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WIL: Dunkle Abrechnung nach dem Tod

Schlagfertig, kurzweilig und mit einer gehörigen Portion an schwarzem Humor gespickt – so kommt die neueste Produktion des KliWi-Theaters, «Miss Sophies Erbe», daher. «Dinner for one» liess grüssen.
Christof Lampart
Das KliWi-Theaterensemble bietet in «Miss Sophies Erbe» eine überzeugende Leistung und dem Publikum einen entspannten wie spannenden Theaterabend. (Bild: Christof Lampart)

Das KliWi-Theaterensemble bietet in «Miss Sophies Erbe» eine überzeugende Leistung und dem Publikum einen entspannten wie spannenden Theaterabend. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch

Am Samstagabend war Premiere auf der grossen Bühne im Personalrestaurant der Psychiatrie St. Gallen Nord. Sie fand in einem fast vollen Saal und vor einem erwartungsfrohen Publikum statt. Und dieses, dass sollte sich schon schnell zeigen, kam von Anfang an auf seine Kosten.

Denn das Tempo, das in Sachen Sprachwitz und Schlagfertigkeit in dieser Komödie vom ersten Dialog an angeschlagen wird, ist atemberaubend und wird – was keineswegs selbstverständlich ist – vom agilen und wunderbar harmonierenden Ensemble äusserst vital zwei volle Stunden durchgehalten. Wer sich einmal eine halbe Minute ablenken lässt – vielleicht weil er während der Vorstellung eine SMS seiner Erb-Tante lesen «muss»? – kann sicher sein, mindestens vier Gags zu verpassen. Sperrfeuermässig prasseln diese aufs Publikum ein und zwingen dessen Lachmuskeln zu Akkordarbeit.

Zum Ensemble ist festzuhalten: Egal, ob sie als Operettendiva Stroganoff (Ilona Scheuring), Gundula von Knorpsheim (Vreni Brunner), Modemacher Siegfried Roy Toby (Andreas Bosshard), Pflegerin Gilla Winterbottom (Ingeborg Nienhuis), Butler Paul (Levin Maag), Köchin Marlies (Daniela Bissegger) oder Butler (Dominic Scheuring) in eine der vielen Rollen schlüpften, sie brachten die zwar leicht daherkommende, aber gerade deshalb schwierig zu spielende Komödie, schwungvoll und überzeugend auf jene Bretter, die für so manchen die Welt bedeuten.

Zoff bis zum bitteren Ende

Kurz zum Inhalt: Miss Sophie ist tot und hat vier Gäste zwecks Testamentsvollstreckung auf den Ansitz Kübelstein einbestellen lassen. Da das Testament erst am nächsten Tag eröffnet werden soll, verbringen die unterschiedlichsten Charaktere, die mehr miteinander gemeinsam haben, als ihnen lieb ist, eine gemeinsame Nacht und einen ganzen Vormittag in den alten Gemäuern. Dort – zwischen Bibliothek und Musikzimmer – tun sich, je länger, je drastischer, Abgründe auf. Was anfänglich wie Blödelei und Klamauk daherkommt, wird alsbald bitterböser Ernst – so, dass einem, im übertragenen Sinne das «Dinner for one» im Halse stecken bleibt. Und auch das Ende ist tiefschwarz, makaber und zugleich absolut sehenswert.

Damit ist klar, welcher Natur die turbulente Testamentsvollstreckungs-Komödie von Andreas Wening (Dialektfassung von Peter Waber; Regie Sandra Burics) ist. Wer nach Tiefgang oder zumindest einem moralischen Kompass sucht, ist hier fehl am Platz; eher sind hier «Abrissbirne» und «Vorschlaghammer» verbal im Dauereinsatz – und dies äusserst erfolgreich. Wer skurrile Dialoge liebt und einfach einer fiktiven Fortsetzung des Silvester-TV-Klassikers «Dinner for one» beiwohnen möchte, kommt jedoch hier voll auf seine Kosten. Sogar das Tigerfell aus dem Original ist adrett im Bühnenvordergrund platziert – auch wenn real keiner der Protagonisten darüber stolpert. Dafür gibt es genug andere «Fallen», die im Verlaufe des Abends darauf warten, ausgelöst zu werden.

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