WIL: Die Betten beim Weiher bleiben

Ab Juni hat das Bed and Breakfast «Bett am Weiher» in der Wiler Altstadt neue Besitzer. Die Quereinsteiger Karin und Karl Zimmermann aus Eschlikon haben das Haus von der Familie Hirt gekauft, die seit vier Jahren ein B&B darin betreibt.

Chris Gilb
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Jaqueline Hirt (links) im Gespräch mit ihrer Nachfolgerin Karin Zimmermann. Vom Zimmer Nr. 2 sieht man auf den Wiler Stadtweier. (Bild: Chris Gilb)

Jaqueline Hirt (links) im Gespräch mit ihrer Nachfolgerin Karin Zimmermann. Vom Zimmer Nr. 2 sieht man auf den Wiler Stadtweier. (Bild: Chris Gilb)

WIL. Dass die Arbeit in einem Bed and Breakfast kein Zuckerschlecken ist, hat Karin Zimmermann letztens festgestellt, als sie Jaqueline Hirt an einem klassischen Arbeitsmorgen zur Hand gegangen ist. «Zum ersten Mal seit langem habe ich einen Mittagsschlaf benötigt», sagt die 47-Jährige. Zimmer für die nächsten Gäste richten und das Frühstücksbuffet aufbauen: auch in einem Bed and Breakfast (B&B) fällt Arbeit an, selbst wenn statt einer Rezeption ein Schlüsselkasten im Eingangsbereich ist, trotzdem freut sich Zimmermann auf die Herausforderung.

Ab 1. Juni sind sie und ihr Gatte Eigentümer des Hauses mitsamt B&B. Die Eschlikerin ist im Hauptberuf Immobilienmaklerin. «Meine Arbeit als Maklerin kann ich mir ziemlich flexibel einteilen. Gewisse Arbeiten im <Bett am Weiher>, wie Putz- und Reinigungsarbeiten, werde ich auch auslagern.» Mindestens eine Person fest einzustellen sei geplant. Als sie und ihr Mann Karl Zimmermann zur Besichtigung nach Wil kamen, hätten sie keinesfalls die Intention gehabt, ein B&B zu führen. So war es auch nicht ausgeschrieben. «Wir waren prinzipiell an dem Haus interessiert, als Anlage oder Perspektive für das Alter.» Immer wieder hätten sie nach einer solchen Altstadtimmobilie die Augen offen gehalten. Beim Haus an der Marktgasse 64 habe alles gestimmt.

Brandschutzauflagen schuld

Seit vier Jahren betreibt die bisherige Hauseigentümerin Jaqueline Hirt mit ihrem Ehemann Juan Carlos darin ein Bed and Breakfast, grosse Unterstützung war ihnen dabei ihre Tochter, eine Studentin, die nebenbei half und auch in einem Zimmer des Hauses wohnte. Doch jetzt will sie im Ausland weiterstudieren. «Wir wohnen in Kirchberg. Also kamen wir auf die Idee, den Dachstock auszubauen, um dort eine kleine Wohnung für uns und ein weiteres Zimmer für die Gäste einzurichten.» Denn gelaufen sei das «Bett am Weiher» immer gut. «Die Auslastung hat uns nie Schwierigkeiten bereitet.» Doch dann erhielten sie die Brandschutzauflagen für das Haus. «Entsprechend diesen Auflagen wäre der Umbau zu teuer geworden, am Schluss hätten wir die Kosten auf die Gäste umwälzen müssen. Ein B&B hat bezüglich der Zimmerpreise nach oben schnell Grenzen», sagt Hirt. Und ohne selbst darin zu wohnen, sei ihnen der Weiterbetrieb des Angebotes von Kirchberg aus zu aufwendig geworden. Und das gesamte Haus als Wohnbereich wäre den Hirts wiederum zu gross gewesen. Also haben sie es ausgeschrieben.

Mehr Bio und Region im Buffet

Als Karin Zimmermann und ihr Gatte das Haus besichtigten, waren sie überrascht, dass es darin ein B&B gibt. «Wir haben das nicht gewusst», sagt sie. Gefallen habe es ihnen aber sehr, auch der Gedanke, an einem schönen Ort wie der Altstadt Arbeitsplätze zu schaffen, habe ihnen zugesagt. Sie sehen kein Problem darin, das B&B von Eschlikon aus zu führen. «Ich habe mich schlaugemacht und unter anderem die gute Bewertung – eine 9,1 – von Gästen auf der Buchungsseite booking.com entdeckt.» Sie hätten sich gesagt, wieso nicht? Falls es nicht funktioniere, könnten sie die Zimmer immer noch klassisch vermieten. Ein Indikator, dass es nicht funktioniere, sehen sie im Verlust der Spitzennote. «Falls das B&B auf die Note 8,5 sinkt, hören wir auf.» Hirt interveniert: «Eine 8,5 ist immer noch gut.» Ausserdem habe die Benotung viel mit dem schönen Haus und dem Blick auf den Weiher und nicht mit ihrer Arbeit zu tun. Die beiden Frauen verstehen sich gut. Zimmermanns übernehmen das Hostel ab 1. Juni. «Beim Frühstücksbuffet werden wir stärker auf Bio und regionale Lebensmittel setzen», kündigt Karin Zimmermann an.