WIL: «Alles im Leben ist vergänglich»

Am 1. September um 20 Uhr wird im Cinewil der Dokumentarfilm «Aktiv ins Alter» als Weltpremiere gezeigt. Regisseur ist der Lütisburger Manuel Schweizer. Er erfüllt sich seinen Traum vom eigenen Kinofilm. Drei Hauptdarsteller leben und wirken in der Region.

Delia Hug
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Charles Eugster (97), Sprinter (von links), Fredi Lehmann (59), Akrobat, Peter Roseney (70), Wasserspringer und Gleitschirmpilot, Verena Harzen­moser (86), Orientierungsläuferin und Sigi Amrein (80), Triathlet. (Bild: PD)

Charles Eugster (97), Sprinter (von links), Fredi Lehmann (59), Akrobat, Peter Roseney (70), Wasserspringer und Gleitschirmpilot, Verena Harzen­moser (86), Orientierungsläuferin und Sigi Amrein (80), Triathlet. (Bild: PD)

Delia Hug

delia.hug@toggenburgmedien.ch

Verena Harzenmoser ist Orientierungsläuferin und seit kurzem Darstellerin im Kinofilm «Aktiv ins Alter», der am 1. September in Wil Premiere feiert. Entscheidend dabei: Verena Harzenmoser ist 86 Jahre alt und damit nicht mal die älteste der insgesamt fünf Protagonisten. Für den Regisseur Manuel Schweizer sind sie Helden des Alltags. «Sie zeigen mir: Wer aktiv durchs Leben geht, der lebt wahrhaftig und ist glücklich», sagt Schweizer. Eindrucksvoll beweisen die noch glühenden älteren Eisen, dass es niemals zu spät ist, etwas zu lernen und zu leisten. Während drei Jahren begleitete Schweizer die Darsteller bei ihrer Leidenschaft. Sei dies den Sprinter Charles Eugster (97) auf der Rennbahn, den Wiler Peter Roseney (70) in der Luft, Verena Harzenmoser im Wald, den Niederuziler Fredi Lehmann (59) in der Turnhalle oder den Wiler Sigi Amrein (80) im Wasser. Schweizer war bemüht, möglichst viele Nahaufnahmen der Darsteller zu drehen. Die Leidenschaft und Emotionen sollen sich förmlich von der Leinwand auf den Zuschauer übertragen.

Die Inspiration zum Film kam im Freibad

Als Manuel Schweizer im Freibad zwei ältere Herren auf dem Sprungturm sah, war dies der springende Punkt zur Idee des Films. «Als offener Mensch fing ich mit den Männern an zu plaudern. Sie haben mich gleich fasziniert», erinnert sich Schweizer an den Moment im Herbst 2014. Der begeisterte Sportler wollte genau solchen aktiven Menschen im hohen Alter eine Plattform bieten, ihre Leidenschaft zu zeigen. «Ich sehe im Internet so viele sinnlose Videos von jungen Menschen», sagt der 30-Jährige. Mit dem 84-minütigen Dokumentarfilm will er zeigen, was man erreichen kann, wenn man das Leben aktiv erlebt. Sport erschien ihm als geeignetstes Mittel, die positiven Auswirkungen aufzuzeigen. Im Winter 2015 schrieb er das Drehbuch und begann in den folgenden Monaten mit den Dreharbeiten. Unter zehn Protagonisten pickte er sich die authentischsten heraus. «Ich wollte keine Selbstdarsteller. Obwohl es, wie bei Verena Harzenmoser, einiges an Überzeugungskraft benötigte, dass sich alle fünf vor die Kamera stellten», erklärt Schweizer. Er drehte rund zwei Wochen mit jedem Darsteller.

Nicht immer lief alles nach Drehbuch

Auch wenn alle Aktivitäten der Darsteller Manuel Schweizer sehr vertraut waren, brachte das Filmen unbekannte Herausforderungen mit sich. «An Wettkämpfen, wie bei Triathlet Sigi, positionierte ich mich alleine mit drei Kameras, um seinen Zieleinlauf nicht zu verpassen», sagt der Regisseur. Beim Fliegen mit dem Gleitschirmpiloten Peter habe er drei eigens kreierte Kamerakon-struktionen befestigt. Zuvor mussten diese von seinen Kollegen getestet werden. Manuel Schweizers erste Eigenproduktion entpuppte sich auch zu Lehrstunden für sein Leben. Ihm wurde mehr und mehr bewusst, wie vergänglich alles im Leben ist und dass die Zeit unaufhaltbar ist. Leben bedeutet für ihn, das zu tun, was einen glücklich macht, und sich vom Leben überraschen zu lassen. «Hinzu kommt, dass ich fünf wunder­volle Freunde dazugewonnen habe», zeigt sich der Lütisburger glücklich. Mit Verena Harzenmoser habe er sogar wieder begonnen, Briefe von Hand zu schreiben. «Oder einmal stand ich dreieinhalb Stunden am Ziel und wartete auf einen der Athleten», erinnert sich Schweizer. Denn wie das Leben, so ist auch ein Dokumentarfilm nicht exakt planbar. In diesem Film steckt viel Ostschweiz, drei der fünf Akteure kommen aus dem Raum St. Gallen. Gedreht wurde zwar in der ganzen Schweiz und in Grossbritannien, doch vorwiegend in der Ostschweiz. Besonders schön für den Lütisburger waren Aufnahmen an vertrauten Schauplätzen im Toggenburg. An der Premiere werden viele Beteiligte anwesend sein. Die Auffüh­rungsorte sind häufig auch die Wohnorte der Darsteller. Leider ist Charles Eugster im April verstorben, zwei Tage nach einem Lauf in London.

Weitere Informationen unter: www.aktivinsalter.com