WIL: Das Unmögliche möglich machen

Der Film «Aktiv ins Alter» des Lütisburger Regisseurs Manuel Schweizer feierte am Freitag im Cinewil Weltpremiere. Diese entpuppte sich als ein Abend mit vielen Lachern und einigen nachdenklichen Momenten.

Christof Lampart
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Erwartungsfrohe Kinogänger nehmen vor der Weltpremiere von «Aktiv ins Alter» ihre Plätze ein. (Bild: Christof Lampart)

Erwartungsfrohe Kinogänger nehmen vor der Weltpremiere von «Aktiv ins Alter» ihre Plätze ein. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

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Irgendwie hatte man das Gefühl, als wäre man unvermittelt in eine grosse Senioren-Wandergruppe geraten. Nicht unangenehm, aber ein bisschen überraschend. Denn die Menge, die sich am Freitagabend im Cinewil tummelte, war – über alles gesehen, eher im Grosseltern- denn im Enkelalter. Und manchen war es anzuhören, dass sie in ihrer Freizeit nicht allzu ins Lichtspielhaus finden. Wie jene zwei Damen, die ihren Sitzplatz suchten. «Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben Popcorn gekauft», sagte eine, worauf die andere erwiderte: «Ja, man muss halt immer mal was Neues ausprobieren.»

Die Frage ist: Was bleibt?

Dieser Minidialog hätte auch so etwas wie das Motto des restlos ausverkauften Filmabends sein können. Wie sich die Protagonisten während 84 Minuten auf der Leinwand in ihre ganz persön­lichen Wagnisse und Abenteuer stürzten, wobei nicht alle glücklich endeten, verdiente Respekt und Bewunderung. Akrobatik mit 60, Gleitschirmfliegen, Klippenspringen mit 70, Triathlon mit 80, OL-Weltmeisterin mit 86, eine Leichtathletik-Karriere mit über 95 Jahren oder das virtuose Begleiten einer Ballettklasse am Klavier als 102-Jährige. Nichts ist unmöglich – man muss es nur mit ganzem Herzen tun und erreichen wollen.

Das betonte auch Regisseur Manuel Schweizer. «Am Ende eines Lebens fragt man sich: Was bleibt? Dann erinnert man sich vielleicht an ein paar Momente, die einem so wichtig waren, dass man sich für immer daran innert.» Die Einsicht, dass alles ein Ende habe, mache die totale Hingabe zu einer Passion noch wertvoller: «Das Leben zieht an uns vorbei; was uns bleibt, ist am Ende die Leidenschaft», so der 29-jährige Regisseur.

Im Alter die Chancen ergreifen

Es gehe darum, das anscheinend Unmögliche möglich zu machen – oder zumindest in dessen Reichweite zu kommen. Im Film schwingt ständig die Gefahr des Scheiterns der Protagonisten mit – doch es ist gerade die Unsicherheit, aus der diese ihre Kraft schöpfen. Es allen zeigen zu wollen, dass das Alter toll sein kann. Ein Charles Eugster hätte wohl als 20-Jähriger nie versucht, den 100-Meter-Weltrekord zu verbessern. Aber als er mit 95 anfing, systematisch auf die Verbesserung des 60-Meter-Weltrekordes in der Kategorie Ü95 hinzuarbeiten, war der Titel auf einmal in greifbarer Nähe. Aber nicht nur ihm selbst, sondern auch seiner Trainerin, Sylvia Gattiker, hat das Training mit «Herrn Eugster» eine Zukunftsperspektive eröffnet, wie sie nach dem Film verriet: «Ich werde demnächst in Zofingen das erste Schweizer Fitnessstudio für über 70-Jährige ­eröffnen. Es ist an der Zeit, dass sich an der Betrachtung des Alters etwas ändert, denn das Alter kann Spass machen!» Das meinte auch der mittlerweile über 70-jährige Peter, der von seinem Gleitschirm-Fluglehrer im Film öfters mit einem potenziellen Bruchpiloten verglichen wurde: «Fliegen tue ich so lange, wie ich noch starten kann; landen geht immer irgendwie auf dem Hintern.»

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