WIL: Der Uraltspringer hebt ab

Der 70-Jährige Peter Roseney macht Dinge, die selbst für Jugendliche extrem anmuten. Ein Schweizer Filmemacher porträtiert ihn nun in seinem Werk.

Yves Weibel
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Der Turmspringer Peter Roseney erobert die Lüfte mit seiner Leidenschaft, dem Gleitschirmfliegen. (Bild: pd)

Der Turmspringer Peter Roseney erobert die Lüfte mit seiner Leidenschaft, dem Gleitschirmfliegen. (Bild: pd)

"Natürlich bin ich mutig, manchmal vielleicht schon fast blöd." In einem Alter, in dem andere auf dem Balkon sitzen und einen Aperitif geniessen, stürzt sich Peter Roseney von Bergen, Brücken und Plattformen. Er lernte einst "etwas Ähnliches" wie die heutigen Polymechaniker. Heute leitet er eine kleine Druckerei in Wil, fährt Ski und springt aus unglaublichen Höhen.

Mit 14 Jahren begann der gebürtige Wiener mit dem Turmspringen, und im Jahre 1967 wurde er österreichischer Meister vom Zehnmeterbrett. "Im Kunstspringen sprang man damals noch von Holzbrettern, und deshalb war es sehr schwer zu erlernen", sagt Roseney. Der Tausendsassa aus der österreichischen Hauptstadt erlebte einiges. Er arbeitete mit Lochkarten, als Trainer und ist zur Zeit Vizepräsident des Schwimmclubs St.Gallen. Den vitalen 70-Jährigen verschlug es mehr durch Zufall in die Äbtestadt, doch er geniesst es hier. Nach einem Leben, das viel zu erzählen bereithält, wird Roseney nun im Film "Aktiv ins Alter" porträtiert.

Peter Roseney. (Bild: pd)

Peter Roseney. (Bild: pd)

Der olympische Gedanke zählt

Der eingebürgerte Schweizer hat aber nicht genug. So startet er am 22. Juli wieder zur Ponte Brolla Cliff Diving Competition. Das erste Mal teilgenommen hat er vor 25 Jahren, als der Event ebenfalls seine Premiere feierte. Seither nimmt er, wenn möglich, jedes Jahr teil. Seine Erfolgsansprüche sind nicht allzu hoch: "Wahrscheinlich werde ich wieder Letzter. Im letzten Jahr ist mir das erstmals passiert. Es liegt jedoch nicht daran, dass ich nicht mehr so gut bin wie früher, vielmehr sind die Jungen immer besser geworden." Es gehe ihm vielmehr darum, dabei zu sein und Spass zu haben.

So ist er, als er mit einigen Gleitschirmfliegern in Tschechien war, an einer Brücke mit einer Plattform vorbeigekommen. Kurzerhand entschloss er sich, den Mitgereisten eine kleine Show zu bieten, und stürzte sich unter grossem Jubel der Anwesenden akrobatisch in die Tiefe. Im kurzen Video, das er davon zeigt, sieht man ihn nach dem Sprung lächelnd in den Felsen sitzen. Er mag es, dass die Leute Freude und manchmal gar Ehrfurcht zeigen, wenn er seine Sprünge zeigt. So auch letztes Jahr am Zürcherfest, als er brennend von einer 20 Meter hohen Plattform gesprungen ist.


Eine neue Faszination gefunden

Dem Thema Höhenangst begegnet er entspannt: "Wenn ich auf 20 Metern Höhe stehe und ich denke nur kurz daran zu fallen, dann habe ich Angst. Denn aus dieser Höhe zu fallen, täte nicht gut. Das tut dann weh. Aber wenn ich weiss, dass ich springe, macht mir die Höhe nichts aus."

Vor fünf Jahren hat der Pensionär, im stolzen Alter von 65, noch mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Dies mit der Begründung, dass er in der Pension auch noch etwas machen müsse. Eigentlich wollte er schon früher damit beginnen, doch die Ressourcen reichten nicht. Mittlerweile ist es zu einer Faszination geworden. Gerne denkt er an den Flug von Slowenien nach Italien zurück. Sechs Stunden war er bei diesem Flug in der Luft. Ein bisher nicht erreichtes Ziel sei es noch, mit dem Gleitschirm zum Silvretta-See zu kommen. Bisher waren jedoch die Bedingungen dafür nicht gegeben.

Auf die Frage, warum man das alles in diesem Alter noch macht, entgegnet er: "Es ist eine Faszination. Nur schon bei den ersten Metern kriegt man ein Kribbeln."

Der Fluglehrer war jedoch nicht immer begeistert vom Turmspringer. So sei er beispielsweise der Einzige, der in Sandalen springt. Roseney begründet die spezielle Schuhwahl beim Fliegen damit, dass er so das Verletzungsrisiko verringern würde. Tatsächlich hat er sich die einzige ernstere Verletzung zugezogen, als er mit Bergschuhen gesprungen ist. Man hat nie ausgelernt. Das ist ihm klar und wurde wieder bewusst, als er beispielsweise in einem Garten oder in in einem Kakteenfeld gelandet ist.

Auch durch Verletzungen nicht zu bremsen

Es sei sehr schön, dass er dies alles in seinem Alter noch tun könne. Von Verletzungen blieb das Multitalent aber nicht verschont. Verschiedenste kleinere, aber auch grössere Verletzungen, wie beispielsweise ein Bandscheibenvorfall, endeten aber immer glimpflich. "Einmal habe ich mir den Hals gebrochen. Das war jedoch nur auf einer Wiese. Es geschah beim Einwärmen im Arboner Freibad. Ich habe beim Absprung kurz zur Seite gesehen und vergessen, mich mit meinen Armen abzufangen, und bin dann senkrecht in den Boden gekracht." Dass alles glücklich verlaufen ist, da Roseney in diesem günstigen Winkel aufkam, hat es den Wirbel nicht verschoben. Anderenfalls hätte die Sache mit viel mehr als drei Monaten mit einer Halskrause enden können. Gut ein Jahr nach der Verletzung und deren Komplikationen trainierte der Unverwüstliche wieder und nahm nur einen Monat später am nächsten Wettkampf teil.

Weltpremiere in Wil

Der Film "Aktiv ins Alter" mit Peter Roseney wird von den Machern wie folgt beschrieben: "Eine packende Story von glühenden alten Eisen mit grauen Haaren, bei denen das normale Altwerden nur Nebensache ist. Aktivität ist Leben, Leben ist Leidenschaft, und Leidenschaft ist, das zu tun, was einen glücklich macht." Der Film feiert am 1. September um 20 Uhr in Wil Weltpremiere. (yvw)