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WIL: Die Polizei war begeistert

Rico Eigenmann überraschte diese Woche mit einem speziellen Kunstwerk. Der Wiler machte sich die Kälte zunutze und malte in der Nacht mit Wasser ein Eisbild auf den Boden des Skateparks beim Stadtweier.
Tim Frei
Auf dem Gelände des Skateparks beim Stadtweier: Eine Strassenlaterne beleuchtet das Eiswerk des Wilers Rico Eigenmann. (Bild: PD)

Auf dem Gelände des Skateparks beim Stadtweier: Eine Strassenlaterne beleuchtet das Eiswerk des Wilers Rico Eigenmann. (Bild: PD)

Tim Frei

tim.frei@wilerzeitung.ch

Kurz nach 1 Uhr nachts, bei eisiger Kälte, machte sich Rico Eigenmann auf den Weg nach Hause. Der Wiler freute sich eigentlich auf das Bett in seinem Haus unweit des Stadtweiers. Als er aber den Skatepark beim Stadtweier erreichte, liess ihn ein Gedanke nicht mehr los: Wäre es nicht möglich, mit Wasser auf den Asphalt zu zeichnen, sodass dank der Kälte anschliessend ein gefrorenes Bild entsteht? Der 21-Jährige überlegte nicht lange und schritt zur Tat: «Es war eine völlig spontane Idee. Ich kann gar nicht erklären, wie ich dazu kam – es war so etwas wie ein Geistesblitz», sagt Eigenmann. «Diese einmalige Gelegenheit musste ich einfach packen. Ich wusste ja nicht, wie lange es noch so kalt sein würde», ergänzt er.

Voller Tatendrang eilte er zu seinem Haus, um einen Eimer Wasser und einen Pinsel zu holen. Weiter schnappte er sich einen Farbroller, um damit grössere Flächen schneller zu bemalen. Eigenmann zog sich zudem entsprechend der Kälte an: eine warme Jacke, Thermounterwäsche, eine Mütze und Handschuhe. «Diese habe ich aber nur so lange getragen, bis sie vom Wasser durchnässt waren.»

Um halb zwei kehrte er zum Skatepark zurück und begann zu malen: Er tunkte den Pinsel ins Wasser und setzte damit erste Striche auf den leicht aufgebrochenen Asphalt. «Es war beeindruckend, wie schnell das Wasser jeweils zu Eis wurde.» Rund zwei Stunden dauerte es, ehe sein Kunstwerk mit schwarz gefrorenen Strichen und Schattierungen fertig war: Ein bärtiger Mann, der ebenfalls warm eingepackt ist, sucht mit einem Feldstecher nach Plus-Temperaturen, wie der danebenstehenden Frage zu entnehmen ist. «Zu diesem Sujet bin ich ebenfalls spontan aufgrund der Kälte gekommen.» Wie aber sind diese schwarzen Striche entstanden? «Ich vermute, dass das Eis durch die nahe Strassenlaterne in sich selber Schatten wirft, wobei der trockene Asphalt durch die Beleuchtung hell ist.» Während seiner Street-Art-Aktion legte er immer wieder Pausen ein. «Ich machte das, um aus der Distanz zu überprüfen, ob die Proportionen stimmen.»

«Lustiger Besuch» zweier Polizisten

Um halb drei, eine Stunde, nachdem Eigenmann mit seinem Eiswerk begonnen hatte, bekam er plötzlich unerwarteten Besuch: Zwei Polizisten waren gerade mit ihrem Streifenwagen vorgefahren. «Sie fragten sich wohl, was ein Mensch zu dieser Zeit am Boden herumwerkelt», vermutet Eigenmann. Nachdem sie aber gesehen hätten, was er mache, seien sie hellbegeistert gewesen und hätten gesagt: «Machen Sie nur weiter mit diesem Kunstwerk.» Sie seien so «aus dem Häuschen» gewesen, dass sie sogar ein Foto schiessen wollten. «Eigentlich wollten sie dies von einer Leiter aus tun. Da sowohl ich als auch sie keine dabei hatten, mussten sie aus normaler Höhe fotografieren», sagt Eigenmann mit einem Schmunzeln. Insgesamt sei dies ein «lustiger Besuch» gewesen.

Am nächsten Vormittag wollte Eigenmann sein Kunstwerk bei Tageslicht anschauen. «Doch es war bereits weggeschmolzen, wie ich befürchtet habe.» Er geht davon aus, dass die Zeichnung bis zum frühen Morgen zu sehen gewesen sei.

Für Eigenmann war diese Form von Street-Art eine Premiere. Zu Hause zeichnet er oft im «Comic-Style»: «Wie bei diesem Eisbild, zeichne ich gerne mit schwarzen Strichen auf weisser beziehungsweise heller Unterlage.» Er habe zwar schon einige Grafik-Aufträge erhalten – zum Beispiel von der Stadt Wil. «Doch ich bin künstlerisch noch in der Experimentierphase.» Street-Art, Graffiti oder auch anderes könne er sich in Zukunft vorstellen, sagt Eigenmann, der im Fischershop Wels in St. Gallen-Winkeln arbeitet und zudem Fischereiaufseher der Stadt Wil ist.

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