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WIL: Bahnhof Wil im Thurgau geplant

Schon seit über 160 Jahren verkehren in der Äbtestadt regelmässig Züge. Hätte man die Schienen bei der Errichtung möglichst direkt Richtung St. Gallen verlegt, wäre der Bahnhof im Wilener Lerchenfeld zu liegen gekommen. Der Umweg hatte seinen Preis.
Simon Dudle
Der Wiler Bahnhof – hier eine Aufnahme von Mitte des vergangenen Jahrhunderts – hätte ursprünglich im Wilener Lerchenfeld gebaut werden sollen. (Bilder: PD)

Der Wiler Bahnhof – hier eine Aufnahme von Mitte des vergangenen Jahrhunderts – hätte ursprünglich im Wilener Lerchenfeld gebaut werden sollen. (Bilder: PD)

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Heute zählt auf dem Schienennetz jede Minute, ja jede Sekunde. Das vordringliche Ziel ist, mit dem öffentlichen Verkehr in weniger als einer Stunde von Zürich nach St. Gallen zu gelangen. Derzeit benötigt der schnellste Zug, der St. Galler Sprinter, genau 62 Minuten. Bei der Streckenanalyse fällt auf, dass die Gleise in Fahrtrichtung St. Gallen vor Wil nicht den direktesten Weg Richtung Kantonshauptstadt nehmen. Somit geht Zeit verloren. Die zusätzlichen Meter erkauften sich die Wiler im Jahr 1852 für 80000 Franken.

Bereits im Jahr 1847 hatte die Nordostbahngesellschaft auf der Strecke zwischen Baden und Zürich die erste Schweizer Bahnlinie, die «Spanisch Brötlibahn», eröffnet. Auch in der Ostschweiz wurde das Bedürfnis nach einer Bahnverbindung geweckt. Die SBB gab es zu jener Zeit noch nicht und das Eisenbahngesetz von Juli 1852 überliess die weiteren Bahnbauten Privatgesellschaften. Die st. gallisch-appenzellische Bahngesellschaft war zu jener Zeit daran, eine Bahnstrecke von Winterthur über Wil und St. Gallen und Rorschach zu planen. Sie gelangte auch an die Politische Gemeinde Wil mit der Frage, ob diese sich an der Strecke beteiligen wolle.

Erst in Uzwil ein nächster Bahnhof

Der Wiler Gemeinderat unterbreitete den Stimmbürgern am 18. April 1852 an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung ein Gutachten. In diesem steht, dass die Strecke Wil–Rorschach errichtet werden soll, um somit eine ähnliche Linie von Frauenfeld nach Romanshorn zu verhindern. Die Verkehrs-, Gewerbs- und Industrieverhältnisse der Kantone St. Gallen und Appenzell sollten so gerettet werden. Aus Wiler Sicht war die Bahn wichtig, um den Markt und die Vermögensverhältnisse zu wahren.

In der Abstimmung wurde den Stimmbürgern die Frage gestellt, ob Wil Bahnaktien im Wert von 30000 Franken zeichnen solle. Die Wiler stellten zwei Bedingungen. Erstens: Zwischen Wil und Oberuzwil wird kein zusätzlicher Bahnhof errichtet. Zweitens: Der Bahnhof Wil darf höchstens 1000 Fuss – also rund 300 Meter – von der Kirche St. Peter entfernt liegen. Dies ist insofern interessant, als dass die Bahnstrecke ­ursprünglich ohne Umweg auf Wilener Gebiet hätte verlaufen sollen und der Bahnhof Wil im Gebiet «Lerchenfeld» vorgesehen war. Die Anträge wurden einstimmig angenommen.

Die Wiler Ortsgemeinde beteiligte sich ebenfalls

Noch am gleichen Tag fand eine ausserordentliche Bürgerversammlung der Ortsgemeinde Wil statt. Auch bei dieser wurde das Gutachten im gleichen Wortlaut vorgelegt und ebenfalls angenommen. Da jenes Gremium Aktien im Wert von 50000 Franken zeichnete, kam gesamthaft ein Betrag von 80000 Franken zusammen. Gut drei Jahre später, am 14. Oktober 1855, fuhr bereits der erste Eisenbahnzug in Wil ein. Am 24. März 1856 wurde schliesslich die ganze Linie Winterthur–Wil–St. Gallen–Rorschach feierlich eröffnet.

Es folgten später drei weitere Linien: jene nach Frauenfeld, nach Weinfelden und ins Toggenburg. Mehr dazu im zweiten Teil dieser Serie.

Hinweis

Diese und weitere Infos sind an der Ausstellung «Die Eisenbahn kommt – Wil und seine Bahnlinien» unter der Leitung von Stadtarchivar Werner Warth im Hof zu Wil zu sehen. Die Öffnungszeiten sind jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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