WIL: Behinderte Frau wegen Bombendrohung verurteilt

14 Monate unbedingte Haft: So lautete das Urteil des Kreisgerichts Wil. Die angeklagte Frau hatte zuerst eine Bombendrohung vom Handy ihres Ex-Freundes verschickt. Wenig später legte die 26-Jährige zwei Brände.

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Die mehrfach behinderte Frau – sie leidet an einer psychischen Störung, welche mit einer Lern- und einer starken Hörbehinderung einhergeht – machte vor Gericht einen gefassten Eindruck – auch wenn nicht klar war und wurde, was sie überhaupt hörte und verstand. Kommt erschwerend hinzu, dass sie nur mit den engsten Familienmitgliedern spricht, wobei das – ihr Vater «dolmetschte» mit Gesten und Worten zwischen ihr und dem Gericht – auf Aussenstehende mal einleuchtend, mal irritierend wirkte. Die 26-Jährige war der falschen Anschuldigung, des falschen Alarms, der Brandstiftung, der versuchten Brandstiftung und der Nötigung angeklagt. Dies deshalb, weil sie im Juni 2016 per SMS eine Bombendrohung an die Rega verschickte. Dies tat sie mit dem Handy ihres Ex-Freundes, der wenige Tage zuvor mit ihr Schluss gemacht hatte – und unterschrieb mit dessen Initialen. «Ich bin verrückt gewesen», erklärte sie vor Gericht. Dann, im Oktober 2016, legte sie zuerst in ihrem Zimmer, später dann in der Isolierzelle einen Brand. Sie sei traurig gewesen, da ihre Zimmernachbarin am nächsten Morgen die Klinik habe verlassen können: «Ich wollte mich umbringen.»

Willentlich und wissentlich gehandelt

Die Staatsanwältin räumte ein, dass die Frau aufgrund ihrer Behinderung mit Drucksituationen nicht adäquat umgehen könne. Nichtsdestotrotz habe sie die Handlungen – auch wenn sie die Folgen nicht habe abschätzen können – willentlich und wissentlich begangen. Sei es, um dem Ex eins auszuwischen oder um ihrer Verzweiflung über den bevorstehenden Verlust ihrer Freundin Ausdruck zu verleihen.

Das Gericht sprach die Angeklagte in vier Punkten schuldig, jedoch vom Vorwurf der Nötigung frei und verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Diese wird zugunsten einer stationären Massnahme – die Angeklagte befindet sich gegenwärtig in der Psychiatrischen Klinik Wil – aufgeschoben. Zudem muss sie die Verfahrenskosten von knapp 28000 Franken tragen. Die Zivilforderungen von nahezu 8500 Franken wurden auf den Zivilweg verwiesen. Sowohl die Verteidigung als auch die Anklage hatten zuvor die Therapierfähigkeit der Angeklagten bejaht. In ihrem Schlusswort, das die Frau wie so manches in den Laptop eintippte, bereute sie das Geschehene: «Es tut mir leid. Entschuldigung. Das mache ich nie mehr.»

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch