild: gia)

Peter Mayer, Schulleiter des Kirchplatzschulhauses, und Cécile Hüppi, Schulleiterin der Schulhäuser Tonhalle und Klosterweg, informierten die Eltern über die Veränderungen durch die Einführung des neuen Lehrplans. Das Interesse war gross, sodass nur wenige Plätze in der Tonhalle leer blieben. (Bild: gia)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Kompetenzbasiertes Lernen, kooperative Lernformen, DAV (Denken, Austauschen, Vorstellen): Wer den Lehrplan 21 studiert, könnte den Eindruck gewinnen, der Schulunterricht in seiner bisherigen Form werde komplett auf den Kopf gestellt. An einem Informationsabend der Schulleitungen Tonhalle/Klosterweg und Kirchplatz in der Tonhalle Wil wurde den Eltern aufgezeigt, was sich mit der Einführung des neuen Lehrplans tatsächlich ändern wird.

Neuer Lehrplan ist keine Revolution

Dabei betonte Eva Graf vom Amt für Volksschule, dass der Lehrplan keine Revolution ist. «Der Lehrplan 21 baut auf Bewährtem auf», erklärte sie. Es brauche circa alle 20 Jahre einen neuen Lehrplan. «Als der letzte Lehrplan im Jahr 1997 herauskam, hatte DJ Bobo noch lange Haare, Kassetten waren angesagt und alle Mädchen hatten eine Dauerwelle.» Die Gesellschaft, Technik und Umwelt habe sich seither stark verändert. Der neue Lehrplan definiere, was Kinder am Ende ihrer Schulzeit können und wissen müssen, um sich in dieser Welt zurechtzufinden. Konkret heisst dies, dass einige neue Fächer hinzukommen oder Schwerpunkte gesetzt werden.

Ab der fünften Klasse besuchen die Schülerinnen und Schüler das Fach «Medien und Informatik». «Mensch und Umwelt» heisst neu «Natur, Mensch, Gesellschaft», wobei wirtschaftliche Themen mehr Gewicht erhalten. Zudem besuchen die Schüler zusätzlich zum Religionsunterricht das Fach «Ethik, Religion und Gesellschaft», das wahlweise bei der Klassenlehrperson oder einer Vertretung der Kirche belegt werden kann. Hinzu kommen neue Lehrmittel, die auf die Anforderungen des neuen Lehrplans zugeschnitten sind.

Anwenden anstatt nur auswendig lernen

Die grössten Änderungen betreffen den Unterricht selbst. «Der Fokus soll weg vom Auswendiglernen/Frontalunterricht und hin zum Anwenden des bereits Gelernten/dem eigenständigen Erarbeiten neuer Inhalte gehen», erklärte Peter Mayer, Schulleiter des Kirchplatzschulhauses. Das Stichwort hierbei lautet Kompetenzen. Wie das im Schulalltag aussieht, erklärten Lehrerinnen der drei Schulhäuser anhand konkreter Beispiele. Müssen Kinder beispielsweise lernen, wie man über Zehner hinweg subtrahiert, wird das nicht einfach von der Lehrperson vorgezeigt. Stattdessen versuchen die Kinder mit ihrem Vorwissen, die Aufgabe zu lösen. Ihre Vorschläge besprechen sie in Gruppen und präsentieren der Klasse das gemeinsame Resultat. «Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dass das Ergebnis richtig ist. Vielmehr sollen die Kinder Gelerntes anwenden können», erklärte Primarlehrerin Patrizia Vogel. «Es ist wichtig, dass die Kinder nicht bloss Wissen anhäufen, sondern dieses auch verstehen und benutzen können», sagte Eva Graf vom Amt für Volksschule. Das werde durch solche Lernformen gefördert.

Zudem soll der Praxisbezug des Schulstoffs verdeutlicht werden. Das Thema Wetter soll von den Kindern beispielsweise beim Planen der Schulreise angewendet werden. Das Auswendiglernen entfalle jedoch nicht vollständig, sagte Peter Mayer. «Manche Dinge wie das Einmaleins müssen weiterhin auswendig gelernt werden.»

Gemeinsame Themen für den Lehrplan vorbereiten

Die Schulen der Stadt Wil seien gut auf die Einführung des Lehrplans vorbereitet, sagte Cécile Hüppi, Schulleiterin der Schulen Tonhalle und Klosterweg. «Im Gegensatz zu anderen Gemeinden bestehen bei uns seit längerem sogenannte Lehrerteams, in welchen verschiedene Lehrer zusammenarbeiten.»

In solchen Teams würden nun Themen so vorbereitet, dass sie den Anforderungen des Lehrplans 21 angepasst seien. Die vorbereiteten Lektionen würden dann allen anderen Lehrern zur Verfügung gestellt. «Dass in Wil bereits eine Zusammenarbeit unter den Schulen besteht, ist sicher ein Standortvorteil», sagte Cécile Hüppi.