Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WIL: Ein Blick hinter die Kamera

Seien es Konzerte oder Sportveranstaltungen, beinahe an allen grossen Events steht irgendwo versteckt ein Übertragungswagen. Wer und was aber hinter dem steht, was über unsere Bildschirme flimmert, ist wenigen bekannt. Zu Besuch beim Fernsehteam im Bergholz.
Yves Weibel
Ein Privileg der heutigen Zeit: Livesport zu Hause auf der Couch geniessen, während andere im Regen stehen. (Bilder: Yves Weibel)

Ein Privileg der heutigen Zeit: Livesport zu Hause auf der Couch geniessen, während andere im Regen stehen. (Bilder: Yves Weibel)

Yves Weibel

yves.weibel@wilerzeitung.ch

Als ein Wiler dem Gegner den Fuss ins Gesicht schlägt, verziehen alle im Übertragungswagen das Gesicht und ein kollektives «Au!» ist zu vernehmen. Anschliessend bricht etwas Hektik aus. Der Wiler wird mit Gelb-Rot vom Platz geschickt und tritt in seiner Wut gegen etwas am Spielfeldrand. Im Übertragungswagen hallt ein dumpfes Geräusch aus den Boxen. Sofort nimmt der Leiter per Funk Kontakt mit den Mitarbeitern im Stadion auf: «Hat er das Mikrofon erwischt?» Es folgt Entwarnung und die Ruhe kehrt zurück.

Vom Lokalfernsehen zur weltweiten Nummer eins

Zurück zum Anfang. Noch ist von den Zuschauern im und um das Stadion Bergholz nichts zu sehen. Die letzten Vorbereitungen der Sicherheitskräfte laufen und die Auswärtsmannschaft trifft mit ihrem Car vor dem Spielereingang ein. Dort herrscht bereits reger Betrieb. Am Übertragungswagen der NEP, welche jeweils die Livespiele für Teleclub produziert, wird die Technik installiert und erste Bilder flimmern über die Bildschirme in der Regie. Insgesamt sind ein Dutzend Leute für die Übertragung an diesem Abend im Einsatz.

Bereits seit zehn Jahren produziert die Firma von Geschäftsführer Reto Osterwalder Fussballspiele live für Teleclub. Seit eineinhalb Jahren heisst die Unternehmung NEP. Sie ist der weltweit grösste Anbieter ausgelagerter Produktionslösungen. Der Wiler, der seine frühesten Erfahrungen beim ersten Lokalfernsehsender der Schweiz machte, kann sich noch gut an seine Anfänge erinnern: «Meine ersten Liveübertragungen von Fussballspielen waren bei weitem nicht so professionell wie diese von heute. Das erste Spiel, das wir live umgesetzt haben, war das Aufstiegsspiel des FC Wil gegen den FC Tuggen in den 80er-Jahren.»

Das Bergholz ist ein hartes Pflaster für Medienschaffende

Seit der ersten Übertragung von Reto Osterwalder hat sich im Bergholz viel verändert. Einiges macht die Produktion von Livespielen nicht einfacher. «Im Bergholz haben wir beispielsweise Probleme mit den fixen Kameras rund ums Spielfeld, da wir nicht genügend Platz haben», erklärt der Wiler. Eigentlich müssten hinter dem Tor fünf Meter Platz sein. In Wil sind es bis zur Betonwand der Tribüne fünf. Vor den Wänden stehen aber die LED-Banden, die auch Platz benötigen. «Der geringe Abstand ist sowohl kritisch für die Technik als auch für die Spieler», erklärt Osterwalder und weist ironisch auf die Szene mit dem Tritt nach dem Platzverweis hin.

Ebenfalls stellen die Lichtverhältnisse sowie der Kunstrasen im Bergholz die Bildtechniker vor grosse Probleme. «Es hat zu wenig Licht. Deshalb müssen wir mit weit geöffneten Blenden arbeiten, was sich bei der Tiefenschärfe negativ zeigt», sagt der Geschäftsführer. Auch im Übertragungswagen zeigt man sich nicht als Freund des künstlichen Grüns. Die für den Bildabgleich Verantwortlichen erklären: «Da die Plätze teils reflektieren, ist es schwierig, dass alles natürlich wirkt und die Akteure nicht kränklich aussehen.»

Die Bildtechniker sind während der gesamten Übertragung mit Anpassungen beschäftigt. «In der Dämmerung merkt man es stark, dass die Lichtverhältnisse im Bergholz schwierig sind», sagt der Übertragungsleiter.

Ohne Kommunikation würde pures Chaos herrschen

Mit dem Sonnenuntergang beginnt die Übertragung. Leichte, aber doch überschaubare Hektik macht sich in der Schaltzentrale breit. Es fliegen kurze, konkrete Befehle durch den Wagen. Zwei Auszubildende sitzen hinter den Slow-Motion-Schneideplätzen und liefern mit unglaublicher Schnelligkeit die entscheidenden Bilder des Spiels.

Im Raum des Audiotechnikers herrscht derzeit ein Wirrwarr von Stimmen und Sprachen. Alle Beteiligten kommunizieren über seine Schaltzentrale. Unglaublich, dass hier jemand den Überblick behalten kann. «Es ist reine Erfahrungssache. Die Spiele der Challenge League übernehme ich allerdings gerne, da sie eher ruhig sind. An-Super-League Spielen habe ich viel mehr Kanäle zu betreuen», erklärt der Techniker hinter dem Mischpult. Teils laufen auf einem Videosignal bis zu 16 Tonspuren.

«Jede Übertragung ist eine reine Teamarbeit. Daher ist eine gute, funktionierende Kommunikation innerhalb des Teams unabdingbar», erklärt Reto Osterwalder.

Es läuft alles nur dank der Kommunikation zwischen den verschiedenen Kanälen. Die Kommentatoren fordern Close-ups und Statistiken, der Regisseur gibt es den Kameramännern weiter und diese bringen die gewünschten Bilder gestochen scharf – und das innerhalb von Sekunden. «Nahaufnahmen haben oft auch ein wenig mit Glück zu tun», erklärt der Übertragungsleiter, «man weiss beispielsweise nie genau, wie und wohin ein Akteur als nächstes schaut.»

Damit das Endprodukt in unsere Wohnzimmer kommt, braucht es viel. «Jede Übertragung bringt neue Herausforderungen», erklärt der Übertragungsleiter, «es macht den Job so spannend.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.