Wil
Ein gemischtes Fazit: Livestream aus dem Parlament stösst auf begrenztes Interesse, hat aber ein internationales Publikum

Seit etwas über einem Jahr können die Sitzungen des Stadtparlaments per Livestream verfolgt werden. Auslöser dafür war die Pandemie. Seit März kommt eine neue Technologie zum Einsatz. Eine Zwischenbilanz.

Gianni Amstutz
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Zu Coronazeiten kann die Öffentlichkeit nur virtuell in der Tonhalle dabei sein.

Zu Coronazeiten kann die Öffentlichkeit nur virtuell in der Tonhalle dabei sein.

Bild: Gianni Amstutz

Vor rund einem Jahr genehmigte das Parlament mit dem Budget 2021 einen Kredit für die Schaffung eines Livestreams an seinen Sitzungen. Dies jedoch nicht ohne Widerstand. Vereinzelte Parlamentsmitglieder der Mitte, der FDP und der SVP lehnten den Kredit im Dezember 2020 ab. Sie hielten einen solchen Livestream für unnötig. Letztlich sah aber die Mehrheit des Parlaments den Bedarf als gegeben, da man damit eine grössere Anzahl Leute erreichen könnte. 23 Parlamentsmitglieder gaben dem Antrag des Parlamentspräsidiums statt, 15 stimmten dagegen.

Inzwischen seit März können die Sitzungen des Parlaments bequem von zu Hause aus auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop verfolgt werden. Dabei kommt die neue Technologie zum Einsatz. Der Kredit dafür belief sich auf 20'000 Franken. Diese ermöglicht einerseits den Einsatz von drei unterschiedlichen Perspektiven, was es erlaubt, die jeweiligen Rednerinnen und Redner bei ihren Voten zu zeigen. Anderseits können die Sitzungen nun auch im Nachhinein abgerufen werden.

Nur 26 Personen bei Budgetsitzung live dabei

Nach knapp einem Jahr lässt sich anhand der Nutzerzahlen eine Zwischenbilanz ziehen. Und diese fällt etwas durchzogen aus. So waren an der Sitzung vom Dezember, in der das Budget zur Debatte stand, nur gerade 26 Personen live zugeschaltet. Und dies, obwohl diese Sitzung als wichtigste des Jahres gilt.

Übers Jahr gesehen liest sich die Statistik etwas besser. So haben insgesamt über 1000 Personen mindestens einmal bei einer Sitzung des Wiler Stadtparlaments reingeklickt. Damit haben durchschnittlich fast 100 Personen virtuell den Debatten des Parlaments beigewohnt. Das sind deutlich mehr als es vor der Pandemie üblicherweise Zuschauer in der Tonhalle hatte. Und es kommt noch besser.

Auch der Service, die Sitzungen auf Abruf zu schauen, wurde anscheinend gut genutzt. So haben die rund 1000 Nutzerinnen und Nutzer 2500-mal ein Video einer Debatte angeschaut. Jede Person beliess es also nicht dabei, lediglich eine Sitzung anzuschauen, sondern schaute sich zwei oder drei an.

Ebenfalls positiv: Das Stadtparlament scheint nicht nur in Wil zu interessieren, ja nicht nur in der Schweiz. Gemäss den Zahlen der Stadt haben Menschen aus insgesamt 26 Ländern die Debatten in der Äbtestadt verfolgt. Ob die dritte Sanierungsetappe des Hofs oder die Überdachung des Fussballstadions Bergholz allerdings wirklich ennet der Grenze Aufsehen erregt hat oder es sich beim internationalen Publikum in Wahrheit um – physisch oder virtuell – im Ausland weilende Wilerinnen und Wiler handelt, sei dahingestellt.

In Pandemiezeiten unabdingbar

Fest steht: Der Livestream hat seinen Zweck erfüllt. Denn noch immer sind wegen Corona keine Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Sitzungen des Parlaments zugelassen. Die Livestreams sind also die einzige Möglichkeit für Interessierte, die Debatten zu einem Thema ungefiltert zu erleben. Dass dies auch im nächsten Jahr – mindestens zu Beginn – so bleiben wird, daran zweifelt wohl niemand.

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