WIL: «Autofrei ist nicht mehrheitsfähig»

Der Vorstand der Altstadtvereinigung ist erstaunt. Wider Erwarten hat das Parlament beschlossen, als Zielformulierung eine autofreie Altstadt ins Altstadtleitbild einfliessen zu lassen. Nun liegt eine neue Umfrage vor.

Hans Suter
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Die Mehrheit der Altstadtbewohner und Gewerbetreibenden will nicht, dass die Wiler Altstadt autofrei wird. (Bild: Hans Suter)

Die Mehrheit der Altstadtbewohner und Gewerbetreibenden will nicht, dass die Wiler Altstadt autofrei wird. (Bild: Hans Suter)

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

«Aus unserer Sicht hat sich die partizipative Erarbeitung des neuen Altstadtleitbildes bewährt», sagt Simon Lumpert, Präsident der Wiler Altstadtvereinigung. Wer Substanzielles zu sagen hatte, war zur Mitwirkung am neuen Altstadtleitbild eingeladen. Dennoch kommt es nun anders, als es in der Vorbereitung besprochen worden war und breite Abstützung gefunden hatte. Die SP-Fraktion stellte am 31. August an der Sitzung des Stadtparlaments den Antrag, dass eine «autofreie Altstadt» als Zielformulierung ins neue Altstadtleitbild einfliessen soll. «Wenn nicht jetzt, dann nie», lautete der Tenor bei der SP. Die etwas überraschte Fraktion der Grünen Prowil hat den Antrag unterstützt, sich aber eine Mitwirkung ausbedungen. Die beantragte Zielformulierung wurde schliesslich mit 17:19 Stimmen angenommen und fliesst somit in das neue Altstadtleitbild ein. Auch wenn diese Abstimmung keine Verbindlichkeit zur Umsetzung einer autofreien Altstadt darstellt, ist man bei der Altstadtvereinigung erstaunt. «Die partizipative Erarbeitung wurde vielfach gelobt und hat sich auch aus Sicht des Vorstandes der Altstadtvereinigung bewährt», sagt Simon Lumpert. Vor diesem Hintergrund sei der Vorstand sehr überrascht, dass an der Parlamentssitzung dieser Antrag gestellt worden sei. «Gerade beim Punkt Verkehr/Parkplätze hat die Umfrage zum Leitbildentwurf im Jahr 2016 klar gezeigt, dass aktuell eine autofreie Altstadt bei den Mitgliedern der Altstadtvereinigung nicht mehrheitsfähig ist.» Nach dem Parlamentsentscheid hat der Vorstand der Altstadtvereinigung sogleich eine neue Umfrage unter den Mitgliedern lanciert. Die Resultate sind zwar nicht repräsentativ, zeigen aber in eine klare Richtung: «Ein Viertel ist für eine autofreie Altstadt, drei Viertel sind dagegen», sagt Simon Lumpert. Bei der Umfrage 2016 war es ein Drittel zu zwei Drittel. Die Ablehnung einer autofreien Altstadt ist demnach tendenziell grösser geworden.

Topografische Lage nicht unterschätzen

Wie soll es nun weitergehen? «Wir werden vermutlich in dieser Woche den Umfrageteilnehmenden ein erstes Feedback geben und gegen Ende Oktober zuhanden von Stadtrat, Parteien und Fraktionen eine Stellungnahme abgeben», sagt Simon Lumpert. Wie viele, insbesondere auch Gewerbetreibende in der Altstadt, ist Lumpert überzeugt, dass alleine die topografische Lage der Altstadt mit ihrem nicht zu unterschätzenden Gefälle eine Mindestzahl an Parkplätzen nötig macht. Dies sowohl für die Kunden der verschiedensten Betriebe in der Altstadt als auch für die Bewohnerinnen und Bewohner dieses historisch bedeutsamen Teils der Stadt Wil.