Wil
70-Millionen-Projekt vor letzter Hürde: Baugesuch für Überbauung des Landhausareals eingegeben

Die Bauherrin Mettler2Invest rechnet, dass die Baubewilligung bis im Oktober erteilt wird. Damit stünde der Realisierung der ersten 2000-Watt-konformen Überbauung östlich von Winterthur nichts mehr im Weg.

Gianni Amstutz
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Wer von Osten her im Bahnhof Wil einfährt, soll künftig keinen Schandfleck mehr, sondern eine moderne Überbauung zu sehen bekommen.

Wer von Osten her im Bahnhof Wil einfährt, soll künftig keinen Schandfleck mehr, sondern eine moderne Überbauung zu sehen bekommen.

Visualisierung: PD

Es ist zweifellos eines der grössten Projekte seit Jahren, das in der Stadt realisiert werden soll. Die Überbauung des Landhausareals wird das Gesicht von Wil stark verändern. Der gemeinhin als Schandfleck bekannte Ort am Bahnhof Wil soll einem modernen Wohnungs- und Gewerbebau weichen.

Schon seit Jahren laufen die Arbeiten, nun gibt es noch eine letzte Hürde, bevor der Bau in Angriff genommen werden kann. Das Baugesuch wurde von der Bauherrin Mettler2Invest am Montag eingereicht. Werden dagegen keine Beschwerden erhoben, steht der Realisierung nichts mehr im Weg. Demnach könnte der Baubeginn noch in diesem Jahr erfolgen.

Gemischte Nutzung mit Wohnraum und Gewerbeflächen

Im Neubau sollen über 100 Wohnungen entstehen. Das Erd- und das erste Obergeschoss bietet zudem 4300 Quadratmeter für Gewerbe- und Büroflächen. Doch das Projekt ist nicht nur aufgrund seiner schieren Grösse speziell. Es vereint auch verschiedene städtebauliche Ziele der Stadtentwicklung.

So ist der Neubau auch ein Beispiel für die angestrebte innenstädtische Verdichtung. Zudem wird als Teil des Projekts eine neue unterirdische Veloabstellanlage realisiert. Das Parlament stimmte dem Kredit über 4,266 Millionen Franken unlängst zu. Die Verantwortlichen von Mettler2Invest bezeichnen die Überbauung in einer Medienmitteilung deshalb als Leuchtturmprojekt an prominenter Stelle, das nachhaltig und zukunftsorientiert zur Belebung und Entwicklung des Quartiers beitrage.

Ein steiniger Weg bis zur Ziellinie

So sieht es beim Landhausareal heute aus.

So sieht es beim Landhausareal heute aus.

Bild: PD

Dass es mehrere Jahre gedauert hat, bis die Überbauung des Landhausareals sich nun kurz vor der Ziellinie befindet, hat mit Einsprachen zu tun, die 2015 gegen den Gestaltungsplan eingingen. In der Folge wurde das Projekt überarbeitet und erfüllt nun die Anforderungen an ein 2000-Watt-Areal.

Das bedeutet, dass das Areal die Energie- und Klimaziele des Bundes und der Stadt erfüllt, wonach man bis ins Jahr 2050 klimaneutral sein will. Sowohl Planung, Realisierung als auch der Betrieb des Neubauprojekts erfolgen im 2000-Watt-Standard. So wird auf den Einsatz von treibhausgasintensiven Baumaterialien verzichtet, eine Fotovoltaikanlage errichtet, Warmwasser-Solarkollektoren sowie eine Erdsonden-Wärmepumpe eingesetzt und die Mieter beziehen ausschliesslich zertifizierten Strom. Damit wird das Projekt das erste östlich von Winterthur, das 2000-Watt-konform ist.

Auch ein Mobilitätskonzept ist Teil der Überbauung. Mieter werden beispielsweise über eine spezielle App für nachhaltiges Nutzerverhalten wie Carsharing, Velokurierservice und Hauslieferdienst sensibilisiert. Zudem stehen Ladestationen für Elektroautos und Elektrovelos sowie ein Carsharing-Angebot mit drei Fahrzeugen zur Verfügung.