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WIL: 32 Jahre lang am Puls der Patienten

Der Ur-Wiler Hausarzt Paul Meyenberger hatte diese Woche seinen letzten Arbeitstag. In den 32 Jahren seiner Tätigkeit hat sich einiges verändert. Vom Berufsbild des Hausarztes über die Labortechnik bis hin zu den Patienten selbst.
Ursula Ammann
Paul Meyenberger ist der familiären Tradition gefolgt und Hausarzt geworden. Schon sein Vater und sein Grossvater hatten in Wil eine Praxis. (Bild: pd)

Paul Meyenberger ist der familiären Tradition gefolgt und Hausarzt geworden. Schon sein Vater und sein Grossvater hatten in Wil eine Praxis. (Bild: pd)

WIL. Hausarzt zu sein hat in der Familie Meyenberger Tradition. «Für mich war schon früh klar, dass ich in die Fussstapfen meiner Vorfahren treten werde», sagt Paul Meyenberger. Sein Vater und schon sein Grossvater hatten eine Hausarztpraxis in Wil. Nach dem Medizinstudium und Assistenzjahren in Bern und im Wallis eröffnete er 1984 seine eigene Praxis an der Tonhallestrasse.

Immer weniger Hausärzte

Heute falle es jungen Medizinern nicht mehr so leicht, Hausarzt zu werden, sagt Paul Meyenberger. «Bei einer Stelle im Spital sind die Arbeitszeiten geregelter.» Dazu komme die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten.

Paul Meyenberger, spezialisiert auf Innere Medizin, schloss sich vor zwei Jahren einer Praxisgemeinschaft in der Filzfabrik an. Einen Nachfolger für seine eigene Praxis fand er nicht. So gehe es heute vielen Hausärzten, sagt er. Dies führe immer mehr zu einem Mangel. «In Wil ist die Dichte an Hausärzten zwar noch verhältnismässig hoch, doch praktisch alle Praxen haben einen Aufnahmestop für neue Patienten», erklärt der 69-Jährige. Für ihn ist klar: Eine weitere Doppelpraxis wäre in der Äbtestadt nicht fehl am Platz.

Internet schürt Ängste

Paul Meyenberger war gerne Hausarzt, schätzte die Abwechslung. Am Morgen wusste er jeweils nicht, wie der Tag aussehen würde. Als permanente Herausforderung habe er es empfunden, schnell eine Lösung zu finden und den Patienten mit einem Vorschlag zur Heilung wieder aus der Tür zu lassen.

Über die Jahre hat Paul Meyenberger einen Trend «zum Konsum von Medizin» festgestellt. «Die Leute gehen heute schneller zum Doktor», sagt er. Dies, obwohl die Bevölkerung mittlerweile mehr über die Gesundheit weiss als früher – auch dank des Internets. Sich selbst im Netz zu informieren, könne aber auch zum Problem werden, sagt Meyenberger. «Häufig schürt das Ängste.» Symptome wie ein länger anhaltender Husten würden dann schon mal vom Patienten selbst als Lungenkrebs diagnostiziert, erzählt er. «Ich habe Patienten auch schon verboten, ihre Beschwerden zu googeln. Sie machen sich damit teils kränker, als sie sind.»

Kittel existiert nicht mehr

32 Jahre lang war Paul Meyenberger Hausarzt. Eine Zeit, in der sich auch in bezug auf die Labortechnik vieles verändert hat. «In jedem Landspital stehen mittlerweile modernste Geräte zur Verfügung», sagt er. Damit sei aber auch der Wunsch der Patienten gestiegen, dass die Technik zur Anwendung komme. Zum Beispiel, indem man sich in der Röhre von Kopf bis Fuss durchleuchten lassen wolle.

Manchmal denkt Paul Meyenberger zurück an die Zeit, als sein Vater noch als Arzt tätig war. «Damals nahm die Bestimmung des Blutzuckerwertes 20 Minuten in Anspruch», erzählt er. «Heute sind es 30 Sekunden.»

Trotz jeglichen technischen Fortschritts schätze der Patient nach wie vor das Gespräch und den Körperkontakt mit dem Arzt, sagt Meyenberger. «Es ist auch wichtig, einfach mal das Herz abzuhören.» Das Stethoskop habe er aber nie um den Hals getragen. «Das ist zu amerikanisch», lacht er. Auch der weisse Kittel existiere in den Praxen heute nicht mehr. .

Mallorca und Modellfliegen

Am Mittwoch hatte Paul Meyenberger seinen letzten Arbeitstag. «Ich bin zufrieden und auch etwas erleichtert, pensioniert zu sein», sagt der 69-Jährige. Er werde sich nun sicher öfter als vorher im Ferienhaus in Mallorca aufhalten und dabei nicht den Druck haben, auf einen bestimmten Termin zurückkehren zu müssen. Auch seinem Hobby, dem Modellfliegen, wird der vierfache Vater und zweifache Grossvater in Zukunft mehr Zeit widmen können.

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