Wil
Bevor es die Tonhalle gab: Im 19.Jahrhundert wurden Theaterinszenierungen in den Kapellen des Hofs aufgeführt

Zum stattlichen Baukomplex des Hof zu Wil gehören auch zwei ehemalige Sakralräume. Nach dem Ende der fürstäbtischen Herrschaft wurden sie zeitweise als Theaterlokale genutzt.

Adrian Zeller
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Blick in die ehemalige Dienerschaftskapelle, in der in den vergangenen Jahren immer wieder Ausstellungen stattfanden.

Blick in die ehemalige Dienerschaftskapelle, in der in den vergangenen Jahren immer wieder Ausstellungen stattfanden.

Bild: Ralph Ribi

Zum kulturellen Leben Wils gehört eine rund fünfhundertjährige Tradition von szenischen Aufführungen, oft mit musikalischer Begleitung. Ihre Ursprünge gehen auf die sogenannten geistlichen Spiele zurück. Gemäss der Wil-Kennerin und Historikerin Magdalen Bless-Grabher können sie ab ca. 1500 nachgewiesen werden. In den Kirchen oder auf ihrem Vorplatz vermittelten sie dem Publikum religiöse Inhalte als Spielszenen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die gewählten Stoffe weltlicher. Die Akteure präsentierten ihre Darbietungen unter anderem im damaligen Rathaus. Der 1505 errichtete Renaissancebau stand zwischen der Trinkstube zum Hartz und dem Baronenhaus. Wie der Wiler Chronist Karl Ehrat schreibt, wurden dort um die Fastnachtszeit 1851 die Stücke «Das Irrenhaus zu Dijon» sowie «Spion wider Willen» aufgeführt. 1854 wurde das Gebäude mit der Begründung von Baufälligkeit und unzureichenden Platzverhältnissen abgerissen.

Nach dem Rückbau dieser repräsentativen Liegenschaft wurde die ehemalige Dienerschaftskapelle im Hof zum Aufführungsort. So schreibt es der ehemalige Tonhalle-Leiter Benno Ruckstuhl in einer Jubiläumsschrift. 1868 war dort etwa das vaterländische Drama «Die Nonne von Wyl» des Wiler Dichters, Juristen und Politikers Carl Georg Jakob Sailer zu sehen.

Die Dienerschaftskapelle von aussen.

Die Dienerschaftskapelle von aussen.

Bild: Adrian Zeller

Primitive räumliche Verhältnisse

Zur Bühne wurden auch die ehemaligen Räume der Fürstäbte im dritten Obergeschoss des Hofes, mutmasslich mit Einbezug der ehemaligen Äbtekapelle. 1867 kamen dort «Zar und Zimmermann» sowie «Die beiden Peter» zur Aufführung. Die räumlichen Verhältnisse seien sehr primitiv gewesen, heisst es im zeitgenössischen Zeitungsbericht. Die Aufführungen wurden von der Theatergesellschaft, dem heutigen Musiktheater, sowie vom Männerchor Concordia getragen. Die Tonhalle, mittlerweile Hausbühne der Theatergesellschaft, wurde erst 1876 eröffnet.

Ein Blick in die Äbtekapelle im Hof zu Wil.

Ein Blick in die Äbtekapelle im Hof zu Wil.

Bild: Adrian Zeller

In jener Periode bestanden in Wil weitere Theaterensembles. Karl Ehrat erwähnt die «Harmonie-Companie» und die «Gesellschaft junger Herren». Im Weiteren berichtet er von sieben Studenten, die das Stück «Die Grafen von Toggenburg» präsentierten. Der Pädagoge Professor Schär seinerseits brachte 1833 mit den Schülern die «Beatushöhle» auf die Bühne. Wo diese Stücke in der Äbtestadt gespielt wurden, ist nicht bekannt.

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