Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WIL: Die Selbstbestimmung fördern

Auch psychisch Erkrankte haben das Bedürfnis nach den eigenen vier Wänden. Der St. Gallische Hilfsverein bietet deshalb seit 20 Jahren eine Wohnbegleitung an. Gestern fand im Pfarreizentrum die Jubiläumsfeier statt.
Ursula Ammann
Das Theater Knotenpunkt setzt sich auf der Bühne mit dem Thema Wohnbegleitung auseinander. (Bilder: Ursula Ammann)

Das Theater Knotenpunkt setzt sich auf der Bühne mit dem Thema Wohnbegleitung auseinander. (Bilder: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Leere Joghurtbecher stehen auf dem Boden und dem Couchtisch. Als Wohnbegleiterin Bea Manser den Raum betritt, stolpert sie zuerst einmal über eine ausgebeulte PET-Flasche. Alfred Buri knallt einen Stapel Zeitungen und Briefe auf den Stuhl. Er ist übel gelaunt, reagiert gereizt auf Bea Mansers Vorschlag, zusammen Rechnungen einzuzahlen.

Diese Alltagsszene, dargeboten vom Theater Knotenpunkt auf der Bühne des Pfarreizentrums Wil, könnte sich so durchaus auch in der Realität abspielen. Die Zuschauer, darunter Personen, die mit psychisch erkrankten Menschen wie Herr Buri arbeiten, bekommen denn auch die Möglichkeit, selbst die Rolle des Wohnbegleiters zu übernehmen. Es zeigt sich: Eine einfache Aufgabe ist das nicht.

«Doch unabhängig von seiner psychischen Verfassung hat jeder Mensch das Recht auf eine individuelle Lebensgestaltung», sagt Hans Peter Hug, Präsident des St. Gallischen Hilfsvereins in der Begrüssungsrede zur Jubiläumsfeier «20 Jahre Wohnbegleitung». Dass diese im Pfarreizentrum Wil stattfindet, ist kein Zufall, denn die Wurzeln reichen auch in die Äbtestadt zurück.

In Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Klinik

Die Wohnbegleitung ist eines von mehreren Angeboten des St. Gallischen Hilfsvereins. Es entstand 1997 aus dem Bedürfnis psychisch erkrankter Menschen nach eigenständiger Wohnform. «Wir starteten in Wil vor 20 Jahren mit zwei Personen, die aus der Klinik ausgetreten waren und sich auf der Suche nach einer eigenen Wohnung befanden», sagt Anita Eichmann, Leiterin Wohnbegleitung und Ambulante Psychiatrische Pflege. Heute begleitet der Verein zwischen Wil und St. Gallen 70 bis 80 Menschen, ein grosser Teil davon wohnt in der Region Wil. Noch heute bestehe eine gute Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Klinik und den Heimstätten Wil, sagt Anita Eichmann. Das Wohnbegleitungsteam besteht aus fünf Mitarbeiterinnen mit Erfahrung und entsprechender Ausbildung im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen. Eine von ihnen ist Lya Romagnolo, Pflegefachfrau Psychiatrie. Für die Betroffenen erhöhe das Angebot die Selbstbestimmung und Lebensqualität. Zudem helfe die Wohnbegleitung, Stigmatisierung zu verringern und stationäre Aufenthalte zu verkürzen, erzählt Lya Romagnolo an der Jubiläumsfeier aus ihrem Erfahrungsbericht.

Anwesend ist an diesem Donnerstagnachmittag auch Bischof Markus Büchel, Patronatsmitglied. In seiner Rede betont er die Wichtigkeit des Angebots. Es gehe nicht nur darum, das Evangelium zu verkündigen, sondern auch danach zu handeln. Das bedeute, auf Menschen, die Hilfe brauchen, zuzugehen, denn Gott begegne einem im Mitmenschen.

Die Kirche spiele vor allem als «Motor» solcher Hilfeleistungen eine Rolle. Sie könne Unterstützung bieten, dass das Anliegen in den Gemeinden und Pfarreien lebendig gemacht werde, so Bischof Markus Büchel. «Wenn jeder seinen Teil beiträgt, entsteht etwas Grosses.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.