WIL: Draussen vor der Tür

Mit einer künstlerischen Aktion zeigen Patientinnen und Patienten der Kreativwerkstatt der Psychiatrie Wil, dass Türen viel mehr sind als Hindernisse. Zum Beispiel ein Verhandlungstisch.

Daniel Wallimann
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Anja Honegger möchte auch die Haustür bemalen. (Bilder: Daniel Wallimann)

Anja Honegger möchte auch die Haustür bemalen. (Bilder: Daniel Wallimann)

Daniel Wallimann

daniel.wallimann@wilerzeitung.ch

Seit Montagvormittag stehen auf der Oberen Bahnhofstrasse zwei verzierte Holztüren. Diese fast drei Meter hohen Ausstellungsstücke wurden von Patientinnen und Patienten des Living Museums der Psychiatrie in Wil (siehe Box) gestaltet. Sie wurden als Auftakt zur Veranstaltungsreihe der interreligiösen Dialog- und Aktionswochen «nichts ist drinnen – nichts ist draussen» aufgebaut. «Damit sich die Fussgänger schon im Voraus zu sozialem Ausschluss und Eingrenzung Ge­danken machen», sagt der Wiler ­Integrationsbeauftragte Felix Baumgartner. Denn darum geht es in den Vorträgen und Ausstellungen vom 22. August bis 9. September in der Stadtbibliothek.

Aus dem gleichen Holz geschnitzt

«Die Türen laden ein, über das Zusammenleben oder die Inte­gration nachzudenken», sagt Baumgartner, der die Ausstellung federführend begleitete. Türen seien ein Symbol für Ein- oder Ausschluss. Eine davon ist nun bunt bemalt. Auf ihrer Oberfläche sind Gesichter eingeschnitzt. Anja Honegger hat sich Folgendes dazu überlegt: «Ob man zur Gesellschaft dazugehören will, kann jeder Mensch selber entscheiden.» Denn alle Menschen seien schliesslich gleich. Diesen Grundgedanken bildete die junge Künstlerin in zwei Punkten ab. Eine Seite bemalte sie wie die Türe einer öffentlichen Toilette. Weil sie der Meinung ist: «Dass der Gang dorthin uns Menschen verbindet.» Unabhängig davon, woher man komme. Auf der anderen Seite habe sie versucht, die vordergründigen Konflikte zwischen Neuem und Altem aufzulösen. In dem sie Holzgesichter einschnitzte, die unter dem Lack hervorlinsen.

Fast wie am Verhandlungstisch

«Damit will ich nämlich zeigen, dass wir alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind», sagt Honegger zu ihrem Kunstprojekt. Sie hoffe nun, dass die Fussgänger die Ideen beim Vorbeigehen verstehen würden. Auch Richard Gschwend hat sich mit dem Thema beschäftigt. Er gestaltete seine Tür, die nur wenige Meter weiter entfernt steht. Der 62-Jährige installierte sie so, dass sie sich wie ein Propeller im Rahmen dreht. «Ich will den Leuten einen Denkanstoss geben», sagt Gschwend. Weil es so kein Drinnen oder Draussen mehr gebe. «Es darf auch geschmunzelt werden.» Denn je nach Position der Türe entstehe plötzlich eine Art Verhandlungstisch. Gerade in einem Gespräch gehe es häufig darum: «Wer ist drinnen, und wer ist draussen?» Er habe dafür extra ein Gelenk einbauen müssen, damit sich die Türe dreht. Das sei gar nicht einfach gewesen. Für das Malen habe er jedoch nur noch wenig Zeit gebraucht. Und zum Schluss resümiert er: «Seitdem ich mich mit Türen beschäftige, weiss ich, dass sie nicht mehr zwingend ein Hindernis bedeuten.»