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WIL: «Das ist eine Alibiübung»

Wer auf öffentlichem Grund der Stadt Wil Tiere züchtet, braucht ab 2017 ein Zertifikat des Verbandes Kleintiere Schweiz. Tierschützer Erwin Kessler ist damit aber noch immer nicht zufrieden.
Simon Dudle
In der Kleintieranlage nahe der Kantonsschule Wil: Nächste Woche findet hier die Zertifizierung statt. (Bild: Simon Dudle)

In der Kleintieranlage nahe der Kantonsschule Wil: Nächste Woche findet hier die Zertifizierung statt. (Bild: Simon Dudle)

WIL. Es ist schweizweit ein Novum, dass eine Gemeinde Kleintierzüchter «zwingt», die Anlagen auf öffentlichem Boden betreiben, ein Zertifikat abzuschliessen. Mit dieser Bescheinigung soll in der Stadt Wil bezeugt werden, dass mehr gemacht wird als gesetzlich vorgeschrieben ist. Wer die Bescheinigung bis Ende Jahr nicht vorweisen kann, dem wird der Pachtvertrag gekündigt.

Diese Zertifizierung steht in Zusammenhang mit Tierschützer Erwin Kessler vom Verein gegen Tierfabriken (VgT), dem es sauer aufstösst, dass die Stadt die Kastenhaltung von Kaninchen auf ihrem Grund toleriert. Ende August hat er der Stadt eine Petition überreicht (Ausgabe von vorgestern). Er ist mit dieser Zertifizierung aber «überhaupt nicht zufrieden». Auch weiterhin sei Kastenhaltung und Tierquälerei möglich. «Das ist eine Alibiübung. Es bringt nichts, wenn Kaninchenzüchter bestätigen, dass etwas tiergerecht ist.» Für ihn ist das Thema damit noch nicht geklärt. «Wir geben dem neuen zuständigen Stadtrat nun etwas Zeit, werden dann der Sache aber nachgehen», sagt Kessler. Pikant: Beim neu gewählten Stadtrat handelt es sich um Daniel Stutz von den Grünen Prowil.

Erwin Kessler Tierschützer (Bild: Ralph Ribi)

Erwin Kessler Tierschützer (Bild: Ralph Ribi)

Vorstand wollte das eigene Zertifikat abschaffen

Anders sieht dies Gion Gross. Er ist bei Kleintiere Schweiz Kommissionspräsident der Zertifizierungen. Kesslers Vorwurf kontert er so: «Wir machen wesentlich mehr als das gesetzliche Minimum. Kaninchen bekommen zum Beispiel die doppelte Fläche und auch Rasen-Auslauf. Pro Quadratmeter dürfen es nur vier Hühner sein statt sieben.» Zum Vorwurf, dass Kaninchenzüchter Kaninchenzüchter kontrollieren, sagt er: «Der Fragebogen ist vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen abgesegnet. Für diese Arbeit braucht es Leute vom Fach.»

Diese Zertifizierung ist allerdings selbst in den eigenen Kreisen umstritten. Der Vorstand des Verbandes stellte an der diesjährigen Hauptversammlung den Antrag, das Zertifikat solle abgeschafft werden, da das Interesse an ihm zu klein sei. 90 Prozent der Mitglieder sprachen sich dann aber dafür aus, es sei beizubehalten, um einen Imageschaden zu verhindern. «Nun sind wir daran, das Label weiterzuentwickeln», sagt Gross, der Ehrenpräsident von Kleintiere Schweiz.

Verein übernimmt die Kosten

Am nächsten Dienstag hat Gross einen Termin in Wil. Er trifft in der Nähe der Kantonsschule auf die Pächter der dortigen Kleintieranlage. Zusammen mit zwei anderen Zertifizierern wird er die Situation unter die Lupe nehmen und dann über die Zertifikate entscheiden. Für die Kleintierzüchter fallen Kosten an: 100 Franken ist für die Bescheinigung zu berappen, wenn man eine Rasse Tiere hat. Jede weitere wird mit zusätzlichen 50 Franken in Rechnung gestellt. Muss umgebaut werden, entfallen die Kosten ebenfalls auf die Züchter. Allerdings hat man sich innerhalb des Ornithologischen Vereins Wil– ihm gehören Pächter der Anlage an – darauf geeinigt, die Kosten zu übernehmen.

Vereinspräsident Fabian Weibel findet die Zertifizierung eine gute Sache. «Das ist eine Chance, da wir von den Käfignormen her schon auf einem guten Stand sind. Wir bieten den Tieren viel mehr Platz als vom Gesetz vorgegeben. In einer Freiflug-Voliere könnten wir noch 300 oder 400 Vögel mehr aufnehmen», sagt Weibel.

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