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WIL: Der Papierberg schrumpft: Jugendorganisationen verlieren Einnahmen aus Altpapiersammlung an den ZAB

Seit diesem Jahr führen die Jubla der Gemeinde Kirchberg die Papiersammlung nicht mehr durch. Ein Einzelfall ist das nicht. Auch andere Gemeinden haben dies dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) übertragen – aus verschiedenen Gründen.
Es ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, wie die immer kleiner werdenden Altpapierstapel eingesammelt werden. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Es ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, wie die immer kleiner werdenden Altpapierstapel eingesammelt werden. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Die Jungwacht-/Blauringorganisationen Kirchberg und Bazenheid stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Hintergrund: Seit diesem Jahr erfolgt die traditionelle Papier- und Karton-Haussammlung in Kirchberg nicht mehr durch die Jugendorganisationen und die Schule von Gähwil. Neu übernimmt dies der ZAB. Dies entschied der Gemeinderat von Kirchberg auf Antrag des ZAB im vergangenen Herbst. Damit fällt den zwei Jugendorganisationen die wichtigste Einnahmequelle weg. Beide finanzierten sich praktisch ausschliesslich aus diesen Erträgen, heisst es auf der Homepage der Jungwacht Kirchberg. Es stellen sich zwei zentrale Fragen: Was ist der Grund für diesen Entscheid? Und: Ist das eine Ausnahme oder haben andere Gemeinden ähnlich entschieden?

Gemeinde Kirchberg: Sammlung wird optimiert

Im Mitteilungsblatt der Gemeinde Kirchberg heisst es unter anderem, die Sammlungen durch den ZAB sollten wirtschaftlich und ökologisch optimaler geführt werden. Gemäss der Jungwacht Kirchberg führt der ZAB an, dass dessen Personal bei den Sammlungen der Jugendorganisationen Zusatzstunden leisten müsse und dass die Sammlungen damit ohne die Jubla effizienter durchgeführt werden könnten. Claudio Bianculli, Vorsitzender der ZAB-Geschäftsleitung, präzisiert: «Durch die abnehmende Menge haben die spezifischen Kosten, das heisst Franken pro gesammelte Tonne, in den vergangenen Jahren zugenommen. Somit hatte die Sammeleffizienz abgenommen.»

In der Region Wil liegt die Papier- und Kartonsammlung seit längerer Zeit in der Kompetenz des ZAB. Nebst der traditionellen Sammlung durch Vereine oder Schulen mit Lieferwagen und anschliessend mit Mulden gibt es noch zwei weitere Modelle. Bei beiden ist ein Kehrichtwagen im Einsatz; beim einen stellt der ZAB das ganze Personal, beim anderen stellen Schulen und Vereine die Belader. «Gemeinsam ist allen drei Modellen, dass wir die Gemeinde mit 70 Franken pro gesammelter Tonne vergüten», sagt Claudio Bianculli. Diese könnten das Geld dann den beteiligten Partnern weitergeben.

Sicherheitsbedenken dort, kein Nachfolger hier

Kirchberg ist kein Einzelfall: Auch Lütisburg (2017) und Rickenbach (2016) haben eine Umstellung vorgenommen und lassen die Sammlungen seither direkt vom ZAB ausführen. Zuvor waren in beiden Gemeinden Schulen dafür zuständig. In Lütisburg lag es an Sicherheitsbedenken, wie Gemeindepräsidentin Imelda Stadler erklärt: «In der Vergangenheit gab es einige brenzlige Situationen, in denen wir Glück hatten, dass nichts Schlimmes passiert ist.» Sie betont: «Es muss nicht immer etwas passieren, bis man handelt. Wir möchten kein Risiko eingehen und unsere Verantwortung als Gemeinde wahrnehmen.» Brenzlige Situationen seien beispielsweise, dass Schüler unter ein Fahrzeug geraten oder in den Abladecontainer fallen könnten.

In Rickenbach dagegen spielten Sicherheitsbedenken beim Entscheid der Gemeinde keine Rolle – genauso wenig wie eine allfällige effizientere Sammlung. Der Grund war letztlich ein einfacher: «Als Heinrich Inhelder sein Pensionsalter erreichte, wollte kein anderer Lehrer der Oberstufe Rickenbach-Wilen die Verantwortung der Papiersammlung übernehmen», sagt Vize-Gemeindepräsident Norbert Rüthemann. Die Gemeinde hätte die Aufgabe gerne weiterhin bei der Schule gesehen: «In der Vergangenheit konnten sich Schüler so einen Batzen verdienen.»

Ausserdem sei damit auch das Bewusstsein geschärft worden, dass es wichtig sei, einen Beitrag für die Öffentlichkeit zu leisten. Auch Vereine seien infrage gekommen. An seinen Versammlungen hätte der Gemeinderat die Vereinspräsidenten oft informiert, Institutionen für diese Aufgabe zu suchen. «Doch es hat sich kein Verein gemeldet. Deshalb entschieden wir uns schliesslich für den ZAB.»

«Von einem Trend kann keine Rede sein»

Kann man nun von einem Trend sprechen? «Nein, davon kann keine Rede sein», sagt Claudio Bianculli. Der ZAB habe dies bereits in der Vergangenheit punktuell in einigen Gemeinden übernommen. Dies aufgrund der abnehmenden Papiermenge und Rekrutierungsprobleme seitens Vereinen und Schulen. Es gebe aber immer noch viele Gemeinden, in denen die Papier- und Kartonsammlung von Schulen oder Vereinen durchgeführt werde. «Es hängt letztlich davon ab, ob Motivation vorhanden ist beziehungsweise ob genug Leute dafür gefunden werden.»

Ein Trend ist trotzdem auszumachen: Bei den drei Gemeinden hat die Menge an gesammelten Papier in den vergangenen Jahren abgenommen. Es handle sich dabei um ein Branchenphänomen, erklärt Markus Tonner, Geschäftsleiter der Innorecycling AG aus Eschlikon. Er präzisiert: «Der Papierverbrauch pro Kopf ist zurückgegangen.» Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits würden die Menschen die Zeitung vermehrt digital lesen. Sie würden es anderseits schätzen, Papier und andere Dinge selbstständig an Sammelstellen zu entsorgen, wann sie möchten.

Die Gemeinde Kirchberg plant derweil, die Jugendwacht-/Blauringorganisationen durch eine andere Arbeitsleistung im Dienste der Öffentlichkeit zu entschädigen und damit in ihren Vereinsaktivitäten zu unterstützen. Zurzeit würden diesbezüglich Gespräche laufen, heisst es auf der Website der Jungwacht Kirchberg.

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