Wil
Deutlich gewählt, obwohl umstritten: Der neue Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Zuzwil

Muss ein Pfarrer am Ort seines Wirkens ständig präsent sein? Eine deutliche Mehrheit der Stimmberechtigten der Evangelischen Kirchgemeinde fand «Nein» und wählte Marcel Wildi am Mittwochabend zum Pfarrer für Zuzwil.

Christof Lampart
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Der 53-jährigen Marcel Wildi wurde mit grossem Mehr zum Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Zuzwil gewählt. Er wird Anfang 2022 in einem 50-Prozent-Pensum die Nachfolge von Greet Egli in Zuzwil antreten.

Der 53-jährigen Marcel Wildi wurde mit grossem Mehr zum Pfarrer der Evangelischen Kirchgemeinde Zuzwil gewählt. Er wird Anfang 2022 in einem 50-Prozent-Pensum die Nachfolge von Greet Egli in Zuzwil antreten.

Bild: Christof Lampart

Knackpunkt für die Wahl des Buchser Pfarrers – welcher auch der Präsident der Synode der Kantonalkirche ist –, war nicht irgendeine theologische Ansicht oder die Höhe des vorgesehenen Anstellungspensums von 50 Prozent, sondern sein jetziger und auch zukünftiger Wohnort. Denn wie der 53-Jährige schon im Vorfeld der Kirchbürgerversammlung, die in der Kreuzkirche stattfand, offen mitgeteilt hatte, will er auch nach seinem Amtsantritt am 1. Januar 2022 im Rheintal wohnen bleiben und nach Zuzwil mit dem ÖV pendeln.

Einige Gläubige aus Züberwangen und Zuzwil machten deutlich, dass sie Wildi deshalb nicht wählen würden. Denn eine Beziehung zu den Menschen, die man seelsorgerisch betreue, lasse sich kaum aufbauen, wenn die Zeit, die jemand zwischen Wohn- und Arbeitsort pendeln müsse, an die vier Stunden oder mehr pro Tag betrage, monierte beispielsweise ein älterer Herr.

«Gott und die Menschen einander näherbringen»

Wildi entgegnete, dass er die Zeit im Zug nutzen könne, um zu arbeiten. Und die Zeiten, in denen Gläubige an der Tür des Pfarrershauses läuteten, um mit dem Dorfgeistlichen zu reden, seien schon lange vorbei. Stattdessen könne man heute, dank Internet und sozialen Medien, gezielt Termine abmachen, womit eine ständige Anwesenheit vor Ort nicht nötig sei, so Wildi.

Auch machte Wildi deutlich, für welche Werte er als Pfarrer stehe. Der Glaube sei schon immer «das Wichtigste in meinem Leben gewesen», bekannte er. Es liege ihm «viel daran», dass er «Gott und die Menschen einander näherbringen» könne. Dabei gehe er von der Bibel als Fundament aus, sei jedoch bezüglich Vermittlung «auch für neue Wege offen».

Die 75 Stimmberechtigten wählten Marcel Wildi mit grossem Mehr, bei je einer Handvoll Nein-Stimmen und Enthaltungen, zum Nachfolger von Pfarrerin Greet Egli, welche während 13 Jahren für den Kirchkreis Zuzwil-Züberwangen-Weieren zuständig war und im Sommer 2021 pensioniert wird.

Neben Wildi wurden drei neue Synodale ins Amt gewählt. Lukas Bachmann (18 Jahre, Kantonsschüler, Wil), Susanne Kern Boesch (56 Jahre, Ärztin, Wil) und Belinda Zünd (25 Jahre, Sachbearbeiterin Treuhand, Wilen) ersetzen ab dem 1. Juli 2021 Marlène Amann (Wil, seit 2014), Roman Rutz (Wil, seit 2016) und Marcel Schittli (Wilen, seit 2013) im kirchlichen Kantonalparlament.

Gestrichene Anlässe füllten Kasse

Positiv schloss die Rechnung 2020 ab, nämlich mit einem Überschuss von 282'775 Franken. Budgetiert war ursprünglich ein Fehlbetrag von 15'300 Franken. Laut Kirchenpflegerin Marlise Zünd war dies darauf zurückzuführen, dass zum einen die Steuereinnahmen leicht höher waren, insbesondere aber auch zahlreiche Kirchenanlässe pandemiebedingt abgesagt werden mussten.

Der Jahresgewinn wurde vom Souverän dem Eigenkapital zugeschrieben, das sich nun auf 678'000 Franken beläuft. Einstimmig gutgeheissen wurde das Budget 2021, dass bei einem Ertrag von 4'403’100 Franken und einem Aufwand von 4'483'100 Franken von einem Verlust von 80'000 Franken ausgeht.