WIL: Auffrischung im Untergrund

Der grosse Gewölbekeller im «blauen Haus» an der Kirchgasse bekommt einen neuen Anstrich. Heute als Ausstellungsraum der Hans Späti AG genutzt, diente er früher als städtisches Magazin für Wein und Früchte.

Ursula Ammann
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Maler Patrick Egli und Liegenschaftsbesitzer Alex Häne . (Bilder: Ursula Ammann)

Maler Patrick Egli und Liegenschaftsbesitzer Alex Häne . (Bilder: Ursula Ammann)

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

Tische, Stühle und Lampen schlummern gut geschützt unter einer Schicht Abdeckmaterial. In der Ecke steht eine Leiter, es riecht nach Farbe. Im Gewölbekeller an der Kirchgasse wird ­gearbeitet. In zwei Wochen erstrahlt der Raum in neuem Glanz und kann seine bisherige Funktion wieder aufnehmen – als Ausstellungsraum für Einrichtungsgegenstände der Hans Späti AG.

Nicht nur seiner Nutzung ­wegen ist der Keller ein eher ungewöhnlicher, sondern auch aufgrund seines Überbaus. Er gehört zu einem Haus mit einer reichen Geschichte. Man nenne es schlicht und einfach «das blaue Haus», sagt Liegenschaftsbesitzer Alex Häne. An jener Stelle, an der es steht, zerstörte am Weihnachtstag 1744 ein Feuer drei Häuser (Benno Ruckstuhl, die Altstadt von Wil). Nur wenige Jahre später, zwischen 1948 und 1950, entstand in dieser Lücke ein grosser Neubau, der durch seinen barocken Stil ziemlich aus dem Rahmen tanzt. Auffällig ist auch der blaue Anstrich, der 1975 angebracht wurde. Das Haus gilt deshalb auch als vorwitziges «enfant terrible» der Altstadt. Alex Häne hat die Liegenschaft vor ­genau fünf Jahren gekauft und diese 2015 unter Einbezug der Denkmalpflege einer Gesamtsanierung unterziehen lassen. Nur der Keller blieb bisher unberührt. Das soll sich jetzt ändern.

Unterschiedlichste Nutzungen

Unter dem Gewölbe, dessen höchster Punkt sich rund sechs Meter ab Boden befindet, setzt Maler Patrick Egli den Pinsel an. Die Wände sind übersät mit Stellen, an denen der frühere Verputz abgeblättert ist. Grund ist eine Kombination aus Salzen und Feuchtigkeit, die unter dem Anstrich zu Ansammlungen führte und diesen zum Aufplatzen brachte. Ziel sei es nun, die Wände mit einem porösen Anstrich zu versehen, sagt Patrick Egli. Dieser ermögliche, dass das Salz austreten könne und so keine Schäden verursache. Gestrichen wird überall, auch an der Decke. Aufgrund ihrer Höhe kommen Teleskopstäbe zum Einsatz, an denen der Maler den Pinsel befestigt. Auf diese Weise ist es ihm ­möglich, alles vom Boden aus zu streichen.

Mit dem Anstrich werde auch verhindert, dass zu viel Feuchtigkeit durch die Wände dringe, sagt Alex Häne. «Etwas, das früher durchaus gewünscht war», ergänzt er. Denn der Keller an der Kirchgasse 5 diente einst als städtisches Magazin für Wein und Früchte. Da erfordern die Möbel, die heute darin ausgestellt sind, ein ganz anderes Klima.

Diese unterschiedlichen Nutzungen sind auch für das «blaue Haus» an sich charakteristisch. Es beherbergte einst das Büro des Architekten Stiefel. Diesen habe man nur den «Riegel Otto» genannt, weil er ein Verfechter des sichtbaren Fachwerks gewesen sei, sagt Alex Häne. Heute sind im Gebäude Wohnungen untergebracht. Das einzige Geschäft, das sich noch im «blauen Haus» befindet, ist die Hans Späti AG. Und dies bereits seit den 1970er- Jahren. In den 1960er-Jahren war dort noch ein Waschsalon beherbergt und gleich nebenan das Büro des ehemaligen Stadtpolizisten Dönni.