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WIL: Die Kindermedizin kränkelt: Kinder-Permanence soll Mangel an Kinderärzten entgegenwirken

Der Kinderärztemangel betrifft auch die Region Wil. Swiss Medi Kids will mit einer Kinder-Permanence Abhilfe schaffen. Trotz erwiesenem Bedarf gibt es Vorbehalte. Aber auch die Hoffnung auf eine bessere Versorgung.
Gianni Amstutz
Ein Junge wird von einer Kinderärztin untersucht. Symbolbild: Reto Martin

Ein Junge wird von einer Kinderärztin untersucht. Symbolbild: Reto Martin

Es mangelt an Hausärzten. Nicht nur, aber in einem noch stärkeren Ausmass trifft dies in der Kindermedizin zu. Von den neun Kinderärzten im Wahlkreis Wil, wovon viele Teilzeit arbeiten, sind rund die Hälfte über 55 Jahre alt (Stand 2016). Werden sie pensioniert, fehlt oftmals eine Nachfolgelösung. Die Eltern müssen sich in der Folge einen neuen Kinderarzt suchen, was für diesen eine zusätzliche Belastung darstellt. Eine weitere Option, wie sie im Wahlkreis Toggenburg praktiziert wird, wo es keine Kinderärzte gibt: Dort übernehmen Hausärzte, welche sich im Bereich Kindermedizin weitergebildet haben, diese Aufgabe. Eine Kehrtwende des Trends ist vorerst nicht absehbar. Zwischen 2011 und 2016 wurde im Wahlkreis Wil nur gerade einer Person die Berufsausübungsbewilligung als Kinderarzt erteilt.

Zum Kinderarzt ohne Voranmeldung

Kürzlich ging in Wil mit Juhani Sidler ein weiterer Kinderarzt in Pension. Die Lücke in der medizinischen Grundversorgung drohte sich dadurch zu vergrössern. Nun wurde eine Nachfolgeregelung gefunden. Swiss Medi Kids (SMK) übernimmt unter der Leitung der Kinderärztin Katja Doerholt die Praxis an der Hub-strasse 13. SMK ist Träger von drei sogenannten Permanencen in Zürich, Luzern und Winterthur. Dabei handelt es sich um Kinderärztezentren mit erweiterten Öffnungszeiten an sieben Tagen pro Woche. Zudem wird eine Kombination aus medizinischer Grundversorgung, also regulären Sprechstunden und ambulant behandelbaren Notfällen wie beispielsweise Fieber, Sportverletzungen oder Erbrechen angeboten. Das Besondere dabei: Eine vorgängige Anmeldung ist für die Notfallversorgung nicht nötig.

Eine Permanence wird es in der Wiler Praxis, die am Montag eröffnet wird, vorerst nicht geben, sagt Katja Berlinger, SMK-CEO. «Zu Beginn wird ein reduzierter Betrieb angeboten. Die Sprechstunde von Juhani Sidler führen wir weiter und übernehmen gerne seine Stammpatienten.» Man besitze die Kapazität, neue Patienten zu übernehmen. Noch sind Termine lediglich auf Anmeldung möglich.

Sieben-Tages-Betrieb ab nächstem Winter

Bis im Winter soll sich das ändern. «Wir sind auf der Suche nach zusätzlichen Kinderärzten, um die tägliche Verfügbarkeit als Permanence zu gewährleisten», sagt Katja Berlinger. Der Rekrutierungsprozess werde intensiv geführt. Beim Stichwort Permanence reagierten viele Hausärzte erst einmal ablehnend, weiss Berlinger. «Immer, wenn wir eine Kinder-Permanence an einem neuen Ort eröffnet haben, waren gewisse Vorbehalte spürbar.»

In Wil war das zuerst nicht anders. «Wir waren gegenüber der neuen Kinder-Permanence vorerst kritisch eingestellt», sagt Andreas Würmli, Präsident des Vereins Ostschweizer Kinderärzte. Die Kinder und Eltern bräuchten eine konstante Betreuung. Um diese Aufgabe zu erfüllen, sei eine Permanence nicht geeignet. Es brauche eine medizinische Vertrauensperson. «Wie uns von der Leitung der SMK zugesichert wurde, wird primär die Grundversorgung im Sinn von Vorsorgeuntersuchungen im Vordergrund stehen.» Deshalb steht Würmli der neuen Praxis in Wil positiv gegenüber und setzt sogar Hoffnungen in sie. «Vielleicht kann durch dieses Angebot dem Mangel an Kinderärzten entgegengewirkt werden.» Man müsse der neuen Institution unvoreingenommen begegnen und ihr eine faire Chance geben.

Katja Berlinger ist zuversichtlich, diese Chance nutzen zu können. «Wenn die Kinderärzte merken, dass man sich für eine gute medizinische Versorgung der Kinder einsetzt, entsteht immer ein gutes Miteinander. In der Region Wil haben uns die lokalen Kinderärzte von Anfang an freundlich aufgenommen.»

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