WIL: Als Miniatur eine Sehenswürdigkeit

Wer der Wiler Altstadt keine Wertschätzung entgegenbringt, der sollte einfach einmal in die Tessiner Gemeinde Melide geschickt werden. Dort, wo der Zug den Luganersee auf dem Weg nach Chiasso überquert, liegt das Swissminiatur.

Chris Gilb
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Die Nachbildung des Wiler Hofplatzes im Swissminiatur. (Bild: Chris Gilb)

Die Nachbildung des Wiler Hofplatzes im Swissminiatur. (Bild: Chris Gilb)

Wer der Wiler Altstadt keine Wertschätzung entgegenbringt, der sollte einfach einmal in die Tessiner Gemeinde Melide geschickt werden. Dort, wo der Zug den Luganersee auf dem Weg nach Chiasso überquert, liegt das Swissminiatur. Im Verhältnis 1:25 sind darin die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes nachgebaut. Zwischen Nachbauten von weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Gebäuden wie dem Schloss Chillon bei Montreux oder dem Bundeshaus in Bern steht seit Mitte des Jahres 2012 eine Nachbildung des Hofplatzes in der Wiler Altstadt.

Es ist die Miniatur mit der Nummer 66 – eine, die auffällt und auf die Touristen einen mindestens genauso starken Eindruck macht wie die Burgen aus dem Kanton Waadt in der Nachbarschaft. Während von anderen Städten wie beispielsweise Solothurn lediglich Elemente nachgebildet sind wie ein einzelnes Tor, wirkt die Wiler Miniatur mit dem Baronenhaus, dem Hof und den Altstadtgassen als Ganzes pompös und mächtig, mächtiger als in der Realität. Denn in Natura geht diese Ballung an Sehenswürdigkeiten etwas verloren. Wer als Auswärtiger am Bahnhof in Wil eintrifft, vermutet nicht auf Anhieb, was sich auf der Anhöhe verbirgt. Im Gegensatz zu einem Schloss oder einer Burg, die meistens frei auf weiter Flur stehen und aus jeder Himmelsrichtung gleich erkannt werden.

Dies ist vielleicht der Grund, dass über den Hofplatz weniger fotografierende Touristengruppen laufen als vor ebenbürtigen Sehenswürdigkeiten im Land. Im Swissminiatur jedenfalls erhält die Wiler Altstadt die Wertschätzung, die ihr als der wohl am besten erhaltenen Altstadt der Ostschweiz gebührt, von Touristen und wahrscheinlich auch von Wilern selbst. Nicht nur, weil sie wohl nirgends häufiger fotografiert wird.

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