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WIL: Diabetes: Eine Krankheit, die bleibt

Immer mehr Menschen leiden unter der Zuckerkrankheit Diabetes: In der Schweiz sind es bereits eine halbe Million Personen. Der Weltdiabetestag am 14. November wird genutzt, um die Bevölkerung auf die Wohlstandskrankheit aufmerksam zu machen.
Jonas Manser
Mit Blutzuckermessungen lässt sich Diabetes früh entdecken, und es können Massnahmen eingeleitet werden. (Bild: Jonas Manser)

Mit Blutzuckermessungen lässt sich Diabetes früh entdecken, und es können Massnahmen eingeleitet werden. (Bild: Jonas Manser)

Jonas Manser

jonas.manser@wilerzeitung.ch

«Iss brav dein Gemüse und geh nach draussen spielen.» Was nach einer harmlosen Ermahnung an ein Kleinkind klingt, ist durchaus eine ernst zu nehmende Behandlungsmethode für die Wohlstandskrankheit Diabetes mellitus vom Typ II. Amputation, Herzinfarkt, Erblindung, Nervenschäden: Die moderne Gesellschaftskrankheit kann durchaus schwerwiegende Folgen haben. «Die Krankheit kann jahrelang unbemerkt bleiben, da ein Betroffener lange keine Symptome verspürt», sagt Rita Brändle, Diabetesfachberaterin am Spital Wil. Einmal erkrankt, müsse man damit den Rest seines Lebens umgehen. «Eine komplette Heilung ist nicht möglich», so Rita Brändle.

Umso wichtiger sind das Informieren, Sensibilisieren und eine bestmögliche Prävention. Dazu wurde im Jahr 1991 der 14. November offiziell zum Weltdiabetestag ernannt. Jeweils unter einem Motto – dieses Jahr heisst es «Frauen und Diabetes» – wird weltweit auf die Krankheit aufmerksam gemacht.

Zwei Typen der gleichen Krankheit

Diabetes mellitus, aus dem griechischen und lateinischen «honigsüsser Durchfluss», wurde nach dem Hauptsymptom der Krankheit benannt: Der zu hohe Zuckergehalt im Blut wird über den Urin ausgeschieden. Beim Diabetes wird zwischen zwei Haupttypen unterschieden. Diabetes Typ I kommt seltener vor und ist eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung. Das heisst, Antikörper im Blut zerstören insulinbildende Zellen. Die Patienten müssen mit Insulin behandelt werden. 90 Prozent der Diabetiker leiden jedoch unter Diabetes Typ II. An diesem Typ kann grundsätzlich jeder erkranken. Das Risiko kann jedoch jeder selbst beeinflussen. «Das Risiko ist um vieles höher bei ungesunder Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel», erklärt Magdalena Brunner, diplomierte Ernährungsberaterin am Spital Wil. Dies seien jedoch nicht die einzigen Faktoren, einige seien auch durch familiäre Vorbelastungen dazu prädestiniert. Eine weitere Form von Diabetes ist der sogenannte Schwangerschaftsdiabetes. Zirka fünf Prozent aller schwangeren Frauen sind davon betroffen. Dieser verschwindet wieder nach der Geburt des Kindes. Jedoch sind die Mütter in den nächsten zehn Jahren einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Diabetes Typ II zu bekommen.

Mit Disziplin der Krankheit Einhalt gebieten

Rita Brändle bezeichnet Diabetes auch als Disziplinkrankheit. Obwohl eine komplette Heilung nicht möglich sei, führen Behandlungen durchaus zu guten Ergebnissen. Man könne das Ausmass soweit in den Griff bekommen, dass das Spritzen von Insulin lange hinausgezögert werden könne, so Brändle.

«Das Spritzen wird so lange wie möglich unterlassen.» Die Reihenfolge einer Behandlung sehe vorerst Eigenmassnahmen wie mehr Bewegung oder eine Ernährungsumstellung vor. Erst wenn dies nicht die gewünschte Wirkung zeige, verschreiben sie Medikamente oder Insulin-Spritzen. «Die Eigenanstrengung ist am wichtigsten», sagt Brändle. «Es ist oft schwierig, dies den Betroffenen begreiflich zu machen, da die Krankheit an sich für eine sehr lange Zeit unbemerkt bleibt. Viele stellen sich die Frage: Wieso sollte man etwas unternehmen, wenn keine Symptome vorhanden sind?» Dies erschwere die Beratung und Behandlung der mit Diabetes diagnostizierten Personen, sind sich Rita Brändle und Magdalena Brunner einig.

Die Ursache der Krankheit liegt in der abgeschwächten Wirksamkeit des Insulins (siehe Zweittext). Es gelangt weniger Zucker in die Zellen, was einen erhöhten Blutzuckerspiegel zur Folge hat. Dies kann zu Spätfolgen an den verschiedensten Organen führen: Herz, Hirn, Augen, Nieren und Extremitäten. Da es sich dabei um einen langwierigen Prozess handelt, ist Diabetes nicht immer erkennbar. Zu den offensichtlichen Alarmzeichen gehören grosser Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Infektionsanfälligkeit. Um eine Erkrankung so gut wie möglich zu vermeiden, schlagen die Expertinnen des Spitals Wil folgende Punkte vor, die beachtet werden sollten: Ist mein Gewicht im Normbereich? Bewege ich mich genügend? Ist meine Ernährung ausgewogen? «Bei der Ernährung sollte darauf geachtet werden, dass jede Hauptmahlzeit aus drei Komponenten besteht: Gemüse, Stärkebeilage und Eiweisskomponente. Lebensmittel an der Spitze der Ernährungspyramide, wie Schokolade oder Chips, sollten nur massvoll genossen werden.»

Immer mehr, immer jünger

«Personen ab 50 Jahren trifft es häufiger», sagt Rita Brändle. Tendenziell werden die an Diabetes Erkrankten immer jünger – eine besorgniserregende Entwicklung. In der Schweiz gebe es vereinzelte Fälle von Schulkindern, die an Diabetes Typ II leiden. In anderen Ländern wie zum Beispiel Amerika, komme dies bereits häufiger vor. Die Zahl wird auf weltweit ungefähr 415 Millionen erkrankten Menschen geschätzt. Vor zehn Jahren waren es noch rund 250 Millionen. In der Schweiz sind es mittlerweile geschätzte 500000 Personen. Diese Zahlen seien jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Es sind wahrscheinlich einige mehr, als statistisch erfasst werden. Jährlich werden rund 15000 Personen damit diagnostiziert. «Im Spital Wil befinden sich jederzeit zwischen 3 und 15 Patienten, die zusätzlich zu der im Spital behandelten Krankheit oder Verletzung an Diabetes erkrankt sind», sagt Brändle. Die Fachberaterin sieht die Ursache im modernen Lebensstil. «Es ist eine moderne Krankheit, die auch bleiben wird», sagt Brändle. Umso wichtiger sei es, Beistand und Hilfestellung zu leisten, damit eine Krankheit vermieden werden kann und die Betroffenen lernen können, damit umzugehen.

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