WIL: Beständiges zu Neuem transformiert

Mit Alex Herzog stellt eine Persönlichkeit in der Kunsthalle Wil aus, die in ihrem Schaffen der Zeit grosses Gewicht beimisst, liegt doch in seinen «gemalten Skulpturen» die Prozesshaftigkeit seines Schaffens offen.
Christoph Lampart
Alex Herzogs «Supercharger» bildet das Herzstück der gegenwärtigen Ausstellung in der Kunsthalle Wil. (Bilder: Christof Lampart)

Alex Herzogs «Supercharger» bildet das Herzstück der gegenwärtigen Ausstellung in der Kunsthalle Wil. (Bilder: Christof Lampart)

Christoph Lampart

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Die Materialien, mit den Alex Herzog für seine Ausstellung «ZEIT_Stücke» gearbeitet hat, sind sehr archaisch. Denn Asche, Papier, Granit und Graphit sind alles Stoffe, deren Existenzen auf langsam (Holz) bis sehr, sehr langsam (Stein) gewachsenen, natürlichen Strukturen beruhen. Es sind also alles Ausgangsstoffe, die schon lange Bestand hatten, bevor Alex Herzog diese durch das Hinzufügen von zusätzlicher Zeit (Arbeitsprozess) zu etwas Neuem transformierte. Und somit den Faktor Zeit ersichtlich und letzten Endes ganz konkret für den Ausstellungsbesucher erlebbar macht. «Für mich ist es wichtig, dass die Zeit, welche die Umgestaltung von etwas in etwas Neues, in Anspruch nimmt, erfahrbar wird. Man soll die Kraft und den Aufwand spüren, welche diesen Arbeiten stecken», so Alex Herzog am Samstagabend bei der Vernissage.

Büttenpapier, das wie Metall wirkt

Schon beim Hauptwerk der Ausstellung, der Installation «Copy/ongoing…SuperCharger», deren Name wohl daher rührt, dass die Art des Aufhängens ein wenig an eine altertümliche Autobatterie erinnert, wird die Transformation der Zeit ersichtlich, hat doch der Künstler hier Büttenpapier mit Graphit und Leinöl so behandelt, dass das Papier als solches gar nicht mehr wahrgenommen wird. Vielmehr muten die hängenden Rechtecke wie Metallplatten an; dünne zwar, aber fest und «eisern». So kann man sich täuschen. Zugleich hat diese Kompaktheit des Werkes, das – im übertragenen Sinne wie Masse gewordene Zeit wirkt – auch etwas sehr Meditatives an sich. Als Betrachter kann man sich hinein versenken und den Unregelmässigkeiten im scheinbar Gleichförmigen nachspüren. Deutlich werden die Unterschiede, wenn ein Sonnenstrahl von draussen auf die Platten trifft und die Strukturen des geschliffenen Graphitauftrags zutage treten.

Eine gewisse Entrücktheit

Im oberen Stock der Kunsthalle sind acht mal zehn Papiere, allesamt gefaltet und mit Leinöl getränkt zu einem grossen Rechteck angeordnet. Auch hier ist die Anordnung der Objekte kompromisslos: das Material darf sich zwar selbst in einem gewissen Rahmen eine eigene, topographisch wirkende Struktur geben. Die Inszenierung folgt jedoch den klaren Vorgaben des Künstlers, was der schlichten Installation live einen gewissen Grad an Entrücktheit verleiht.

Von oben her Strukturen sehen

Bewusst mit Strukturen schaffen Herzogs «Archival Structures l». Dabei handelt es sich um Bodenarbeiten, die vorzugsweise von weit oben betrachtet werden. Dann fallen einem nicht nur die offensichtlichen gezeichneten und gemalten Abgrenzungen mit Graphitstift und Farbe auf, sondern auch die feinen Strukturen, die durchs sorgfältige Übereinanderlegen und Falten von Papier entstanden. Man gewinnt einen Eindruck, als blicke man vom Rand eines Canyons auf die felsigen Platten einer zugleich streng begrenzten Ebene. Dabei sind die Erhebungen in Tat und Wahrheit nur minimal, manchmal auch marginal. Jedoch in ihrer Aussage von grosser Beredsamkeit.

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