WIL: Digitalisierung birgt Risiken

ETH-Professor Ueli Maurer referierte an der Kanti Wil über Chancen und Risiken der digitalen Entwicklung. Dabei zeigte er, dass der Fortschritt in der Technologie das Leben grundlegend verändern wird.

Gianni Amstutz
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ETH-Professor Ueli Maurer zeigt die Anzahl der Tage, welche nötig wären, um durch reines Ausprobieren einen simplen Verschlüsselungscode zu knacken. (Bild: Gianni Amstutz)

ETH-Professor Ueli Maurer zeigt die Anzahl der Tage, welche nötig wären, um durch reines Ausprobieren einen simplen Verschlüsselungscode zu knacken. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

«Wir befinden uns mitten in einer Explosion.» So startete ETH-Professor Ueli Maurer, der in Wil wohnt, sein Referat zum Abschluss des Besuchs der ETH Zürich an der Kantonsschule Wil (siehe unten). «Wir sind noch in der Steinzeit, was die potenziellen Entwicklungen anbelangt, die mit den neuen Informationstechnologien möglich werden», fuhr er fort. Diese Möglichkeiten würden sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen. Mit dem Entstehen sogenannter digitaler Objekte, die nicht als reale Objekte existierten, jedoch reale Auswirkungen hätten, habe die Komplexität der Welt um ein Vielfaches zugenommen.

«Wir werden es nicht schaffen, diese Komplexität irgendwann zu verstehen, da die Entwicklung zu rasch voranschreitet.» Digitale Objekte würden jedoch unser Leben in vielen Bereichen erleichtern, wie zum Beispiel beim Thema E-Banking. Das Ziel sei es, mit dem digitalen Fortschritt den gewünschten Nutzen zu erzielen, ohne den Wunsch nach Sicherheit zu gefährden. Damit beschäftigt sich Ueli Maurer in Teilen seiner Forschungsarbeiten. So hat er beispielsweise einen Algorithmus entwickelt, welcher enorm hohe Primzahlen entwickelt. Diese wiederum sind nötig, um Verschlüsselungsprogramme herzustellen. Durch reines Durchprobieren könnten solche auch mit einer riesigen Rechnerleistung nicht geknackt werden, erklärte er. «Selbst wenn die NSA eine Milliarde Computer hätte, die in einer Sekunde eine Milliarde Schlüssel ausprobieren könnten, wäre das nicht machbar.»

Keine absolute Sicherheit bei Verschlüsselungen

Trotzdem könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob die bestehenden Verschlüsselungsarten nicht doch einfach zu knacken seien, sagte Maurer. «Theoretisch wurde sogar bereits bewiesen, dass dies möglich ist.» Dazu wären allerdings sogenannte Quantencomputer nötig, die bisher nur ein theoretisches Konzept seien.

«Vieles, was im Bereich Informatik erforscht wird, könnte das Verständnis der digitalen Realität grundlegend verändern», sagte Ueli Maurer. «Es ist nicht Informatik im Sinne von Programmieren, sondern mathematische Grundlagenforschung in der digitalen Welt.» Zum Abschluss wandte sich Maurer an die Schülerinnen und Schüler der Kanti Wil. «Wenn Sie nicht abgeschreckt sind durch die Mathematik, kommen Sie an die ETH ins Departement Informatik. Bei uns kann man die Zukunft konstruktiv mitgestalten.»

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