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WIL: Das Leid ist allgegenwärtig

Mit einem Passionsweg wollen die evangelische und katholische Kirche aufzeigen, wo in unserer Gesellschaft das Thema Leiden in Erscheinung tritt. Nur so könne ein Umdenken stattfinden und Leid gemindert werden.
Gianni Amstutz
Der evangelische Pfarrer Thomas Rau (links) und der katholische Diakon Franz Wagner an einer der Stationen des ökumenischen Passionswegs: Beim Bahnhofplatz begegnet die Gruppe dem Leid von Randständigen. (Bild: Gianni Amstutz)

Der evangelische Pfarrer Thomas Rau (links) und der katholische Diakon Franz Wagner an einer der Stationen des ökumenischen Passionswegs: Beim Bahnhofplatz begegnet die Gruppe dem Leid von Randständigen. (Bild: Gianni Amstutz)

Das Thema Leiden wird in unserer Gesellschaft gerne ausgeklammert», sagt Thomas Rau, Pfarrer der evangelischen Kirche Wil. Im christlichen Glauben hingegen spiele es speziell zur Osterzeit eine zentrale Rolle. Nun möchten die katholische und evangelische Kirche der Stadt gemeinsam auf das Leid in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. In einer modernen Interpretation des Kreuzwegs wird an sechs verschiedenen Orten in Wil alltägliches Leiden thematisiert.

«Es ist für uns ein Experiment», sagt Franz Wagner, Diakon der katholischen Kirchgemeinde. «Wir versuchen die Leidensgeschichte von Jesus, in Zusammenhang mit der heutigen Wirklichkeit zu bringen.» Damit soll auch ein neuer Zugang zur Kirche geschaffen werden. Glaube müsse nicht nur innerhalb der Kirchenmauern bei Gottesdiensten stattfinden, sagt Thomas Rau. Es sei der Versuch, die alte Tradition des Gehens und Betens einer modernen Interpretation zu unterziehen, stimmt ihm Wagner zu. Damit sollen auch Personen angesprochen werden, die dem christlichen Glauben fernstehen.

Vom Sozialamt bis zum Bahnhofplatz

Der ökumenische Passionsweg beginnt bei der Kreuzkirche und endet bei der Kirche St. Peter. Dazwischen werden Stationen, wie das Sozialamt, die Obere Bahnhofstrasse, das Alterszentrum Sonnenhof, der Caritasmarkt und der Bahnhofplatz besucht. Dabei gehe es nicht darum, Kritik zu üben. Das Sozialamt beispielsweise leiste hervorragende Arbeit. «Wir wollen vielmehr aufzeigen, dass Leiden allgegenwärtig ist», sagt Rau. Es sei wichtig, hinzuschauen und damit seine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen.

Die Passionsgeschichte sei dabei eine Art Spiegel der Leidensgeschichten in der Gesellschaft, erklärt Franz Wagner. Doch bei der biblischen Geschichte über Jesus bleibe es nicht beim Leiden und Tod, sondern finde seine Fortsetzung in der Auferstehung. Auch heutzutage müsse es das Ziel sein, einen Weg aus dem Leiden zu finden und Personen, die an den Rand der Gesellschaft verdrängt wurden, wieder zu integrieren. Das könne wohl nie zu 100 Prozent gelingen. Indem die Kirche das Leid thematisiere und sich auf ihre Werte zurückbesinne, könne sie aber einen wichtigen Beitrag leisten, ist Wagner überzeugt.

Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen

Was Wagner und Rau besonders freut, ist die Tatsache, dass der Passionsweg von beiden Kirchen zusammen erarbeitet wurde. Sowohl die bereits bestehenden ökumenischen Angebote als auch der erstmals stattfindende Passionsweg werde von den beiden Seelsorgeteams lückenlos getragen, sagt Thomas Rau. Der Entscheid zur gemeinsamen Organisation sei von der Mitarbeitenden der beiden Kirchen einstimmig gefällt worden. Solche Begegnungen der Kirchen seien wertvoll, weshalb Wagner und Rau dafür offen sind, künftig weitere Konfessionen für den Anlass einzubinden.

Hinweis

Der ökumenische Passionsweg am Freitag, 16. März, startet um 18 Uhr bei der Kreuzkirche. Im Anschluss gibt es für alle Teilnehmer eine Suppe in der Kirche St. Peter.

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