WIL: Die Strukturen passen nicht mehr

Hauswart Urs Kalberer verlässt das Alleeschulhaus nach zwölf Jahren. Dies, obwohl ihm die Arbeit nach wie vor gefällt und er ein geschätztes Teammitglied ist. Grund ist die Reorganisation der städtischen Hausdienste.

Gianni Amstutz
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Die Schülerinnen und Schüler verabschieden sich von Hauswart Urs Kalberer, «dem besten Hauswart der Welt», wie sie sagen. (Bild: gia)

Die Schülerinnen und Schüler verabschieden sich von Hauswart Urs Kalberer, «dem besten Hauswart der Welt», wie sie sagen. (Bild: gia)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

Aus voller Kehle sangen die Schülerinnen und Schüler des Alleeschulhauses gestern Morgen: «Herr Kalberer, Sie sind eifach de Bescht!» Sie säumten dabei die Treppe vom Dach- bis zum Erdgeschoss und begleiteten Urs Kalberer an seinem letzten Tag als Hauswart des Alleeschulhauses symbolisch bis zum Ausgang. Jedes Kind überreichte Kalberer dabei einen selbst geschriebenen Brief, in welchem sie festhielten, was sie am Hauswart besonders schätzen.

Einige Schüler trugen ihre Abschiedsworte persönlich vor. «Ich bewundere Sie sehr, weil Sie es schaffen, so viele Jahre mit uns Kindern zu arbeiten und trotzdem immer so nett zu uns sind», sagte eine Schülerin. «Ich wünschte mir, Sie würden im Alleeschulhaus bleiben», eine weitere. Das zeigte, dass Urs Kalberer mehr war, als bloss ein Hauswart, der das Gebäude instand hält. Vielmehr war er eine wichtige Ansprechperson sowohl für die Kinder als auch für die Lehrerschaft und Eltern. «Er wird in unserem Schulhaus vermisst werden», sagte Schulleiterin Barbara Vogel. «Sein Umgang mit den Kindern war herzlich, ohne dabei an Autorität einzubüssen.» Auch von Vertretern der Eltern und des Quartiervereins wurde Kalberers Arbeit gelobt.

Grund für Abgang ist neue Struktur des Hausdienstes

Wieso also verlässt der von allen geschätzte Hauswart die Schule, nur um an einer anderen, der Oberstufe Bazenheid, in derselben Funktion zu arbeiten? «Ausschlaggebend war die Reorganisation der städtischen Hausdienste», sagt Kalberer. Im Zuge dieser hat das Departement für Bau, Umwelt und Verkehr (BUV) die hauptamtlichen Stellen von 23 auf 14 reduziert. «Kollegen wurden dadurch auf einmal zu Konkurrenten um diese Stellen», sagt Kalberer. Zwar wurde Kalberer als einer der Glücklichen wieder hauptamtlich eingestellt, das Verhältnis zu seiner Arbeitgeberin, der Stadt, litt jedoch darunter. «Ich glaube, das BUV hat einfach etwas entschieden, ohne das Wissen, was das für die Mitarbeiter des städtischen Hausdienstes im Berufsalltag konkret bedeutet», kritisiert Kalberer. Gemäss Verständnis des BUV sollten Hauswarte ausschliesslich für das Gebäude zuständig sein, erklärt er seine Sicht. «Das kommt für mich nicht in Frage», sagt er. Gerade die zwischenmenschlichen Kontakte machten für ihn seinen Beruf aus. Eine Beziehung zu allen Gruppen im Schulhaus aufzubauen, habe für ihn immer an erster Stelle gestanden. «Das hat mir auch meine Arbeit erleichtert. Bei Entscheidungen des Lehrerteams hatte meine Stimme Gewicht und zwischen den Kindern und mir gab es einen gegenseitigen Respekt.

Auch in Zukunft als Hauswart tätig

Etwas Wehmut ist bei Urs Kalberer bei seinem Abschied vom Alleeschulhaus spürbar, sind ihm doch das Team und die Schülerinnen und Schüler in seiner zwölfjährigen Tätigkeit ans Herz gewachsen. «Eigentlich wollte ich in dieser Stelle im Alleeschulhaus dereinst pensioniert werden. Es gefällt mir immer noch gut», betont der 49-Jährige. Doch die Rahmenbedingungen würden durch die neuen Strukturen nicht mehr passen.

Dass er auch künftig als Hauswart an einer Schule tätig sein wird, war für ihn klar, weil er die Arbeit mit Menschen schätzt. Vor seiner Stelle im Alleeschulhaus war Kalberer als Kaminfeger tätig. Doch als Hauswart habe er seine berufliche Bestimmung gefunden, sagt er.