WIL: Ein «Grosskreisel» soll es richten

Nur noch in einer Fahrtrichtung durch Wils Zentrum? Der Zuzwiler Gemeinderat hält viel von dieser Idee und hat sie beim Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen deponiert. Bei der Regio Wil ist man zurückhaltend.

Simon Dudle
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Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Die Stadt Wil hat ein Verkehrsproblem. Darüber gibt es keine zwei Meinungen. Zur Hauptverkehrszeit braucht es als Autofahrer ein gutes Nervenkostüm. Die Stadtbusse und Postautos bleiben wiederholt im Stau stecken, sodass Reisende am Bahnhof Wil Anschlussverbindungen verpassen. Da der Verkehr von Jahr zu Jahr dichter wird, dürfte sich das Problem künftig akzentuieren – ganz unabhängig davon, ob zwischen Wil und Münchwilen dereinst noch eine zusätzliche Autobahnzufahrt gebaut wird oder nicht.

Sicher zwei Meinungen gibt es aber bei der Frage, wie das Verkehrsproblem zu lösen ist. Nun bringt mit Zuzwil ausgerechnet eine Nachbargemeinde eine Idee ein, die aufhorchen lässt. Gemeindepräsident Roland Hard­egger nämlich hat festgestellt, dass Dorfbewohner Zuzwils immer seltener mit öffentlichem Verkehr nach Wil fahren, weil der Fahrplan nicht eingehalten werden kann.

Die Idee bereits mit der Stadt Wil besprochen

Dem Zuzwiler Gemeinderat schwebt vor, dass im Wiler Zen­trum ein «Grosskreisel» errichtet wird. Dieser würde sich durch den Verkehrsfluss in nur eine Richtung auszeichnen und hätte eine eigene Busspur. Der «Grosskreisel» würde folgende Strecke umfassen: Rudenzburg–Schwanenkreisel–Bahnhof–Rösslikreisel–Rudenzburg (siehe Grafik oben). «Uns ist klar, dass dies nicht einfach zu realisieren ist. Eine direkte Busspur ab der heutigen Lichtsignalanlage Rudenzburg ist aber mit relativ einfachen Mitteln umzusetzen», sagt Hard­egger. Der Beweis dafür habe ­unlängst erbracht werden können, als die Lerchenfeldstrasse saniert wurde und auf dem Abschnitt Rudenzburg–Schwanenkreisel nur einseitig gefahren werden konnte.

Dass es dem Zuzwiler Gemeinderat ernst ist mit der Idee, beweist die Tatsache, dass sie im Zusammenhang mit der Vernehmlassung zum neuen Buskonzept Fürstenland-Wil an das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen übermittelt worden ist. Auch mit dem Wiler Stadtrat hat bereits ein Gespräch stattgefunden. Der zuständige Departementsvorsteher Daniel Stutz weilt dieser Tage in den Ferien und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Dafür nimmt man andernorts Stellung. Lucas Keel, bei der Regio Wil Präsident der Fachgruppe Mobilität, sagt: «Nichts verschafft dem Autofahrer mehr Platz auf der Strasse als eine priorisierte Busspur oder ein Radweg. Jeder Autofahrer, der im Bus fährt, braucht kein Auto.» Keel schiebt aber nach: «Die Regio Wil ist dafür, das ganze Verkehrskonzept integral umzusetzen.» Will heissen: Der «Grosskreisel» müsste an das Agglomerationsprogramm geknüpft werden. Ergänzend zum geplanten Entwicklungsschwerpunkt Wil West sind in diesem diverse flankierende Massnahmen zur Entlastung der Stadt Wil aufgeführt. Eine davon ist die Neugestaltung der Toggenburgerstrasse, welche beim Rösslikreisel in den neuen Grosskreisel münden würde. Im Aggloprogramm, das derzeit vom Bund geprüft wird und bei welchem eine finanzielle Beteiligung in Millionenhöhe erlangt werden kann, ist der Wiler Grosskreisel kein Thema.

Noch sind viele Fragen offen

Das Projekt aus der Gemeinde Zuzwil ist derzeit eine Vision. Detailfragen wie «In welche Richtung wird gefahren?» oder «Welche Häuser müssen für diesen Kreisel weichen?» sind noch nicht beantwortet.

Trotzdem taucht bereits die Frage auf, wer denn das Projekt finanzieren würde – und ob die Zuzwiler bereit wären, ihren Beitrag zu leisten. Dazu sagt Hard­egger: «Meiner Meinung nach müsste sich die ganze Region und auch der Kanton beteiligen. Die zu spät verkehrenden Busse sind ja schliesslich ein Problem für die ganze Region.»