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WIL: Der neue Präsident des FC Wil will auf die Jungen setzen

Architekt Maurice Weber will den FC Wil auf Vordermann bringen. Das hehre Ziel des neuen Präsidenten: der Schweizer Ausbildungsverein schlechthin werden.
Simon Dudle
Nägel mit Köpfen machen im neuen FC Wil: Maurice Weber hat seit seinem Amtsantritt als Präsident schon für diverse Veränderungen gesorgt. (Bild: Sabrina Stübi)

Nägel mit Köpfen machen im neuen FC Wil: Maurice Weber hat seit seinem Amtsantritt als Präsident schon für diverse Veränderungen gesorgt. (Bild: Sabrina Stübi)

«Es waren zehn oder mehr Schrauben, an denen im Winter gedreht werden musste», sagt der neue FC-Wil-Präsident Maurice Weber. Es gilt, nach dem missglückten Engagement der türkischen Investoren das Schiff wieder vollends auf Kurs zu bringen. Dies ist mit einem neubesetzten Verwaltungsrat zu bewerkstelligen, da Weber nach den Rücktritten des langjährigen Präsidenten Roger Bigger und von Verwaltungsrat Christian Meuli als einziges bisheriges Mitglied im Gremium verblieben ist.



Mittlerweile ist Weber knapp 100 Tage im Amt. Der frische Wind, für welchen er gesorgt hat, ist deutlich zu spüren. «Wir haben alles hinterfragt und teilweise Tabula rasa gemacht», sagt Weber. Als erstes ging es darum, den neugewählten Verwaltungsrat zu organisieren. Mit Bettina Osterwalder, die sich um das Organisatorische kümmert, gehört erstmals in der Geschichte des FC Wil eine Frau der Führungsriege an. Marc-Aurel Weinmann unterstützt die Sponsoringaktivitäten, Artan Sadiku wirkt als Rechtsbeistand und Thomas Hen-gartner ist – zusammen mit Weber – für das Sportliche verantwortlich. Letztgenannte beiden Herren haben in der Winterpause ausgemistet, und 13 Spieler mussten gehen. Dass keiner von ihnen in den höchsten beiden Ligen des Landes Unterschlupf gefunden hat, zeigt, dass der Kader in der Hinrunde aufgebläht war. 33 Spieler gehörten dazu, also drei ganze Mannschaften. So erstaunte es nicht, dass diverse Spieler unzufrieden waren. Gekommen sind Talente aus dem Fundus des Ostschweizer Förderprogramms Future Champs Ostschweiz und als bekanntester Neuer Nick von Niederhäusern, der mit Vaduz über 50 Spiele in der Super League bestritten hat. Das Ergebnis lässt sich sehen: Die ersten vier Spiele dieses Jahres blieb der FC Wil unbesiegt, er hat zehn von zwölf möglichen Punkten geholt, das Tabellenende verlassen und ein Polster von sieben Punkten auf Schlusslicht Wohlen aufgebaut.

Für grosse Firmen gebaut

Das grösste und nachhaltigste Problem, welches die Türken hinterlassen haben, ist der Imageverlust in der Bevölkerung und bei den Sponsoren. Um diese kümmerten sich Investor Mehmet Nazif Günal und dessen Statthalter Abdullah Cila nicht, weshalb in den eineinhalb Jahren viel Vertrauen verloren gegangen ist. Dieses zurückzugewinnen, bedarf viel Zeit und Knochenarbeit. Ein Zuschauer-Durchschnitt von nur noch 900 Fans pro Heimspiel in der laufenden Saison unterstreicht dies – trotz so vieler Derbys wie noch nie.

Um neue Sponsoren zu generieren, wurde mit Adam Mechergui ein junger Marketingspezialist angestellt. Erste Massnahmen sind bereits umgesetzt. So tanzt nun ein Bären-Maskottchen namens Willy durch die IGP-Arena. Morgen in einer Woche wird beim Heimspiel gegen Aarau nicht nur Gratiseintritt auf den Stehplätzen gewährt, es findet auch eine grosse Aktion statt, zu der über 1000 Kinder kommen werden. Die Zusammenarbeit mit den umliegenden Fussballklubs soll gestärkt werden. Präsident Weber sagt: «Wir wollen der Bevölkerung beweisen, dass wir bodenständig sind und ehrliche Arbeit leisten. Nur so können wir das Vertrauen zurückgewinnen.»

Doch wer ist eigentlich Maurice Weber? Der 55-jährige Vater dreier Kinder hat vor 18 Jahren zusammen mit einem Geschäftspartner das Architektur- und Ingenieurbüro W+P Weber und Partner AG mit Hauptsitz in Wil gegründet. Mittlerweile arbeiten die rund 70 Angestellten auch in den Niederlassungen in Zürich und Bern. Die Firma hat sich auf Logistik und Industriebau spezialisiert. Als Planer und Generalplaner wird aktuell das neue Cargo-Umschlagterminal der Camion Transport in Lausanne errichtet. Webers Firma war genauso für die Realisierung des neuen Hawle-Gebäudes in Gloten wie auch für jenes von Swisstronic in Bronschhofen verantwortlich. Für Kühne + Nagel, DHL, Lidl, Nestlé, Swarovski, Jowa und Bell hat er ebenfalls Industriebauten geplant und realisiert. Das Mandat des FC-Wil-Präsidenten übt er in der Freizeit unentgeltlich aus.

Glückliche Augen als Lohn

Kein Zufall ist, dass mit Basil Stillhart und Enis Latifi derzeit auch zwei Spieler der Wiler Challenge-League-Mannschaft in Webers Firma Teilzeit angestellt sind. «Es ist wichtig, dass Profifussballer ein zweites Standbein haben. So werden sie dual ausgebildet und fallen nach der Karriere nicht in ein Loch», sagt Weber. Er bezeichnet den FC Wil als Familie und sieht sich als Förderer. Sein hehres Ziel ist, den FC Wil als den Schweizer Ausbildungsverein schlechthin zu positionieren. «Wenn man in junge Leute investiert, wird man erstaunt sein, was zurückkommt», sagt Weber. Einen Gewinn zu erzielen, ist nicht primäres Ziel. Auf einen monetären Lohn verzichtet Weber. Es dürfte so sein, dass der gelernte Mühlebauer als Hauptaktionär aus dem eigenen Sack Geld in den FC Wil einschiessen muss, um ihn über die Runden zu bringen. Über Geld spricht er nicht. Dafür sagt Weber: «Ich sehe meinen Benefit in den glücklichen Augen der Spieler. Wenn ich viele eigene Spieler im Team sehe, dann erfüllt mich das mit Stolz.»

Die aktuelle Situation präsentiert sich so, dass der FC Wil nach dem Beinahe-Kollaps vor einem Jahr finanziell noch nicht vollständig über den Berg ist und weiterhin um jeden Franken kämpfen muss. Details werden keine bekannt gegeben. Als kurzfristiges Ziel will Weber eine Mannschaft mit Perspektiven hinsichtlich der nächsten Saison aufbauen. Mittelfristig wird angestrebt, den Verein finanziell auf gesunde Beine zu stellen. Und dies «mit einem vernünftigen Budget». Wie hoch der Etat ist, wird nicht kommuniziert. Er sei in ähnlichem Rahmen wie bisher. Also dürfte es sich um einen Betrag zwischen 2,5 und 3 Millionen Franken handeln.

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