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Angst um die Nachtruhe: Die einen müssen erleiden, was andere geniessen

Ein Restaurant in der Wiler Altstadt darf seine Gartenbeiz umplatzieren. Anwohner fürchten um ihren Schlaf.
Lara Wüest
Ab Frühling 2020 sollen Besucher des «Storchen» auf der anderen Strassenseite sitzen. (Bild: Lara Wüest)Ab Frühling 2020 sollen Besucher des «Storchen» auf der anderen Strassenseite sitzen. (Bild: Lara Wüest)
Die Wiler Altstadt ist ein sensibler Ort, wo die unterschiedlichsten Interessen aufeinanderprallen können. Dies bedarf eines guten Dialogs mit allen Beteiligten. (Bild: Hans Suter)Die Wiler Altstadt ist ein sensibler Ort, wo die unterschiedlichsten Interessen aufeinanderprallen können. Dies bedarf eines guten Dialogs mit allen Beteiligten. (Bild: Hans Suter)
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Angst um die Nachtruhe

Es ist ein Clinch, den es wohl schon fast so lange gibt, wie Städte selber und wie er heute in zahlreichen Altstädten ausgefochten wird: der Clinch um die Ruhe im Stadtzentrum. Die Anwohner stören sich am Lärm, verursacht durch Verkehr, Feiern und Gastronomiebetriebe. Die Gewerbler können ohne die Lärmverursacher, also ihre Gäste und Kunden, nicht überleben.

Einsprache erhoben

Auch in Wil ärgern sich manche Altstadtbewohner über zu viel Lärm. Das jüngste Beispiel: Der Wirt des Restaurants Storchen an der Kirchgasse, Rafael Bollhalder, möchte im nächsten Frühjahr seine Terrasse auf die gegenüberliegende Strassenseite verschieben. Etwas weiter in die Gasse hinein. Dort hat es mehr Platz für Tische, 20 Sitzplätze schweben Bollhalder vor. Die Hausbesitzerin des «Storchen» stellte für den Wirt deshalb bei der Stadt ein Gesuch für das geplante Gartenbeizli. Doch bei manchen Anwohnern kommt dieses Vorhaben nicht gut an. Zwei von ihnen erhoben Einsprache.

Angst vor dem Echo

Die Anwohner befürchten vor allem eines: mehr Lärm. «Es ist schon jetzt sehr laut hier durch die bestehenden Aussenterrassen der Beizen. Und am Wochenende finden häufig irgendwelche Feiern statt, das Aufräumen geht oft bis spät in die Nacht. Irgendwann muss ich auch einmal schlafen», sagt Marianne Gartmann. Sie ist eine der Einsprecherinnen und wohnt am oberen Ende der Kirchgasse. Durch die neue Terrasse weiter die Gasse hoch, glaubt sie, wird das Echo verstärkt. «Das ist wie eine Schlucht, es hallt enorm.» Gartmann wirft der Stadt zudem vor, dass sie ein öffentliches Grundstück willkürlich vermietet habe, ohne den Dialog mit den Anwohnern zu suchen.

Einsprache vom Stadtrat abgewiesen

Ihre Einsprache war jedoch vergeblich, die Stadt hat diese geprüft – und abgewiesen. Sie begründet: Die Nachtruhe der Anwohner könne mit den «zulässigen» Betriebszeiten gewahrt werden. Und da das Restaurant Storchen bereits jetzt über eine Gartenbeiz verfüge, falle die Verschiebung um ein paar Meter nicht ins Gewicht. Es sei nicht mit übermässigen Lärmimmissionen zu rechnen. Unter der Woche darf die Terrasse bis zehn Uhr abends und an den Freitagen und Samstagen bis Mitternacht geöffnet sein. Die Anwohner müssen also darauf vertrauen, dass sich der Wirt an diese Betriebszeiten hält.

Gegen diesen Entscheid der Stadt wollte Marianne Gartmann trotzdem nicht weiter vorgehen. Innerhalb von 14 Tagen hätte sie beim Kanton Rekurs erheben können. Doch das war ihr zu mühsam.

Die Situation aus der Sicht des Gastwirtes

Der Wirt Rafael Bollhalder dagegen ist froh, dass die Stadt die Einsprache abgewiesen hat. Bei ihm geht es nämlich um die Existenz. «Im Sommer setzt sich niemand nach drinnen. Mit den wenigen Sitzplätzen, die ich draussen derzeit habe, müsste ich dann jeweils zumachen, weil sich der Betrieb nicht lohnt.» Am liebsten hätte er deshalb die neue Terrasse zusammen mit der bestehenden geführt. Länger als die Betriebszeiten will er die Gartenbeiz aber nicht geöffnet lassen, wie er sagt. Allein schon deshalb, weil das rechtlich nicht erlaubt sei. Und: «Wir sind keine Bar. Auch an den Wochenenden bleiben die Leute selten länger als elf Uhr.» Und unter der Woche würden die meisten Gäste sogar nicht länger als bis neun Uhr bleiben. Zudem sei das Restaurant an zwei Tagen geschlossen. Lärm, glaubt Bollhalder, wird es nicht mehr geben als bisher. «Die neue Terrasse bietet zwar mehr Sitzplätze, aber es haben nicht mehr Personen Platz als auf der jetzigen Terrasse.» Derzeit gibt es an der Hausfassade aussen noch eine Bar, die der Wirt jeden Morgen auf- und jeden Abend wieder abbaut.

Das Mittelmass finden

Bisher sind die Sorgen der Anwohner erst Befürchtungen. Wie laut es durch die Verschiebung der Terrasse wirklich wird, zeigt sich im nächsten Sommer. Doch wie bei vielen Altstadtzwists prallen auch hier zwei Bedürfnisse aufeinander. Wessen Wunsch ist nun höher zu gewichten? So einfach sei das nicht, sagt Simon Lumpert. Er ist Präsident der Altstadtvereinigung Wil, einem Verein, der sich sowohl für die Anliegen der Bewohner als auch für diejenigen der Ladenbesitzer, Gastronomen und Besucher einsetzt. Lumpert sagt:

«Das Thema Lärm in der Altstadt ist ein heikler Balanceakt.»

Grundsätzlich gelte: Kein Extrem darf Überhand nehmen. «Jeden Samstag eine Hofchilbi würde zum Beispiel nicht gehen», sagt er. Zugleich müssten sich die Altstadtbewohner bewusst sein, dass sie am Nabel der Stadt lebten. «Da kann es auch einmal laut werden.» Grundsätzlich ist Lumpert der Ansicht, dass der Lärm vertretbar ist, wenn sich ein Restaurant an die Betriebszeiten hält. Er will versuchen, die beiden Parteien «an einen Tisch zu bringen».

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