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WIL: Die Hürden sind hoch

Ein anderes Bildungssystem als im Heimatland, eine fremde Sprache oder das Fehlen des nötigen Asylstatus: Für Menschen, die in die Schweiz geflüchtet sind, gestaltet sich der Berufseinstieg oftmals schwierig.
Gianni Amstutz
Junge Asylsuchende informieren sich über ihre beruflichen Möglichkeiten. (Bild: Gianni Amstutz)

Junge Asylsuchende informieren sich über ihre beruflichen Möglichkeiten. (Bild: Gianni Amstutz)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

«Ohne Ausbildung hat man es hier schwer, eine Stelle zu finden», betonte Berufs- und Laufbahnberaterin Tiziana König an einem Informationsanlass für Asylsuchende. Was in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit ist, gilt in anderen Ländern nicht in gleichem Mass. Ein Asylsuchender aus dem Irak hat vor seiner Flucht beispielsweise vier Jahre als Maler gearbeitet. Ein Diplom oder einen Lehrabschluss kann er dafür allerdings nicht vorweisen. Im Irak war das nicht nötig, in der Schweiz jedoch beinahe unverzichtbar.

«Unser Bildungssystem ist vielen Asylsuchenden nicht bekannt», sagte Sabine Bruni vom Solidaritätsnetz Wil. In vielen Ländern lerne man die Fähigkeiten, die man für den Beruf benötige, bei der Arbeit. Deshalb sei die Veranstaltung im Berufsinformationszentrum in Wil wichtig, damit die Asylsuchenden erfahren, was ihre beruflichen Möglichkeiten sind und vor allem den Wert einer abgeschlossenen Ausbildung verstehen.

Schritt für Schritt zum Berufsziel

In der Deutschschweiz sei eine Berufslehre der Normalfall. Nur ein kleiner Prozentsatz, zirka 20 Prozent, schliesse die Matura am Gymnasium ab, sagte Tiziana König. Beides seien gleichwertige Ausbildungen. Zudem gebe es in der Schweiz viele Möglichkeiten auf der Erstausbildung aufzubauen. Die Asylsuchenden müssten sich also keine Sorgen machen, wenn sie nicht auf Anhieb das Gymnasium besuchen könnten oder ihre Traumlehrstelle bekämen. Der Schritt sei dafür für viele zu gross. «Wichtig ist es, einen ersten Abschluss vorweisen zu können. Auf dem lässt sich danach aufbauen.» So sei es später möglich, sich in die gewünschte Richtung weiterzubilden oder auch ein Studium zu absolvieren.

Unerlässlich seien jedoch, unabhängig von der angestrebten Ausbildung, gute Deutschkenntnisse, erklärte Tiziana König. Diese müssten für eine Lehre mindestens auf dem Niveau B1 oder B2 sein. Das entspricht ungefähr dem First Zertifikat in Englisch, das Maturanden nach ihrem Mittelschulabschluss vorweisen. Daneben seien auch mathematische Kenntnisse sowie eine gute Allgemeinbildung Voraussetzungen dafür, eine Lehrstelle zu finden. Für Asylsuchende gebe es die Möglichkeit, eine Vorlehre oder ein Praktikum zu machen, bis sie die Anforderungen für eine Lehrstelle erfüllten. Die Mitarbeitenden des BIZ könnten an Einzelberatungen oder Kurzgesprächen bei Fragen zur Berufswahl unterstützend wirken und den Asylsuchenden Möglichkeiten aufzeigen. «Aber auch wir haben nicht immer eine Lösung», sagte Tiziana König.

Asylstatus als weiteres Hindernis

Selbst wenn die sprachlichen Voraussetzungen erfüllt sind und das Bildungssystem verstanden wurde, sehen sich manche Asylsuchende mit einer weiteren Hürde konfrontiert. «Viele haben den Asylstatus N (Asylentscheid ausstehend). Sie dürfen keine Ausbildung absolvieren», sagte Sabine Bruni. Ein junger Afghane informierte sich über seine Möglichkeiten, als Mitarbeiter bei Securitas zu arbeiten. Enttäuscht musste er feststellen, dass dies für ihn ohne einen höheren Asylstatus nicht möglich ist. Trotzdem sei es wichtig nicht aufzugeben, mit Zwischenlösungen wie Integrationsklassen weiter an den Sprachkenntnissen zu arbeiten, um so mit einigen Zwischenschritten doch noch das angestrebte Ziel zu erreichen, betonte Sabine Bruni.

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